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Dabringhausen: Wunsch-Treff für Jugendliche wäre unter dem Funkturm

Dorfpark Dabringhausen : Wunsch-Treff wäre unter dem Funkturm

Nach dem Aufstellen und Verschwinden eines Verbotsschilds am Dabringhausener Dorfpark trafen sich Jugendlichen, Eltern und Anwohner formlos zu einer Gesprächsrunde. Auch Politiker stießen hinzu. Tenor: Mit dem Status Quo ist keiner glücklich.

Ob es nun Missverständnisse, fehlende Kommunikation und gar gegenseitige Provokationen sind, blieb beim für Freitagabend kurzfristig und formlos angesetzten Treffen von rund 35 Jugendlichen, Eltern und Anwohner im Dorfpark Dabringhausen eine undurchsichtige Gemengelage. Deutlich wurde jedoch: Über den Ist-Zustand ist niemand glücklich.

Dem Treffen, zu dem sich auch Vertreter der Politik einfanden, vorausgegangen war das Aufstellen zweier Schildern, mit denen die Stadt den Alkoholkonsum und das Musikhören mit „tonverstärkenden Geräten“ im Dorfpark ab 20 Uhr verbietet (die BM berichtete). Eines dieser „verschwand“ über Nacht – ein bislang Unbekannter montierte die Tafel ab —, das andere wurde mit Graffiti-Zeichen (sogenannte Tags) bepinselt. In den Augen von Bürgermeister Rainer Bleek ist „das Maß voll gewesen“. Die Schildern würden nunmehr den Ordnungsbehörden ein konkrete Handhabe geben.

Darauf reagierten Jugendliche und Eltern beim Treffen unter den Eichen am zur Altenberger Straße gelegenen Eingangsbereich des Dorfparks mit Kopfschütteln. „Für solche Schilder ist Geld da. Dabringhausen wird immer größer, und was ist mit den Jugendlichen? Die brauchen eine Lösung, aber nicht erst für ihre Enkelkinder“, konstatierte Silke Austel, die mit Ehemann Reinhard gekommen war und via sozialem Internet-Netzwerk das Treffen initiiert hatte. Deren Tochter Paulina (18) sagte: „Wir wünschen uns einen Platz, von dem wir nicht vertrieben werden.“ Der solle fußläufig vom Dorfkern erreichbar sein. Bei gutem Wetter kämen bis zu 30 Jugendliche im Park zusammen.

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Anwohnerin Marina Geburzi bestätigte, dass es vor Wochen im Stadtpark „definitiv mehrfach zu laut gewesen“ sei und unterstrich: „Die Jugendlichen brauchen einen Platz. Wir sind nicht gegen, sondern für die Jugendlichen.“ Silke Austel fügte hinzu, dass die knapp 500 gesammelten Unterschriften durch das Aufstellen der Schilder „eigentlich missbraucht“ worden wären: „Die Unterzeichner wollten wohl eher den Jugendlichen etwas Gutes tun.“ Gespräche mit der Stadt habe es gegeben, zuletzt im März 2019, als eine Bauwagen- und Container-Lösung in Aussicht gestellt worden wäre: „Aber außer den Schildern ist nichts passiert.“

Diejenigen Anwohner, die das Aufstellen der Schilder bewirkt hätten, seien beim Treffen gar nicht dabei, stellte Dabringhausens Bezirkspolizist Frank Burkert fest, der ohne Uniform ganz abseits einer offiziellen Mission zu dem Treffen gekommen war. „Es sind mehrere Sachen in Arbeit, die Stadt sucht nach Möglichkeiten. Aber das dauert.“ Bis dahin müssten geregelte Bahnen her: „Wir haben eingeworfene Fensterscheiben und Farbschmierereien im ganzen Dorf – da muss sich die Jugend an die eigene Nase fassen.“ Andererseits müssten Beschwerde-Anrufe wegen Fußball spielender Kinder um 17.30 Uhr im Dorfpark auch nicht sein: „Die Jugendlichen brauchen eine Bank, einen Mülleimer und darüber ein Dach.“

Ein gerüchtehalber im Raum stehender Platz für die Jugendlichen hinter dem Kindergarten Bussardweg hält Dorfpark-Anwohner Marc Dabringhaus für wenig sinnvoll: „Dort sind doch wieder Anwohner. Das Lärmproblem ist nachvollziehbar, aber Schilder bringen doch nun nichts.“ Der Schotterparkplatz in Richtung Friedhof am Fuß des Funkturms gegenüber der Einmündung der Straße „Matterfeld“ könne ein geeigneter Standort für einen „Jugend-Treff“ sein – fußläufig erreichbar, aber mit Abstand zu Anwohnern. „Das wäre schon ein Platz für uns, da stören wir keinen“, attestierte Paulina Austel.

Petra Weber, Vorsitzende des SPD-Ortsverbands Wermelskirchen, kann sich mit diesem Wunsch anfreunden: „Ein paar Bänke muss man doch da hinstellen können. Dann entzerrt sich die Lage im Dorfpark, und die Stimmung kühlt ab.“ Michael Schneider, Vorsitzender des Dabringhausener CDU-Ortsverbands, kommentierte: „Das Aufstellen der Schilder ist blöd gelaufen.“ Und Henning Rehse (WNKUWG) meinte: „Man muss den Jugendlichen erst einen Platz einräumen und dann die Bannmeile im Park errichten.“

Enttäuscht zeigten sich am Freitagabend Philipp und Niklas aus dem Kreis der Jugendlichen: „Wir haben beim Anstreichen der Grundschule am Höferhof geholfen, obwohl wir da nichts beschmiert haben. Danach ist der Kontakt zur Stadt abgerissen.“ Den offiziellen Stellen fällt hingegen eine Kontaktaufnahme schwer, da im Dorf mindestens drei Jugend-Cliquen bekannt sind, die sich teils „rivalisierend“ gegenüber stehen, wie die Initiatorin des Treffens, Silke Austel, bestätigte. Außerdem warf Marc Dabringhaus ein: „Zudem existiert ab und an ein ,Tourismus’ von Jugendgruppen, die aus Burscheid oder Wuppertal nach Dabringhausen kommen.“