Schulwechsler in Wermelskirchen Das Gymnasium ist ohne Konkurrenz vor Ort

Das Gymnasium in Wermelskirchen hat einen guten Ruf und keine gymnasiale Konkurrenz vor Ort. Doch der exklusive Status schützt nicht vor Schulwechslern.

 Armin Himmelrath war gerne Schüler des Gymnasiums in Wermelskirchen. Doch schon damals waren nicht alle so zufrieden wie er.

Armin Himmelrath war gerne Schüler des Gymnasiums in Wermelskirchen. Doch schon damals waren nicht alle so zufrieden wie er.

Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Bildungsjournalist Armin Himmelrath (52) blickt gerne auf seine Gymnasialzeit in Wermelskirchen zurück. Die Jahre in der Stockhauser Straße, wo das Gymnasium als einziges vor Ort steht, seien sehr prägend gewesen: „Ich habe dort einiges an Grundlagen für meine berufliche Laufbahn gelernt“, sagt der preisgekrönte Wissenschaftsjournalist, der heute unter anderem als Leiter des Bildungsressorts beim Nachrichtenportal Spiegel Online tätig ist.

Allerdings seien auch damals schon nicht alle Mitschüler zufrieden gewesen: „Es gab einige, die früher oder später auf das Landrat-Lucas-Gymnasium in Opladen wechselten oder auf das Ernst-Mortz-Arndt-Gymnasium in Remscheid.“ Im Falle der Leverkusener Schule habe es geheißen, dass das Abitur dort leichter sei. Ähnliches sei von der EMA zu hören gewesen.

Himmelrath kann nicht beurteilen, ob dieser Ruf begründet war. Er weiß auch nicht genau, was Schüler in der jetzigen Zeit dazu bringt, von Wermelskirchen auf ein anderes Gymnasium zu wechseln. Als Bildungsexperte, der er heute ist, glaubt er jedoch, „dass es neben den objektiven Kriterien für eine gute weiterführende Schule auch subjektive Kriterien gibt“. Während Eltern mit der Schule ihrer Kinder „in der Regel zufrieden sind, wenn sich gute Leistungen einstellen“, sei der Zufriedenheitsgrad von Schülerinnen und Schülern „oft sehr viel stärker an das Wohlgefühl gekoppelt“. Das wiederum hänge stark von den Mitschülern und Lehrkräften ab.

Hier komme die Wahrscheinlichkeitsrechnung ins Spiel: „Bei mehrzügigen Jahrgangsstufen und einem großen Kollegium lässt sich kaum planen, welche Mitschüler und Lehrer man erwischt.“ Das sei Zufall und „eine Risiko-Komponente, die bei jedem Schulwechsel mit im Gepäck ist“.

So sieht es auch Christian Vorkauf, der zehn Jahre Deutsch und Chemie am Gymnasium in Wermelskirchen unterrichtete und zu Beginn des laufenden Schuljahres an ein Gymnasium in Leverkusen gewechselt ist. Trotzdem kann der Lehrer aus Burscheid, der beim Philologenverband Nordrhein-Westfalen Vorsitzender des Bezirks Leverkusen ist, über einzelne Schulen Konkretes sagen. Das Gymnasium in Wermelskirchen etwa sei „ausgezeichnet organisiert“ und mache „den Schülerinnen und Schülern sehr viele Angebote“. Wenn dennoch ein Kind an eine andere Schule wechseln wolle, sei „entscheidend, dass man auch als Eltern überzeugt ist“. Wobei es Argumente gibt, gegen die Eltern kaum anreden können.

Aus Sicht der 18-jährigen Muriel Jahnke, die im letzten Schuljahr in Wermelskirchen Abitur machte, zählt dazu das Interesse an einem speziellen Fach wie Chinesisch: „Dieses Fach, das mich auch gereizt hätte, kann man in Wermelskirchen nicht wählen, wohl aber an allen Remscheider Gymnasien.“ Wer unbedingt Chinesisch lernen wolle, müsse zwangsläufig wechseln. Weitere wichtige Argumente seien Stundenmodelle und „Stundenpläne, die bereits in der Einführungsphase in die Oberstufe Nachmittagsunterricht bis 18 Uhr vorsehen“. Wenn das mehr als einmal pro Woche der Fall sei, „ist das Leben schon als Schüler so eng getaktet, dass sich langjährige und liebgewonnene Hobbies entweder gar nicht mehr oder nur auf Kosten guter Noten praktizieren lassen“.

Auch nicht unerheblich sei die Infrastruktur rund um die Schule: „Wermelskirchen als kleinere Stadt hat hier weniger zu bieten.“ Vielen Schülern werde das aber erst in der Oberstufe bewusst, „wenn sie vor Beginn des Nachmittagsunterrichts in der Mittagspause die Schule verlassen dürfen“. Wer dann mal eben ins Remscheider Allee-Center gehen kann, hat auch aus Sicht der 15-jährigen Alexander Kirstein, die in Wermelskirchen lebt und hier seit der 5. Klasse das Gymnasium besucht, „deutlich mehr Optionen“. Zumal Schulen wie die EMA oder das Gertrud-Bäumer-Gymnasium ferner von der Nähe zu einem Bus- und Hauptbahnhof profitierten: „Da kann man zur Abwechslung an einem Freitag nach der Schule auch mal ohne viel Umsteigen nach Düsseldorf oder Köln fahren.“

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort