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Corona in Wermelskirchen: Viele Kneipen verzeichnen hohe Verluste

Wermelskirchen in Corona-Zeiten : Kneipen verzeichnen hohe Verluste

Die Corona-Pandemie setzt den heimischen Gastwirten hart zu – erst die Schließzeiten, dann keine Kirmes, keine Gesellschaften. Aber es werde von Tag zu Tag besser, stellen die Kneipiers fest.

Im Biergarten in der Centrale herrscht fröhlicher Betrieb. „Wir hatten den Eindruck, dass die Stammtische nur darauf gewartet haben, dass sich die gesetzlichen Regelungen lockern“, sagt Wirt Dirk Götz. Er öffnet am Mittwoch nach Pfingsten zum ersten Mal, seit die neue Regelung gilt: Jetzt dürfen Personen aus bis zu zehn Haushalten an einem Tisch Platz nehmen.

„Die Stammtische haben sofort reserviert“, erzählt Götz. Und die Wiedersehensfreude ist groß. Die Biker sind zurück, die Männerstammtische, die sich über die regelmäßigen Treffen in der Centrale ebenso freuen wie die Damenrunden, in denen gut gelaunt angestoßen wird.

Die Gäste würden ungefragt auf Abstand und Mundschutz achten und keiner mault, wenn er fürs erste am Eingang des Biergartens warten muss. „Die Regelung mit höchstens zwei Haushalten an einem Tisch war für uns alles andere als optimal“, sagt Götz. Die Menschen kämen der Geselligkeit wegen in die Gasstätten. Aber nun kehre ganz langsam eine Art Normalität zurück. Allerdings fehlen draußen rund 40 Prozent der Plätze – um die Abstandsregelungen einhalten zu können. „Drinnen haben wir viel Platz“, sagt Götz.

Sorgen um die Existenz der Centrale macht er sich nicht. „Erstmal haben wir uns wie im Urlaub gefühlt“, sagt er, „aber die Zeiten sind natürlich nicht leicht.“ Mit der Corona-Pandemie und der verordneten Schließung sei alles auf Null heruntergefahren worden – es blieben die Pachtkosten. Die seien in einem Ort wie Wermelskirchen noch zu stemmen. „Es tut trotzdem weh“, sagt er. Und dann denkt er an die nächsten Monate, in denen eigentlich die Kirmes angestanden hätte, an die vielen Feste und Feiern, die ihm entgehen. „Das summiert sich“, sagt Götz, der mit hohen Einbußen rechnet: „Wahrscheinlich wird am Ende die Hälfte von dem übrig bleiben, was wir in anderen Jahren verdienen.“

Ähnlich geht es auch Ioannis Tsiomos in der Sportsbar am Bahnhof. „Aber es wird mit jedem Tag besser“, sagt er. Viele Stammkunden seien bereits zurück und jeder einzelne von ihnen sei froh, sich endlich wieder auf ein Bierchen zu treffen. Aber: „Die Krise hat die Gastronomie hart getroffen“. Er sei seit 26 Jahren im Geschäft und nur deswegen habe er die vergangenen Wochen und Monate auffangen können. „Wäre ich neu auf dem Markt, wir wären insolvent“, sagt der Wirt.

Denn auch nach der Öffnung spüre er die Folgen der Corona-Pandemie in seinen beiden Gaststätten deutlich: Nur rund 30 Prozent des normalen Betriebs verzeichne er im Moment. „Wenn früher Dortmund gegen Schalke gespielt hat, dann konnten wir uns vor Reservierungen nicht retten“, erzählt er, „in der ersten Woche, als wir wieder geöffnet hatten, kamen neun Besucher, um das Spiel gemeinsam zu sehen.“ Da bekomme man schon zuweilen Angst. Er gehe davon aus, dass es rund 30 Prozent der Kollegen am Markt nicht schaffen.

Auch im Alten Brauhaus spürt das Team die Folgen der Corona-Krise. „Wenn das Wetter gut ist, dann kommen die Leute in den Biergarten“, erzählt Nadine Insam. Bei schlechtem Wetter spüre sie noch Zurückhaltung: „Vielleicht machen sich die Menschen Sorgen.“ An den vergangenen langen Wochenenden seit der Öffnung sei es ruhig gewesen.

Im Alten Brauhaus haben die Mitarbeiter von Dagmar Gerke-Schmidt Tische und Stühle umgestellt, um Abstandsregelungen einzuhalten. Stammgäste und auch Geschäftsleute, die in den heimischen Hotels übernachten, sind bereits zurückgekehrt und freuen sich über die offenen Türen der Gaststätte. „Wir müssen uns im Moment einfach an die Spielregeln halten“, sagt Nadine Insam. Dazu gehören das Tragen des Mundschutzes beim Servieren, die Befolgung des Hygieneplans und das Führen der Gästeliste. „Wir sind da pragmatisch“, sagt sie, „und freuen uns, dass wir wieder öffnen können.“

Das gehe vielen Besuchern genauso – erst recht seit die neuen Lockerungen wieder mehr Menschen an einem Tisch erlauben. „Die Stammtische kommen zurück“, sagt Nadine Insam. Und wenn dann noch das Wetter mitspiele, freue sie sich auf ein bisschen Normalität.