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Dabringhausen: Verwirrung über das Wörtchen „Örtchen“

Das passiert in Dabringhausen : Verwirrung über das Wörtchen „Örtchen“

Ein kleines Wörtchen hat für große Diskussionen gesorgt: Dabringhausen dürfe man nicht als „Örtchen“ bezeichnen. Was nur liebevoll gemeint war, sei „respektlos“, beschwerte sich jüngst ein Leser. Grund genug für uns, in dem Stadtteil, der sich selbst als Dorf bezeichnet, mal nachzuhorchen.

Ein einziges Wort in einer kleinen Meldung über die Postfiliale in Dabringhausen sorgte für einen empörten Anruf in unserer Redaktion: „Nachdem das Örtchen seine erste DHL-Packstation im Höferhof 14 erhalten hat, stärkt die Deutsche Post DHL den Standort weiter.“ Das wolle Bernhard Streuff künftig so nicht mehr lesen. „Es ist eine grenzenlose Arroganz der Wermelskirchener, dass sie Dabringhausen als Örtchen bezeichnen und damit so niedermachen.“ Die umgehende Entschuldigung, dass dieses besagte Wort absolut nicht despektierlich gemeint war, sondern nur liebevoll, weil Dabringhausen so viele tolle Veranstaltungen auf die Beine stellt, von dem sich viele andere Städte etwas abschneiden könnten, verhallte leider. Er verlange „eine Korrektur“, forderte Bernhard Streuff am Telefon. Immerhin würde sich ganz Dabringhausen über das Wörtchen „Örtchen“ aufregen und die Redaktion dürfe gerne mal mit Leuten darüber reden.

Das haben wir selbstverständlich auch getan, weil es uns fern liegt, Dabringhausen – und die Dawerkuser schon gar nicht – zu verärgern, weil man dort allergisch auf das bestimmte Wörtchen reagieren soll. Welches das Blasorchester Dabringhausen übrigens hochselbst als Erklärung auf seiner Homepage im Internet nutzt und schreibt: „Mitten im Bergischen Land, etwa 30 Kilometer nordöstlich von Köln, liegt das kleine Örtchen Dabringhausen.“

Dabringhausen ist berühmt für seine tollen Aktionen mit Herz: Für das Dorffest bemalten die Kinder über 500 Steine, um eine Wette gegen Bürgermeister Rainer Bleek zu gewinnen. Fotos (5): Kathrin Kellermann Foto: Kathrin Kellermann

Völlig verblüfft über die Anfrage, ob Dabringhausen etwa nicht als „Örtchen“ bezeichnet werden dürfe, war CDU-Politiker Michael Schneider, der in Dabringhausen aufgewachsen ist und im Stadtrat sitzt. „Darüber habe ich mir ehrlich gesagt noch nie Gedanken gemacht“, gesteht er lachend. „Wir sind ein Dorf, das aus sich heraus gewachsen ist. Und eine Verniedlichung ist doch nichts schlimmes. Wir haben ja früher auch Onkelchen und Tantchen gesagt. Das finde ich nicht so schlimm.“ Auch Peter Scheben, Vorsitzender des Kulturvereins, ist gelassen bei dem Anruf aus der Redaktion: „Ich fand den Ausdruck okay“, sagt er, versucht sich aber dennoch an einer Erklärung. „Wir werden immer größer, vielleicht ist deshalb der eine oder andere pingelig mit den Begriffen.“ Allerdings kommt ihm noch ein anderer Gedanke: „Ich bin in Bonn aufgewachsen und da ist ein Örtchen immer das stille Örtchen“, verrät er. „Aber so war das ja nicht gemeint.“

„Wir sind ein Dorf mit Herz“, sagt Harry Tiede. Ein Dorf mit Dorffesten und einer sehr idyllischen Dorfmitte. Foto: Kathrin Kellermann

„Was ist denn an Örtchen schlimm?“, fragt Volker Niemz, Leiter des Betriebshofes in Wermelskirchen. „Wir Dawerkuser haben doch Humor und dann nehmen wir das Wörtchen Örtchen auch mit Humor und nicht als Beleidigung.“ Anders würde es hingegen aussehen, „wenn Dabringhausen und Dhünn beide in einem Satz als Örtchen bezeichnet worden wären und Dhünn besser weggekommen wäre. Dann wäre was los gewesen im Dorf“, sagt er fröhlich und deutet mit einem Augenzwinkern die freundliche Rivalität der beiden großen Wermelskirchener Stadtteile an.

Im November wird die Post in der Altenberger Straße zur Regelfiliale.  Foto: Kathrin Kellermann

Humorvoll nimmt auch Peter Eickhoff, Vorsitzender des Dabringhausener Festausschusses, die Diskussion. „Ich wüsste nicht, was dagegen sprechen sollte“, sagt er. „Wir sind ein Dorf, wir haben Dorffeste und auch eine Dorfmitte.“ Als „Dorf mit Herz“ bezeichnet Harry Tiede sein Dabringhausen. „Und ich habe auch noch nicht gehört, dass jemand wegen des Wörtchens beleidigt ist“, sagt er.

Da ist die Redaktion sehr froh, weil wir ein großes Herz für Dabringhausen haben. Und auch für Dhünn, aus dem das Dhünner Urgestein Friedel Burghoff gutgelaunt erklärt: „Dhünn darf man übrigens gerne als Örtchen bezeichnen. Wir können das ab.“