Wermelskirchen: Das neue Leben von "Oma" Helga und Hamed

Wermelskirchen: Das neue Leben von "Oma" Helga und Hamed

Helga Heckmann und Hamed Hosseini sind Freunde geworden. Mit dem Iraner veränderte sich unerwartet das Leben der 76-Jährigen.

Hamed Hosseini kocht Tee. Geduldig wartet er, bis das Wasser sprudelt, während Helga Heckmann die großen Tassen aus dem Schrank holt. Der Tisch ist weihnachtlich gedeckt, die Stube in dem alten Fachwerkhaus strahlt Gemütlichkeit aus. "Du auch, Oma?", fragt der 32-Jährige und bereitet dann eine weitere Tasse samt Teebeutel vor. Die beiden sind ein eingespieltes Team. Hamed Hosseini und Helga Heckmann.

Vor zwei Jahren lebte er noch im Iran. "Dort gibt es keine Freiheit", sagt er. Berufliche Perspektiven habe er keine gehabt. Also verließ Hamed Hosseini den Iran und begann ein neues Leben. 2015 kam er in Köln an und wurde von dort nach Wermelskirchen geschickt. "Ich habe in einem Heim gelebt", erzählt er, "das war schlimm."

So viel Zeit wie möglich verbrachte er draußen, suchte vorsichtig Kontakt zu den Menschen in Wermelskirchen. "Wir haben mit vier Männern auf einem Zimmer gelebt", erzählt er, "und das Badezimmer war für zehn Menschen." So habe er sich das Leben nicht vorgestellt, als er damals seine Familie und seine Freunde hinter sich ließ. Aber dann lernte er die Helfer der Initiative "Willkommen in Wermelskirchen" kennen und mit ihnen kam die Hoffnung zurück. Damals lernte er auch seine neue "Oma" kennen.

Helga Heckmann hatte lange etwas zurückgezogen in ihrem gemütlichen Fachwerkhaus gelebt. "Ich wurde älter und habe viel geschlafen", erzählt sie und lacht, "und wahrscheinlich wäre das auch so geblieben." Aber dann zog unten in ihrem Haus ein neuer Mieter ein und er brachte Hamed Hosseini auf einen Tee mit. "Ich bin selber im Krieg aufgewachsen", erzählt die 76-Jährige, "natürlich habe ich Mitleid, wenn ich die Jungs sehe, wie sie versuchen, sich ein neues Leben aufzubauen." Sie kamen ins Gespräch - und das veränderte schließlich ihr beider Leben.

Inzwischen hat Hamed Hosseini das Heim verlassen und wohnt im Haus nebenan. "Eine schöne Wohnung", schwärmt Heckmann. Sie hat sich dafür eingesetzt, dass der junge Mann seine eigenen vier Wände bekommt, Möbel für seine neue Wohnung. Und auch Hamed Hosseini sagt heute: "Jetzt geht es mir wieder gut." Deutsch wolle er noch besser lernen, den Führerschein machen und dann endlich arbeiten. Der 32-Jährige hat wieder gelernt zu träumen. Und bis er sich die Träume erfüllt, entdeckt er gemeinsam mit Helga Heckmann das neue Land.

Helga und Hamed gehen gemeinsam zur Kirche

"Ich brauche auch meinen Freiraum", sagt die 76-Jährige, "aber ich war noch nie auf dem Turm in Deutz, meine letzte Schifffahrt ist Jahre her." Aber mit Hamed Hosseini unternimmt sie all diese Dinge. "Wir sind oft in Köln unterwegs", erzählt der junge Mann. Dann sitzen sie manchmal gemeinsam in einer Bankreihe im Dom und erzählen sich aus dem Leben. "Ich bin Christ geworden, als ich nach Deutschland kam", erzählt er. Und sie ergänzt: "Und ich habe durch ihn zur Kirche zurückgefunden." Jeden Sonntag treffen sie sich im Gottesdienst in der Evangelischen Stadtkirche. Meistens wartet sie schon auf ihn in der vorletzten Reihe.

Helga Heckmann lacht viel. Und ihre Offenheit macht es Hamed Hosseini leichter. Mit ihr spricht er Deutsch, auch wenn er noch schüchtern ist. Mit ihr bespricht er seine Pläne. Und sie hilft ihm, wenn die Post mal wieder unverständlich ist. Sie sind Freunde geworden. Und wenn sie mit dem Rollator an ihre Grenzen kommt, dann greift er beherzt ein. Wenn sie Hilfe beim Einkaufen braucht, dann ist er da. Er kocht Reis und Hühnchen und erzählt von seiner Kultur. "Im Iran ist man für seine Familie da", sagt er, "und Helga ist jetzt meine Familie." Das Leben hat sich für die beiden verändert.

(resa)