Der Wermelskirchener Bäcker Uli Herrmann backt in diesem Jahr 4000 Weckmänner

Sankt Martin : Die Wiege der Stutenkerle

Etwa 4000 Weckmänner backt Bäcker Uli Herrmann in den Tagen vor Sankt Martin – für Kindergärten, Schulen und Martinszüge. Und jeder einzelne ist ein Unikat. Verwendet werden nur die besten Zutaten.

Bevor der Weckmann aufs Blech kommt, nimmt Uli Herrmann eine der Tonpfeifen aus dem Karton. „Jetzt noch das Ärmchen um die Pfeife legen und er ist fertig“, erklärt der Bäcker und schaut seinen jüngsten Weckmann zufrieden an. „Keiner sieht aus, wie der andere“, sagt er, legt den Stutenkerl auf das Blech und widmet sich dem nächsten Exemplar.

Neun Mal wird jeder Weckmann in der Backstube an der Berliner Straße von Bäckerhand berührt und geformt. Sieben Mitarbeiter sind im Einsatz. „Nur so können wir die Mengen stemmen“, sagt Herrmann. An der Backstubentür hängen die Aufträge von Kindergärten, Schulen und Martinszügen. Dazu gehört auch die Bestellung des Marketingvereins „Wir in Wermelskirchen (WIW), der für den großen Martinszug am Montag 600 Exemplare bestellt halt – Herrmann wird schon am Weihnachtsbaum warten, wenn Sankt Martin und etwa 1000 erwartete Gäste das Ziel ihres Zuges erreichen.

Simone Herrmann bringt Augen (Korinthen) und die Pfeifen an. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Etwa 4000 Weckmänner wird Uli Herrmann in diesem Jahr backen. „Eher noch ein paar mehr“, sagt er. Und das sei dann auch eine logistische Frage: In den Lagerräumern liegen dutzende zusätzliche Mehlsäcke und Butterpakete, Kartons mit kleinen Tonpfeifen. Zusatzschichten stehen an, die mitten in der Nacht beginnen, Zeitpläne sorgen dafür, dass die Ofenkapazitäten reichen und alle Mitarbeiter sind im Einsatz. „Wir backen frisch“, betont Herrmann. Das bedeutet, am gleichen Tag, an dem er die Weckmänner ausliefert, backt er sie auch – als letzter Wermelskirchener Bäcker. Und damit der Zeitplan aufgeht, muss jeder Handgriff sitzen. „Jeder im Team übernimmt eine Aufgabe“, sagt Herrmann. Der erste holt den Teig aus der Maschine und wiegt ab, der nächste macht ihn rund, bereitet ihn zum Formen vor. Der Nächste formt den langen Körper, dann wird er platt gedrückt. „Dann kommen die Augen dran“, sagt Herrmann, „Korinthen natürlich, keine Rosinen. Das gehört zur Tradition.“ Und am Ende kommt das Messer zum Einsatz, löst Beine und Arme vom Körper und gibt dem Stutenkerl seine Gestalt. Dann die Pfeife und das Ärmchen und der Weckmann ist bereit für den Garraum, bevor er in den Ofen kommt. „Wir machen unsere Arbeit hier wirklich mit Leidenschaft“, sagt Herrmann. Dann lacht er und ergänzt: „Nach dem hundertsten Exemplar an einem Vormittag sprechen wir aber nicht mehr von Weckmännern, sondern von Blödmännern.“

Fertig ist der Weckmann, der erst in den Garraum und dann in den Ofen wandert. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Die zusätzlichen Arbeitsstunden sind allerdings schnell vergessen, wenn er das Leuchten in den Augen der Kinder am Martinstag sieht – auch deswegen liefert er gern selber aus. Dann sieht er, wie die Kinder ein Bein vom Weckmann abbrechen und es sich schmecken lassen. „Wir haben also eine Verantwortung“, sagt Herrmann. Und um der gerecht zu werden, müsse man als Bäcker vor allem Wert auf die Qualität der Zutaten legen. „Keiner will einen trockenen Weckmann essen“, sagt er. Er müsse saftig und fluffig sein – im Grunde wie ein gutes Rosinenbrötchen. „Süßer Hefeteig“, erklärt Herrmann. Butter, Zucker, Eier, Milch, Mehl, Hefe: Bei den Zutaten mache er keine Kompromisse. Zum Abglänzen verwende er ein selbst kreiertes Geheimrezept, das dem Weckmann seinen letzten Schliff gebe. Und deswegen würden viele Wermelskirchener seinen Stutenkerl bereits am Geschmack erkennen. Neben den kleinen handlichen Exemplaren backt er übrigens auch riesige Weckmänner für Schulen und Unternehmen. Die messen dann 1,20 Meter. Und mit ihnen wird die Legende um Sankt Martin lebendig: Der Weckmann wird brüderlich geteilt.

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