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Dabringhausen: Neueröffnung von Pflegedienst Weißapfel trotz Pandemie

Neueröffnung trotz Pandemie in Dabringhausen : Pflege-Nachfrage bleibt unverändert

Nur wenige Tage nach der Neueröffnung stellt der ambulante Pflegedienst Weißapfel in Dabringhausen eine rege Nachfrage nach Betreuung fest. Die Pandemie-Situation lenkt den Fokus nicht nur auf die verschärften Hygiene-Maßnahmen, sondern führt bei pflegebedürftigen Menschen auch zu einer erhöhten Isolation.

Die Nachfrage nach Pflege im Alter steigt stetig – das bringt der demografische Wandel naturgemäß mit sich. Eine Pandemie, wie die durch das Covid-19-Virus ausgelöste, kann diesen täglichen Bedarf nicht stoppen – aber Corona stellt speziell ambulante Pflegedienste vor besondere Herausforderungen. Sie müssen Schutzmaßnahmen für Mitarbeiter und Kunden „on tour“ und in ständigen, wechselnden Umgebungen meistern. Davon weiß Robin Weißapfel zu berichten, der trotz Corona-Pandemie gerade die Neueröffnung seines ambulanten Pflegedienstes mit Sitz an der Südstraße in Dabringhausen wagte. Als Pflegedienstleitung stärkt ihm dabei seine Mutter Gaby Schüler den Rücken, die bis vor einem Jahr das „Pflege- und Gesundheitszentrum“ in Wermelskirchen führte und dieses aus privaten Gründen schloss.

Kurz nach der Neueröffnung waren es bereits elf Kunden, die der ambulante Pflegedienst Weißapfel betreut. „Ich bearbeite aktuell die Anfragen – wir werden in den nächsten Tagen auf 20 Kunden kommen, die wir betreuen“, berichtet Robin Weißapfel von einer hohen Nachfrage. Das erste Ziel des 25-jährigen Geschäftsführers: „Die einzelnen Touren der Mitarbeiter müssen voll werden.“ Das heißt: Eine Auslastung muss geschaffen werden. „Das machen wir mit viel Fingerspitzen-Gefühl, denn wir wollen den Menschen nicht den Eindruck vermitteln, dass wir bei ihnen auf der Flucht sind“, betont Gaby Schüler: „Die meisten Kunden warten auf uns, weil sie ansonsten kaum Kontakt zur Außenwelt haben.“ Es müsse möglich sein, sich die Sorgen und Nöte der Kunden anzuhören, ist Robin Weißapfel überzeugt: „So viel Zeit muss sein.“

Deshalb sei die Planung der Touren stets eine Mischkalkulation mit eingebautem „Puffer“. Gaby Schüler und Robin Weißapfel sind sich einig: „Der demografische Wandel bringt Kunden, die Nachfrage ist groß. Sie muss jedoch durch gute Arbeit bestätigt werden, damit wir langfristig bestehen können.“

Unter den ambulanten Pflegedienst würde es deshalb kaum ein spürbares Konkurrenz-Denken geben: „Der Bedarf ist so hoch, dass eigentlich an jeder Ecke ein Pflegedienst aufmachen könnte.“ Die Isolation der pflegebedürftigen Menschen zuhause wäre auch schon vor Corona eine Tatsache gewesen. Durch die Pandemie seien die Unsicherheiten noch gewachsen, berichtet Mitarbeiter Flavio Günther, der bei Weißapfel auch als Hygiene-Beauftragter fungiert, aus Erfahrung: „Da spielt Angehörigen-Betreuung ebenso eine Rolle für uns. Wir kommen in Häuser, wo sich häufig das Leben schlagartig geändert hat.“ Das falle bei Alleinstehenden genauso auf, wie bei Paaren: „Einer wird plötzlich pflegebedürftig und kann kaum noch am sozialen Leben teilnehmen. Der andere versucht zu helfen und zu kompensieren mit der Folge, dass er dann auch kaum noch Kontakte pflegen kann.“ Und weiter: „Die sozialen Einschränkungen durch Corona machen uns noch gefragter.“

Günther befürchtet, dass die Pandemie „kritische Versorgungssituationen“ hervorrufen könnte, wenn aus Sorge nicht professionelle Hilfe hinzugezogen würde: „Pandemie, Unsicherheit und Isolation ergeben eine Gemenge-Lage, die für uns erschwerte Hürden bedeuten kann.“

In der ambulanten Pflege erfolgt eine Aufnahme als Kunde angesichts der Pandemie nur mit einem negativen Covid19-Test. „Kommen die Patienten beispielsweise aus dem Krankenhaus nach Hause, wo sie dann ambulant gepflegt werden, haben sie ein Test-Ergebnis“, erläutert Weißapfel. Das Ergebnis dürfe nicht älter als zwei Tage sein, sagt Gaby Schüler: „Der Arzt führt den Test durch. In der Regel ist das Ergebnis innerhalb von 24 Stunden da.“ Die ambulanten Pflegedienste, die häufig sogenannte körpernahe Versorgungen verrichten, arbeiteten ohnehin stets unter dem Aspekt der Hygiene, jetzt sogar verschärfter. „Mund-Nase-Schutz und Handschuhe sind Pflicht“, erläutert Flavio Günther: „Kittel, Haube und FFP2-Masken kommen bei Bedarf hinzu.“ Habe ein Kunde Corona-Symptome, könne der Pflegedienst einen Schnelltest anbieten: „Das ist immer nur ein Angebot, nie ein Zwang. Wir könnten aber im Extremfall auch eine Behandlung verweigern, wenn uns ein Risiko zu groß erscheint.“