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CVJM Tente: Mädchen eroberten den Jünglingsverein

111 Jahre CVJM Tente : Mädchen eroberten den Jünglingsverein

Der CVJM Tente feiert im Februar sein 111-jähriges Bestehen. Der Verein hat Spuren im Bezirk hinterlassen – und will auch künftig mitgestalten. Es wird aber immer schwieriger, Kinder für die Gruppen zu gewinnen.

Wenn Anna Klein durch das Fotoalbum blättert, dann muss sie manchmal schmunzeln – über die jungen Männer im Sonntagsstaat, die sich nach der Gründung des Evangelischen Männer- und Jünglingsvereins fürs Foto zusammenstellten. Und über die stattlichen Sportler, die beim Turnfest in weißen Hosen und Hemden eine Pyramide bauen. „Das waren ganz andere Zeiten“, sagt die junge Frau aus Tente, die sich heute im Vorstand für den Verein engagiert. Und dann blättert sie weiter. Gleich mehrere Alben finden sich im Archiv des CVJM Tente, die eine bunte Geschichte erzählen, die am 7. Februar 1909 beginnt – vor fast genau 111 Jahren.

Damals ist den Mädchen der Zutritt zur Männerrunde noch verboten, die sich regelmäßig im Vereinslokal trifft – sie haben ihren eigenen Verein, in dem sie sich zum Sport und zum Feiern, zum Beten und Beisammensein versammeln. Als sich im ganzen Land unter dem Dach der evangelischen Gemeinden CVJM-Gruppen gründen, benennen sich auch die Jungs aus Tente um. Am 1. Januar 1947 geben sie ihren Namen auf und nennen sich CVJM Tente.

◀ Eine der letzten Freizeiten des CVJM vor der Umbenennung. Genaue Daten liegen nicht vor. ▶ Früher ging’s unter den Herren sehr sportlich zu, hier die Eichenkreuzmannschaft. Foto: privat

Wer die Fotoalben weiter durchblättert, trifft schließlich auch auf Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Zeltlagern mitten im Wald, auf Wimpel und das Eichenkreuz-Symbol, unter dem die CVJM-Gruppen über Jahrzehnte sportlich gegeneinander antraten. „Der Sport spielte damals ohnehin eine wichtige Rolle“, sagt auch Marion Klein, als sie mit ihrer Tochter einen Blick in die Alben wirft. Da finden sich Aufnahmen von den Eichenkreuz-Meisterschaften in Tente. Ein paar Seiten weiter blättert Marion Klein ein anderes wichtiges Kapitel des Vereins auf: Herbert Mayland und Robert Stoßberg stehen im Juli 1950 mit einer Schubkarre neben einem Rohbau. Damals entsteht das Gemeindehaus in Tente und die Männer packen bei den handwerklichen Arbeiten mit an – hinterlassen Spuren, die auch heute noch sichtbar sind. „Und gleichzeitig war der CVJM immer ein Ort, an dem Jugendliche Raum hatten, über ihren Glauben ins Gespräch zu kommen“, sagt Marion Klein. Das ist er bis heute geblieben.

eDer Vorstand lädt zum Feiern ein: Lucie Salomon und Anna Klein (vorne v.l.), Zaklina Stock, Jörg Scherz, Marion Klein, Christine Scholl, Lisa Marquard, Wolfgang Krauß, Sven Schneider, Sarah Allendorf und Beatrix Fischer (hinten v.l.). Foto: privat

1977 öffnet sich der Christliche Verein junger Männer für Mädchen und Frauen – damals verwandelt sich der Vereinsname in „Christlicher Verein junger Menschen“. Und so präsentiert sich auch der aktuelle Vorstand in Tente heute als eine bunte Truppe. Wo damals schon Marion Klein Discos und Partys feierte, Freunde traf und Bibelarbeiten organisierte, da trifft sich heute auch ihre Tochter mit ihren Freunden. „Hier kommen so viele unterschiedliche Menschen zusammen“, sagt Anna Klein, „wir sind mal sportlich und mal musikalisch, mal kreativ und mal unterwegs. Jeder ist willkommen.“ Und das gilt auch für die Jüngsten: Der CVJM bietet Gruppen für Kinder an – dafür sind die Jugendlichen im Einsatz. Freizeiten werden gemeinsam mit den befreundeten CVJM-Gruppen in Hünger und Wermelskirchen veranstaltet. „Und nach wie vor gibt es bei uns Raum, über Glauben ins Gespräch zu kommen“, sagt Anna Klein, „über Zweifel und biblische Geschichten.“

CVJM Tente. Foto: privat

Wie die Herausforderungen der Zukunft aussehen? „Es ist immer schwieriger, Kinder für unsere Gruppen zu gewinnen“, sagt Beatrix Fischer, die den CVJM in Tente als Jugendreferentin begleitet. Das habe mit der Ganztagsschule und vielen anderen Terminen in den Kalendern der Kinder zu tun. „Und es ist auch nicht immer einfach, Jugendliche zu finden, die sich ehrenamtlich engagieren“, ergänzt sie. Und deswegen will der Vorstand die Weichen Richtung Zukunft stellen – um Teilnehmer und Mitarbeiter werben.

Der Bau des Gemeindehauses in den 1950er Jahren. Foto: privat

Inzwischen gibt es ein großes Mitarbeiterwochenende, auf dem sich Ehrenamtliche aller drei Vereine begegnen und miteinander ins Gespräch kommen. „Davon profitieren die Jugendlichen“, sagt Beatrix Fischer, „und dabei kommen wir auch über Ideen und Angebote ins Gespräch.“

Denn wenn es nach dem engagierten Vorstand in Tente geht, dann lädt der CVJM auch in den nächsten 111 ins inzwischen gewachsene Gemeindehaus ein – um dort ihrem Leitbild getreu einen „Berührungsort Gottes mit seinen Menschen zu schaffen“.