Rhein-Berg Das ist das Zukunftsprogramm des Wupperverbands

Rhein-Berg · Der Wupperverband hat sein Zukunftsprogramm vorgestellt. Es bringt Fortschritte und Meilensteine unter anderem im Hochwasserschutz, in der Anlagenoptimierung und in etlichen Kooperationen voran.

 Georg Wulf, Vorstand, Claudia Fischer, Verbandsratsvorsitzende und Thomas Klein, Bereichsleiter Technik und Flussgebietsmanagement (v. l.).

Georg Wulf, Vorstand, Claudia Fischer, Verbandsratsvorsitzende und Thomas Klein, Bereichsleiter Technik und Flussgebietsmanagement (v. l.).

Foto: Benjamin Schaefer

Der Wupperverband startet mit vielen Projekten und Zukunftsaufgaben in das neue Jahr. Das Pensum der Herausforderungen bleibt weiterhin hoch. Dem Management dieser Aufgaben widmet sich der Verband mit voller Kraft und kann darin auch gute Fortschritte vorweisen, so lautet das Fazit von Claudia Fischer, Verbandsratsvorsitzende, Georg Wulf, Vorstand, und Thomas Klein, Geschäftsbereichsleiter Technik und Flussgebietsmanagement. Mit seinem Zukunftsprogramm Hochwasserschutz setzt der Wupperverband in seinem Wirkungsbereich eine umfassende Programmatik zur Anpassung an die Klimaveränderungen von Hochwasser bis Trockenheit um. Es erfolgt außerdem eine Optimierung an den Schnittstellen zu anderen Verantwortlichen und Beteiligten in der Hochwasservorsorge, insbesondere die Zusammenarbeit und Abstimmung mit den Kommunen und ihren Einsatzkräften.

Zukunftsprogramm Hochwasserschutz: Umsetzung geht voran

In den einzelnen Handlungsfeldern des Zukunftsprogramms Hochwasserschutz sind schon viele Fortschritte erzielt. Der Verband hat unter anderem einen Großteil der Schadensmeldungen an den Gewässern bearbeitet, Meldewege und Informationsbereitstellung an die Einsatzkräfte verbessert, Hotspots analysiert, Planungen begonnen oder fortgeführt und Projekte gestartet. Insgesamt hat er bisher rund 780 Einzelprojekte und Ideen unterschiedlicher Größenordnung im gesamten Wuppergebiet identifiziert, die mit den Mitgliedskreisen und -kommunen abgestimmt und priorisiert werden müssen.

In 2023 stehen einige weitere Meilensteine an: eine Machbarkeitsstudie zur Verbesserung des Hochwasserschutzes in Wuppertal-Beyenburg, die Ausschreibung der Planungsarbeiten für das Folgeprojekt Hochwasserschutz Eschbach 2 in Solingen-Unterburg sowie die Planung für die Vergrößerung des Rückhaltevolumens des Hochwasserrückhaltebeckens (HRB) Ophovener Weiher in Leverkusen.

In Wermelskirchen wird das HRB Höllenbach 2 saniert. „Hier sind wir zurzeit bei der Ausführungsplanung und der Förderantrag ist gestellt. Wenn der Förderbescheid vorliegt, kann die Ausschreibung gestartet werden“, sagt Ilona Weyer, Pressesprecherin des Wupperverbands.

Es gibt zudem verbandsübergreifende Maßnahmen, die auch für Wermelskirchen zutreffen. So wurden unter anderem für die einzelnen Kommunen Meldepässe erstellt. „Das heißt, die Kommunen haben von uns relevante Informationen zu Hotspots mit zugehörigen Pegeldaten erhalten, die zur Unterstützung der Einsatzplanung des kommunalen Katastrophenschutzes dienen“, erklärt Ilona Weyer. Es erfolgen automatisierte Meldungen bei Überschreitung von Meldeschwellen der Talsperrenabgaben an Feuerwehren. Zudem wurden die Feuerwehren in der Nutzung des Hochwasserportals geschult. „Im Ereignisfall schaltet unser Hydrologe vom Dienst zusätzlich zu seiner Erreichbarkeit per Mail/Telefon einen offenen Videokanal, in den sich dann auch der Katastrophenschutz der Kommune Wermelskirchen einwählen kann“, so Weyer.

Auch für das geplante grüne HRB am Murbach im Bereich der Diepentalsperre erfolgt eine Neuberechnung und Vergrößerung des Rückhaltevolumens. Beim schon gestarteten Neubau des kombinierten Hochwasser- / Regenrückhaltebeckens Bornberg in Wuppertal erfolgt nach Abschluss des Bodenaushubs der Bau der Ein- und Auslauf- sowie Schachtbauwerke. Neben technischen Projekten ist der „grüne Hochwasserschutz“ eine wichtige Säule im Zukunftsprogramm. Damit Wupper und Nebenbäche mehr Raum bekommen, setzt der Wupperverband Renaturierungen um. Daher soll ein elf Kilometer langer Wupperabschnitt zwischen Marienheide und Wipperfürth renaturiert werden. Natürliche Flussgestaltung und Aufweitungen bringen Synergien für Gewässerentwicklung und Hochwasserschutz.

Auch Grundstückseigentümer mit Gewässergrundstücken sind aufgefordert, Möglichkeiten zur Gewässerverbreiterung zu prüfen. Je mehr Wasser pro Sekunde in das Gewässer passt, desto weniger tritt über die Ufer. Im Talsperrenmanagement knüpft der Wupperverband an die erfolgreiche Strategie des vergangnenen Jahres an, im Sommerhalbjahr zusätzlichen Stauraum an Wupper-, Bever- und Neye-Talsperre für Starkregen frei zu halten und diesen bei Bedarf situativ durch eine gezielte Vorentlastung zu vergrößern.

Für das gemeinsam mit Partnern eingereichte Forschungsprojekt „Bergisches Hochwasserschutzsystem 4.0“ erwartet der Wupperverband im Frühjahr eine Rückmeldung des Fördermittelgebers. Zielsetzung des Projektes ist, mittels künstlicher Intelligenz die Vorhersage von Wasserständen der Pegel an den Gewässern bei Hochwasserereignissen zu optimieren.

Technische Anlagen optimieren

In diesem Jahr wird der Wupperverband an der Kerspe-Talsperre das Tosbecken sanieren. An der Bever-Talsperre wird ein Ringkolbenventil ausgetauscht, ein anspruchsvoller und hochkomplexer Vorgang in den Tiefen des Dammbauwerks.

In Wermelskirchen wird die Kläranlage saniert werden. „Im Herbst des vergangenen Jahres sind wir mit der Entwurfsplanung gestartet, in Arbeit ist nun die Genehmigungsplanung. Zum einen ist hier die bedarfsgerechte Sanierung der Maschinen-, Bau- und Elektrotechnik vorgesehen“, sagt die Verbandsvorsitzende Claudia Fischer. Im Fokus stehen die Reduzierung des Energieverbrauchs sowie betriebliche Optimierungen im Bereich Verfahrenstechnik und Hydraulik. Außerdem soll das Prozessleitsystem auf den verbandsweiten Standard umgerüstet werden.

Auch die Kläranlage Hückeswagen wird der Verband umfassend sanieren sowie verfahrenstechnisch und energetisch optimieren. Die Vergabe der Planungsleistungen soll im Frühjahr erfolgen. Für die Kläranlage Leverkusen bearbeitet der Wupperverband derzeit die Aspekte Optimierung seines Anlagenteils – mechanische Reinigungsstufe – und die Prüfung zur Fortführung der Kooperation mit Currenta nach 2031 beziehungsweise den Neubau einer eigenen Kläranlage.

Zukunftsfähige Entsorgung der Klärschlämme ist ein zentrales Thema. Hier plant die KVB GmbH, an der der Wupperverband beteiligt ist, eine neue Klärschlammverbrennungsanlage zu bauen. Diese wird dann auch erneuerbare Energie zur Verfügung stellen.

Kooperationen: Gemeinsam zum Ziel

In vielen Themenfeldern arbeitet der Wupperverband eng mit Partnern zusammen, zum Beispiel in der KVB GmbH zur gemeinsamen Planung einer neuen Klärschlammverbrennungsanlage. In Marienheide unterstützt der Wupperverband – gemeinsam mit dem Aggerverband – die Kommune bei der Kanalnetzbewirtschaftung. Weitere Kooperationen sind zum Beispiel mit der Stadt Hückeswagen im Gespräch. Durch die enge Verzahnung an der Schnittstelle kommunales Kanalnetz und Kläranlagen des Verbandes kann der Abwasserprozess optimiert werden.

Forschung und Innovation

Neue Verfahren testen, wissenschaftliche Erkenntnisse gewinnen und in die Praxis einbringen – dies ist das Motto des Wupperverbandes im Bereich Forschung und Innovation. Mit dem Thema Recycling von Phosphor – einem für alle Menschen lebenswichtigen Rohstoff mit endlichen Vorkommen auf der Erde – beschäftigen sich das Forschungsprojekt AMPHORE (Regionales Klärschlamm- und Aschenmanagement zum Phosphorrecycling für einen Ballungsraum) und die eigens dafür gegründete PhosRec Gmbh, an der der Wupperverband beteiligt ist. Das Forschungsprojekt COVIDready unterstützt der Wupperverband dadurch, dass er zweimal wöchentlich Abwasserproben aus einer Kläranlage Buchenhofen liefert. Die Daten dieses im Forschungsprojekt untersuchten abwasserbasierten Corona-Monitorings werden online beim Landeszentrum Gesundheit NRW veröffentlicht.