„Das Haus Eifgen ist ein echtes Kulturzentrum“

Interview mit Michael Dierks : „Das Haus Eifgen ist ein echtes Kulturzentrum“

Michael Dierks von der Kulturinitiative Wermelskirchen spricht im BM-Interview über das erste Halbjahr im Haus Eifgen, den Planungsaufwand und die Grenzen in der Ausrichtung des Programms.

Im Haus Eifgen gibt es keine Sommerpause – warum eigentlich nicht?

Dierks Es hat sich schlicht nicht ergeben. Früher haben wir ja nur die Blues-Sessions organisiert, die liefen auch immer ohne Sommerpause durch. Und im Haus Eifgen gibt es jetzt genug Anfragen - auch für Vermietungen – im ganzen Jahr, so dass sich die Frage nach einer Pause gar nicht stellt.

Wie ist denn das Fazit der ersten Jahreshälfte?

Dierks Die Besucherzahl lag bis Juni noch unter den Erwartungen, seit Juli geht es merklich bergauf. Es gab einige Veranstaltungen mit einem sehr hohen kulturellen Anspruch – was leider oft mit eher geringer Zuschauerzahl einhergeht. So etwa die beiden Mädels von „Katiju“ aus Dresden, die mit ihrer großartigen Darbietung leider vor nur 13 Zuschauern auftreten mussten. Die werden wir aber auf jeden Fall wieder buchen, denn die Besucher, die da waren, sind schlicht begeistert nach Hause gegangen.

Was kam denn beim Publikum besonders gut an?

Dierks Blues und Rock sind immer noch die Magneten, beim Jazz ist es der „Les Searle Swing“. Aber natürlich auch die Wasserfuhr Brüder und das westafrikanische Trio um Adjiri Odametey. Was hingegen überhaupt nicht geklappt hat, war die Argentinierin Loli Molina. Das hat so überhaupt nicht dem entsprochen, was wir erwartet haben. Eine außergewöhnliche Geschichte, mit der wir im Vorfeld gar nicht so gerechnet haben, war der Texaner Seth Walker. Das war ein überraschend gutes Konzert. Manchmal wissen wir im Vorfeld eben nicht, was vom Publikum her passieren wird, obwohl wir durchaus ein Stammpublikum haben, das zu vielen Konzerten kommt.

Aber es ist schon die Mischung aus Session, Konzerten und ruhigeren Angeboten, die es ausmacht?

Dierks Ja, das stimmt. Der Mix macht’s wirklich! Und wir haben immer mehr Zuspruch von Leuten aus dem Ruhrgebiet, der Eifel und dem Sauerland. Die kommen teils speziell wegen einzelner Konzerte nach Wermelskirchen.

Wie lange planen Sie im Voraus?

Dierks Wir waren zur Jahreshälfte eigentlich schon ein wenig zu spät dran, aber nun steht das Programm bis Mai 2020 zu 90 Prozent, wichtige Highlights schon bis Dezember. Es gibt aber auch schon die ersten Anfragen für 2021. Wir halten uns damit aber im Moment noch etwas zurück, weil wir das Programmraster strukturieren und straffen möchten. Das ist eine Aufgabe, die wir jetzt gemeinsam angehen. Damit weiß die jeweilige Zielgruppe: Das ist mein Tag, das ist mein Genre. Auch der Mix zwischen eintrittsfreien Konzerten und Eintrittskonzerten muss ausgewogen sein. Denn es geht auf Dauer nicht, dass pro Woche zwei oder gar drei Konzerte mit Eintritt stattfinden.

Wie aufwändig ist die Planung?

Dierks Das ist sehr aufwändig. Für mich ist das ein Vollzeitjob mittlerweile. Seit 2014 bin ich aus dem Beruf ausgestiegen und kümmere mich um die Buchungen, zu denen ja nicht nur die Auswahl und die Vertragsabschlüsse gehören sondern auch die anschließende Verwaltung und Öffentlichkeitsarbeit. Im Vorjahr waren es 120 Veranstaltungen, davon 105 mit konzertantem Charakter. Die damit zusammenhängenden Aufgaben habe ich in den vergangenen zwei Jahren zu 90 Prozent alleine gestemmt – abgesehen vom großartigen Thekenteam, aufgebaut von Michael Mohr, und der Hausverwaltung, die nun von der Genossenschaft übernommen wird. Ohne unseren Hausmeister ginge das nicht, und ein Kern von 25 Helfern kümmert sich um die Bewirtschaftung und den Ausschank, da halte ich mich komplett raus. Dazu kommt nun Unterstützung für die Veranstaltungstechnik. Sicher, es gibt immer mal Hilfe beim Booking, aber abgesehen vom Jazz, um den sich Michael Regenbrecht kümmert, lag das bisher alles in meiner Verantwortung. Wir haben zur Entlastung nun ein Veranstaltungs-Team gegründet.

Wie kommen Sie eigentlich an die Bands für die Sessions?

Dierks Ganz einfach, die melden sich bei uns. Michael Regenbrecht hat gute Kontakte im Jazz, ansonsten melden die Bands sich aber tatsächlich bei uns.

Haben Sie einen persönlichen Wunsch, wer im Haus Eifgen auftreten soll?

Dierks Ich will mich da gar nicht so gezielt auf bestimmte Bands festlegen. Ich sag mal so: Wenn man die Bands und Künstler nicht anspricht, weiß man nie, wie und ob sie überhaupt reagieren. Ich denke dabei etwa an die Wohnzimmerkonzerte von „Die Toten Hosen“. Oder ich habe kürzlich ein YouTube-Video von Sting gesehen, der hat auf einer Gartenparty gespielt. Wir hatten ja schon mal ein Konzert mit Henrik Freischlader, der war zwar teuer, aber auch sehr gut. Wir gehen solche Kategorien aber schon an. Im November wird etwa eine Joe-Cocker-Tribute-Band hier sein – die Musiker haben Joe Cocker bei einem RTL-Auftritt komplett begleitet. Sebastian Krumbiegel von „Die Prinzen“ habe ich angefragt, aber noch keine Reaktion, dafür haben wir aber schon viele andere Highlights im Kasten.

Wie kommt denn das Wohnzimmer-Flair bei den Künstlern an?

Dierks Diese einmalige Atmosphäre bleibt erstaunlicherweise auch bei vollen und lauten Konzerten erhalten. Die Bühne ist in der Tat ungewöhnlich und die unmittelbare Nähe zu den Musikern kommt bei beiden Gruppen gut an. Dazu trägt auch bei, dass uns die Musiker einen wahnsinnig guten Bühnensound bescheinigen. Die Bands und Künstler fühlen sich pudelwohl, das wiederum kommt dann vorne an. Selbst die Kinder haben sich bei der Kinderoper „zu Hause“ gefühlt. Wir bekommen auch viele Kommentare von Musikern, die sich sehr lobend über unser Haus und das Team äußern.

Was ist für Sie das besondere Flair im Haus Eifgen?

Dierks Ich sehe es als ein Haus mit vielen Überraschungen und Möglichkeiten, von denen wir vielleicht noch gar nichts wissen. Das geht von Ideen zu Kinder- und Jugendarbeit über Kunst- und Firmenworkshops, Gesprächsrunden und Lesungen, Feste und Feiern bis hin zu den Konzerten. Das Haus Eifgen ist ein echtes Kulturzentrum, das sich uns und unseren Gästen Stück für Stück mehr öffnet. Es lebt.

Wie ist denn der Stand in Sachen Genossenschaft?

Dierks Mit der ersten Phase sind wir praktisch durch, der Kaufvertrag ist unterschrieben, die primären finanziellen Voraussetzungen intern wie extern sind erreicht, das heißt: die Finanzierung steht, und wir haben auch die amtsgerichtliche Eintragung als Genossenschaft beantragt. Die steht leider noch aus, so dass wir am 3. Oktober zwar feiern, aber eben noch nicht den Eigentümerwechsel.

Wird es denn bei der grundsätzlichen Ausrichtung des Programms bleiben?

Dierks Ja, auf jeden Fall. Die Mischung aus Jazz, Blues, Rock, Folk und Wortveranstaltungen wird bleiben. Wir hatten kürzlich mal eine Anfrage für eine Ü-30-Party und haben diese Anfrage im Vorstand einstimmig abgelehnt. Das wollen wir nicht. Es passt nicht zum Haus und nicht zu uns. Es gibt Grenzen, auf die wir auch bei der Vermietung an geschlossene Gesellschaften achten.