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Wermelskirchen: Die Angst der Politik vor Fake News

Wermelskirchen : Die Angst der Politik vor Fake News

Manipulationen und Stimmungsmache im Netz - Wermelskirchener Politiker zeigen sich besorgt. Einige Parteien bereiten sich aber auch vor, um das Internet als wichtigen Werbeträger ihrer politischen Botschaften zu nutzen.

Werden die anstehenden Wahlen in diesem Jahr auch in Wermelskirchen in einem Informationskrieg enden? Heimische Parteien rüsten inzwischen auf, denn das Plakat ist zwar immer noch wichtiger Werbeträger, doch an einer guten Homepage oder einem Facebook-Auftritt kommen auch örtliche Politiker nicht mehr vorbei. Das sehen zwar nicht alle so, aber der Trend ist unverkennbar. Das ergab eine Umfrage.

Fake News im Netz seien ein großes Problem, meint Christian Klicki. Der Partei- und Fraktionsvorsitzende der CDU Wermelskirchen ist im Netz unterwegs und sieht die Probleme. Es gebe vermehrt Blogger auch in Wermelskirchen, die vertreten klare politische Positionen - für manche Bürger sei aber nicht erkennbar, ob dies objektive oder subjektive Positionen seien. "Politik muss neutral sein, oder es muss deutlich erkennbar sein, wohin sie steuert."

Die CDU selbst nutze das Internet intensiv. Für die künftigen Wahlen plant seine Partei eine Professionalisierung des Auftritts. Zum Beispiel in der Form, dass man politische lokale Botschaften in einem 90-Sekunden-Video präsentieren wolle. "Wir werden Politik visualisieren", kündigt Klicki an. Hier sei Facebook ein wichtiges Medium, dass viel mehr Menschen erreiche als nur die Homepage. "Ich möchte darauf nicht mehr verzichten", meint er. "Ich bekomme Meinungen von Leuten mit, die nicht auf politische Veranstaltungen gehen."

Auch die WNKUWG ist politisch aktiv im Internet - für die anstehenden Wahlen bediene man sich landesweit professioneller Hilfe, kündigt Fraktionsvorsitzender Henning Rehse an. "Wir werden unsere Aktivitäten ins Netz verlegen. Es wird von uns aus keine Plakatschlacht geben. Wir erreichen mit unseren Netzaktivitäten ein zigfaches Mehr an Leuten."

"Wir gehen als Bürgerverein auf die Straße und sprechen mit den Menschen": Darin sieht Büfo-Fraktionsvorsitzender Oliver Platt seine kommunalpolitische Aufgabe. "Wir sind ehrenamtlich unterwegs." Er habe nicht die Möglichkeit, sich so intensiv im Netz zu bewegen wie zum Beispiel die WNKUWG. "Wir halten uns als Bürgerform online zurück", sagt Platt. Ihm sei wichtig, dass das Bürgerforum sich nur mit kommunalen Themen beschäftigt. Dafür habe der Bürger sie gewählt.

Für die Grünen wird das Netz eine immer größere Rolle spielen, meint Sprecher Stefan Janosi. Hier gehe es einerseits um eine Professionalisierung, wo sich die Parteien immer mehr engagieren, aber auch um Manipulation der Nachrichten wie gefälschte Zitate. "Wenn einmal eine falsche Nachricht im Internet ist, bleibt sie drin." Die Grünen betreiben aktiv eine Facebook-Seite und eine Homepage. "Im Wahlkampf werden wir da unser verstärktes Augenmerk haben."

Durch Fake News ließen sich die FDP-Wähler nicht beeinflussen, ist sich Jürgen Manderla sicher. "Ich bin da ganz entspannt." Auch für seine Partei wird das Netz eine immer größere Rolle spielen, beginnend bei der Landtagswahl im Mai. "Wir haben bereits zusammengesessen und überlegt, wie wir Wermelskirchen und das Land besser darstellen können."

"Ich stelle fest, dass wir zunehmenden Zuspruch auf unsere Facebook-Seite haben, besonders wenn es um Themen wie Migration geht", erzählt Jochen Bilstein (SPD). Versuche von Manipulationen schließt er bei der Bundestagswahl nicht aus. "Wir erleben ja in Wermelskirchen, dass sich hier Gruppen äußern und im Netz bewegen, die nicht aus Wermelskirchen stammen", sagt Bilstein. Sie machen sich hier vor allem bemerkbar mit Fake-News - das dürfte künftig noch mehr werden. Dennoch sei Facebook ein wichtiges Thema - "die SPD ist da gut aufgestellt." Wohlwissend, dass das Netz missbraucht werde. "Aber damit müssen wir leben", sagt Bilstein.

Bei Diskussionen auf Facebook klinke er sich aber aus - das sei ein hermetischer Kreis, der da diskutiere. Sicher könne man über dieses Medium bestimmte Gruppen erreichen - "wir spüren schon, dass die Menschen nicht mehr zu Veranstaltungen kommen". Er selbst bevorzuge aber weiterhin das persönliche Gespräch. Bilstein: "Ich gehe weiter auf die Straße."

(RP)