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Coronavirus: So versucht Wermelskirchen das Virus einzudämmen

Coronavirus in Wermelskirchen : Sorge vor Virus beeinflusst Leben in der Stadt

Die Stadt hat einen Stab eingerichtet. Erste Veranstaltungen werden abgesagt, auch der Kreativmarkt findet nicht statt.

Mit dem Erlass der Landesregierung von Dienstag, Großveranstaltungen in Nordrhein-Westfalen mit mehr als 1000 Personen abzusagen, soll die Verbreitung des Coronavirus verlangsamt werden. Auch Stadt, Kreis, Veranstalter und Unternehmen sind bemüht, die Kurve von Neuinfektionen mit dem Coronavirus flach zu halten. Derzeit liegen zwölf bestätigte Fälle im Rheinisch-Bergischen Kreis vor.

Wie geht die Stadt mit der Entwicklung des Coronavirus um?

Die Stadt einen Stab für außergewöhnliche Ereignisse eingerichtet, der durch einen Planungsstab unterstützt wird. „Darin geht es vor allem darum, die Arbeit der Stadtverwaltung aufrechtzuerhalten und was im Fall einer Infektion eines Verwaltungsmitarbeiters geschieht“, erklärt Bürgermeister Rainer Bleek, der an der Spitze des Stabs steht. Er weist daraufhin, dass das Krisenmanagement beim Rheinisch-Bergischen Kreis liegt.

Der Kreis hatte am 3. März darüber informiert, dass ein Krisenstab aktiviert wurde. „Das Wichtigste ist, bei einem bestätigten Verdachtsfall die Kontaktpersonen schnellstmöglich zu ermitteln, um die Infektionskette zu unterbrechen“, sagt ein Sprecher des Kreises. Das geschehe in den meisten Fällen durch eine häusliche Quarantäne. Außerdem sei der Kreis im täglichen telefonischen Kontakt mit den Betroffenen, um sich über deren Gesundheitszustand zu informieren.

Wer entscheidet über Abstriche für Tests?

Die Abstriche werden von den Hausärzten und dem Gesundheitsamt des Kreises koordiniert. Hierbei gilt nach wie vor: Um Ansteckungsrisiken in Wartezimmern zu reduzieren, werden Patienten, die eine Infektion mit dem Coronavirus vermuten, gebeten, sich telefonisch bei ihrem Hausarzt zu melden. Liegen Symptome in Kombination mit weiteren Hinweisen auf eine Infektion vor, etwa Kontakt zu einer infizierten Person oder die Rückkehr aus einem Risikogebiet, wird ein Abstrich an einer zentralen Stelle veranlasst.

Patienten, deren gesundheitlicher Zustand es erfordert, werden unter Isolierungsmaßnahmen stationär im Wermelskirchener Krankenhaus aufgenommen. Sollten sich bei der Befragung des Patienten Hinweise auf eine mögliche Infektion mit dem Coronavirus ergeben, werde im Krankenhaus ein Abstrich entnommen. „Alle anderen Patienten verbleiben ambulant“, sagt Dr. Volker Launhardt, Chefarzt der Inneren Medizin. Dadurch sollen Krankenhaus-Patienten, die teilweise durch Vorerkrankungen ohnehin einem höheren Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind, vor vermeidbaren Kontakten mit ansteckenden Personen geschützt werden.

Werden auch Veranstaltungen mit Besucherzahlen unter 1000 abgesagt?

Das liegt entweder in der Hand der Veranstalter oder der zuständigen Stadt. „Die Stadt kann von sich aus tätig werden, manchmal fehlen uns aber die Detailinformationen zu den Veranstaltungen“, sagt Bürgermeister Rainer Bleek. Dazu sei man im Austausch mit den Veranstaltern. Um das Risiko abzuwägen, empfiehlt der Rheinisch-Bergische Kreis eine von der Stadt Köln entwickelte Checkliste.

Welche Veranstaltungen in Wermelskirchen wurden abgesagt?

Folgende Absagen oder Verlegungen lagen uns bis Redaktionsschluss vor:
■ Microband, Freitag, 13. März, Kattwinkelsche Fabrik: Das italienische Comedy-Duo lebt in Bologna und darf aufgrund der landesweiten Reisebeschränkungen das Land nicht verlassen. Die Veranstaltung wird am Donnerstag, 18. Juni, 20 Uhr, nachgeholt. Karten behalten ihre Gültigkeit oder können zurückgegeben werden.
■ Treffen der Mundart-Freunde, Freitag, 13. März, Balkan-Restaurant
■ Kindersportfest TuS Wermelskirchen und Bewegungskindergarten Tente, Samstag, 14. März

■ Kreativmarkt, Sonntag, 15. März, ersatzlos abgesagt
■ Konzert von John Lee Hooker Jr., Dienstag, 17. März, Haus Eifgen: Der Musiker hat sich aufgrund einer in den USA bestehenden Reisewarnung für Senioren zu einer Absage entschlossen. Einen Nachholtermin wird es nicht geben, Karten können zurückgegeben oder umgetauscht werden.

■ Jürgen Becker, Mittwoch, 18. März, Kattwinkelsche Fabrik, verlegt auf Mittwoch, 4. November

■ Marc Weide, Freitag, 20. März, Kattwinkelsche Fabrik, verlegt auf Freitag, 30. Oktober

■ Frauenkleider- und Kindersachenbörse, Sonntag, 22. März, Kattwinkelsche Fabrik, ersatzlos abgesagt

Wie reagieren heimische Unternehmen auf die Ausbreitung des Virus?

Viele Unternehmer haben in den vergangenen Tagen um Rat der Industrie- und Handelskammer Köln gebeten. Unternehmer würden sich über Maßnahmen informieren, um Mitarbeiter vor dem Virus zu schützen. Auch Themen wie Kurzarbeit werden angesprochen. „Einige Geschäftsführer schicken ihre Mitarbeiter nicht mehr zu Versammlungen oder Seminaren, zu denen mehr als zehn Teilnehmer erwartet werden“, sagt Eva Babatz, Mitglied der Geschäftsführung. Ein Unternehmen habe inzwischen auf ein Schicht-System umgestellt, um bei einem Corona-Fall nicht den Ausfall der kompletten Belegschaft riskieren zu müssen. Sowohl die IHK als auch die Rheinisch-Bergische Wirtschaftsförderungsgesellschaft haben Infoseiten für Unternehmen eingerichtet.

Welche Verhaltensempfehlungen gibt es für Bürger?

„Hygienemaßnahmen einhalten, kein Händedruck, und auf Veranstaltungen verzichten, bei denen Menschen dicht beieinander sind“, sagt Bürgermeister Rainer Bleek. Auch soziale Kontakte könne man, wenn sie nicht unbedingt erforderlich sind, herunterfahren. Ein Sprecher des Kreises rät ebenfalls dazu, Menschenansammlungen zu meiden.