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Dabringhausen: Humuswerkstatt startet in die Saison

Humuswerkstatt startet in die Saison : Regenwürmer sorgen für eine gute Ernte

Seit Marius Frey und Lukas Worth vor einem Jahr die „Humuswerkstatt“ am Ortsrand von Dabringhausen eröffnet haben, kaufen immer mehr Menschen ihr Gemüse direkt frisch vom Feld. Jetzt gibt es samstags auch einen Hofverkauf.

Es riecht nach frischem Knoblauch und Zwiebeln. Christoph Brammertz-Steenbock greift beherzt in die Holzkiste mit dem duftenden Gemüse. „Mal gucken, was wir heute Mittag kochen“, sagt er zu seinen Töchtern, die ihn zur Humuswerkstatt begleitet haben. Zuckererbsen, Koriander und Salat liegen schon im Korb. Von dem besonderen Grünkohl, der hier auf den Feldern am Rande Dabringhausens wächst, hat der Familienvater noch nichts gehört. „Aber wir probieren das mal aus“, sagt er und schlendert mit den Kindern weiter Richtung Jungpflanzen. Schließlich habe die Familie Zuhause einen kleinen Gemüsegarten und da kämen ihm die torffreien Jungpflanzen, die seit dieser Saison in der Humuswerkstatt wachsen, gerade recht.

Am Feld in Bremen herrscht am Samstagmorgen reger Betrieb: Viele Dabringhauser schauen vorbei, um Gemüse direkt vom Feld einzukaufen und zum ersten Mal auch die selbst gezogenen Jungpflanzen. Im zweiten Jahr präsentieren Lukas Worth und Marius Frey ihre Ernte. Und die fällt in ihrem kleinen Unternehmen „Humuswerkstatt“ zu Beginn der Saison üppig aus. „Wir hatten am Anfang ein bisschen Sorge, was den Boden angeht“, erinnert sich Marius Frey. Würde er sich mithilfe der Permakultur regenerieren, die die beiden pflegen und wegen der sie ohne Umgraben gärtnern, mit dem Einsatz von Kompost und ausschließlich mit Handgeräten? „In diesem Jahr merken wir: Der Boden hat sich verändert, wir haben viele Regenwürmer entdeckt und das Gemüse wächst viel schöner und voller“, sagt Lukas Worth. Das gilt für die Rote Beete genauso wie für den frischen Knoblauch, für verschiedene Salate, Radieschen, den Fenchel oder die Wildkräuter. Dazu kommen viele heimische Gemüsesorten, die hier wachsen – genauso wie Schnittblumen. Auch „Red Russian Kale“ steht auf der Speisekarte – eine besondere Grünkohlsorte. „Wie bereite ich den zu?“ fragt eine Dame, die gerade einen Bund in ihren Korb gelegt hat. Marius Frey plaudert aus dem Nähkästchen: „Der schmeckt super als Salat, mit Orangen, ein bisschen Sesamöl, dazu Salz. Fertig.“ Die Menschen zwischen dem Gemüse lauschen und ahnen: Hier wird nicht nur angebaut, sondern auch gekocht – direkt auf dem Feld, mit vielen Freiwilligen, die sich inzwischen engagieren.

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Neben dem Boden hat sich auch der Verkaufsbereich der Humuswerkstatt verändert: Während Lukas Worth und Marius Frey im ersten Jahr noch aus dem großen, weißen Container verkauften, haben sie im Frühling investiert – in Holzplatten, die den Bauwagen nun verkleiden, wilden Wein, der an der Seite ranken soll, in Türen und Fenster. „Schließlich soll sich der Verkaufsraum hier gut einfügen in die Landschaft und unsere Idee“, sagt Frey. Die Rückmeldung der Besucher bestätigt die jungen Gärtner in ihrem Einsatz – sowohl für den Umbau als auch für die Arbeit auf dem Feld. Es gebe Ehrenamtliche aus Dabringhausen, die regelmäßig mithelfen und dafür nicht nur ein leckeres Essen direkt auf dem Feld bekommen würden, sondern auch allerhand Wissen über Permakultur und natürlich frisches Gemüse für die heimatliche Küche. „Wir freuen uns sehr, dass unsere Humuswerkstatt zu einem Ort der Gemeinschaft geworden ist“, sagt Marius Frey.

In zwei Wochen schlägt die Humuswerkstatt dann ein weiteres Kapitel auf: Die ersten Jungpflanzen, die dank der europäischen Leader-Förderung wachsen sollen, bekommen ihren Platz in den Gewächshäusern. Damit dürfte sich die Auswahl der Jungpflanzen beim wöchentlichen Hofverkauf schnell noch mal vergrößern.

Christoph Brammertz-Steenbock hat seinen Einkaufskorb inzwischen gut gefüllt. Als Tochter Frida (7) an dem Fenchel vorbeigeht, hat sie allerdings noch einen Wunsch. „Den esse ich so gerne“, sagt sie, „darf ich mir einen aussuchen?“ Während ihr Papa nickt, hilft Lukas Worth bei der Auswahl. Frida knabbert bereits zufrieden an den Blättern und findet dann ein schönes Exemplar. „Kannst du damit was kochen“, fragt sie ihren Vater noch. Der nickt fröhlich und dann machen sie sich auf den Heimweg – vom Feld direkt in die Küche.