Der Verein „Radieschen“ bekämpft die soziale Ausgrenzung

Weniger Spenden : Der Verein „Radieschen“ bekämpft die soziale Ausgrenzung

Verein fördert talentierte Kinder und Jugendliche und wirbt dringend um Spenden.

Im Musikunterricht fiel sie auf, weil ihre Stimme hervorstach, weil sie die Töne besser traf als die meisten anderen und weil in ihren Melodien ein Talent mitklang, dem ihre Musiklehrerin im Unterricht am Gymnasium nicht jeden Tag begegnete. Also sprach die Lehrerin ihre Schülerin auf die besondere Begabung an und empfahl ihr, Gesangsunterricht zu nehmen. Das Mädchen allerdings ahnte damals schon, dass dieser Traum wohl am Geld scheitern würde. Schließlich würde der Unterricht deutlich mehr kosten, als sich ihre Familie leisten konnte. Ihr Traum schien zu Ende geträumt. Damals rief die Musiklehrerin bei Birgit Ludwig-Schieffers an, trug ihr den Fall vor und bat um Unterstützung. Die Geschäftsführerin des Vereins „Radieschen“ zögerte nicht und sagte die Kostenübernahme für den Gesangsunterricht zu. Genau dafür seien sie da, erklärte Birgit Ludwig-Schieffers. Kein Kind solle sich ausgegrenzt fühlen, weil seine Familie bedürftig sei.

Vor 13 Jahren trat der Verein mit diesem Ziel an. „Und wir merken, die Lücke wird eher größer“, sagt Bürgermeister und erster Vorsitzender Rainer Bleek heute. Umso wichtiger sei es, zu helfen, wo Hilfe gebraucht werde. Dabei arbeitet der Verein mit Schulen und Vereinen zusammen – und mit Simona Sieglar von der katholischen Jugendagentur, die im Jugendbüro an der Eich junge Erwachsene und Familien rund um Fragen zum „Bildungs- und Teilhabe“-Paket berät.

Insgesamt 1362 Kinder aus 785 Familien in Wermelskirchen haben einen Anspruch auf die Unterstützung aus dem Topf. Zehn Euro, ab Herbst 15 Euro im Monat stellt der Bund Familien pro Kind für die Teilnahme am kulturellen Leben zur Verfügung. „Aber das ist oft nicht genug“, weiß Simona Sieglar. Und deswegen steuert der Verein gegen, versucht die Lücke zu füllen, die die Gesetzgebung lässt: wenn junge Erwachsene des Berufskollegs in das Jugendbüro kommen und einräumen, dass sie die Kosten für die Klassenfahrt nicht bezahlen können. Oder wenn eine Mutter von dem großen Wunsch ihrer Töchter erzählt, Tanzunterricht zu bekommen, der Beitrag dafür aber deutlich über zehn Euro liege. Oder wenn sich ein Junge nichts mehr wünsche, als Gitarre zu spielen, die Kosten bei der Jugendmusikschule aber die Möglichkeiten der Familie übersteigen. Das komme immer öfter vor – bei Menschen, die sich im Sozialhilfebezug befinden, aber auch bei Familien, die zwar nicht leistungsberechtigt seien, aber denen das Geld für Musik- oder Sportangebote für ihre Kinder fehle. Eltern können nicht selbst beim Verein Radieschen den Antrag stellen, sie brauchen Fürsprecher wie Lehrer, Trainer oder Simona Sieglar. Bürokratische Hürden kennt der Verein nicht.

„Weil wir allerdings meistens im Stillen arbeiten, sind in den vergangenen Jahren die Spenden zurückgegangen“, sagt Birgit Ludwig-Schieffers. Und deswegen wirbt der Verein dringend um finanzielle Unterstützung – um die Zirkusprojekte zu ermöglichen, die alle zwei Jahre in den Herbstferien stattfinden, aber auch um Kinder und Jugendliche weiterhin vor der sozialen Ausgrenzung zu schützen.

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