Der Löwenteich in Wermelskirchen geht den Bach runter

Ärger im Eschbachtal in Wermelskirchen : Der Löwenteich geht den Bach runter

Der Angelclub Rotauge verliert seine Heimat. Der Verein wirft der Stadt Remscheid Mitschuld vor. Die wehrt sich.

Seit 120 Jahren speist der Heintjesbach den Löwenteich im Eschbachtal. Er ist Heimat von Karpfen, Schleien, Brassen, Rotaugen. Und noch nie war der Teich, der sich im Eigentum der Stadt Remscheid befindet, an jemand anderes verpachtet als an den Anglerclub Rotauge. Damit dürfte es Ende des Jahres vorbei sein. Im Dezember soll der Damm durchbrochen werden und das Wasser des Teichs den Bach runtergehen. So will es die Europäische Union. Doch geben die Angler der Stadt Remscheid eine gehörige Portion Mitschuld.

Der Löwenteich gehört zwar der Stadt Remscheid, liegt aber auf dem Stadtgebiet von Wermelskirchen. 2006 wandte sich deshalb die Bezirksregierung Köln an das Remscheider Rathaus. Die wasserrechtliche Genehmigung für das Anstauen des Heintjesbaches müsse neu erteilt werden.

Das Schreiben blieb unbeantwortet und, das ist unstrittig, irgendwo im Rathaus liegen. „Deshalb haben wir jetzt solche Probleme“, sagt Schriftführerin Cornelia Schmidt. Denn erst 2011, also fünf Jahre später, tauchte das Schriftstück wieder auf. In der Zwischenzeit seien Fristen für eine Verlängerung der geltenden Genehmigung verstrichen. Nun müsse das Wasserrecht neu beantragt werden, was mit hohen Auflagen verbunden sei, sagt Cornelia Schmidt.

Markus Wolf, Leiter des Stadtforstamtes, weist den Vorwurf zurück. Die Verzögerung ändere nichts an der schwierigen Rechtslage. Zwar sagt die Untere Wasserbehörde des Rheinisch-Bergischen Kreises eine Genehmigung des Teiches zu, knüpfte daran aber Bedingungen. Unter anderem müsse der Antragsteller nachweisen, dass der Damm standsicher, die Gewässergüte gewahrt und die hydraulische Anlage den Hochwasserschutz gewährleiste. Die Stadt Remscheid ließ Gutachter kommen, Ingenieure prüften die Stauanlage, Studenten aus Lübeck schrieben eine Abschlussarbeit über den Löwenteich. Markus Wolf taxiert die Kosten für die verschiedenen Expertisen heute auf einen mittleren fünfstelligen Betrag.

Dann kam der Kostenvoranschlag für die Arbeiten, die zu verrichten wären, um der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie genüge zu tun. Eine mittlere sechsstellige Summe müsste die Stadt dafür berappen. Allerdings dürfte der Löwenteich auch dann nur noch bis zum Jahr 2027 weiter betrieben werden. Dann sei endgültig Schluss.

Die Behörden verweisen auf die Europäische Wasserrahmenrichtlinie. Sie fordert die Durchgängigkeit der Gewässer, das heißt Fische und Amphibien sollen nicht durch Wehre und Stauanlagen am Wandern gehindert werden. „Dämme sind den Genehmigungsbehörden deshalb ein Dorn im Auge“, sagt Markus Wolf.

150 Euro bezahlte der AC Rotauge bislang an Pacht pro Jahr an die Stadt Remscheid. Dass die nun einige Hunderttausend Euro ausgeben soll, damit der Verein noch acht Jahre angeln darf, sieht der Forstamtsleiter kritisch.

Stattdessen bot die Stadt Remscheid dem AC Rotauge die 5000 Quadratmeter große Teichanlage für einen Euro zum Kauf an. Mit Blick auf die prognostizierten Sanierungskosten lehnten die Angler ab. Auch andere Teiche, die die Stadt dem Verein als neue Heimat angeboten hat, „sind für uns gegenwärtig keine Alternative“, sagt Cornelia Schmidt. Die 120-jährige Geschichte des Löwenteichs aber dürfte im Dezember enden.

(Boll)
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