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Corona in Wermelskirchen: Kribbeln nach Konzerten und Veranstaltungen

Musiker und Veranstalter Torsten „Toto“ Löhnert : Die Hummeln kribbeln jedes Wochenende

Torsten „Toto“ Löhnert ist Musiker, Veranstalter und Konzert-Gänger – durch Corona geht gerade nichts. Der Wermelskirchener sieht die Szene weltweit betroffen und hofft nach dem Reigen abgesagter Konzerte auf das „Skin of tears-Heimspiel“ im Dezember.

Wenn die Woche auf das Wochenende zuschreitet, nimmt das „Kribbeln“ der sprichwörtlichen Hummeln im Hintern bei Torsten „Toto“ Löhnert deutlich zu. So beschreibt der 49-Jährige die ungewohnte Situation, keine Auftritte zu haben, kein Konzert geliebter Bands zu besuchen oder zu organisieren. „Der Corona-Lockdown hat mich gleich dreifach getroffen: Als Musiker, als Konzertveranstalter und als Live-Musik-Fan“, sagt Toto Löhnert im Gespräch mit unserer Redaktion: „Ich bin immerhin in der glücklichen Lage, nicht von der Musik zu leben.“

Dennoch: Seit dem Beginn der Pandemie fehlt dem Sozialpädagogen ein wesentlicher „Lebensinhalt“. Löhnert ist Kopf von Wermelskirchens Nummer Eins-Export-Band „Skin of tears“, Sänger sowie Gitarrist der bekannten Beatles-Tributeband „Rubber soul“ und gehört der Formation „Quasimodo“ an. Obendrein bucht er Bands und organisiert jährlich mindestens zehn Konzerte im AJZ Bahndamm – seine Kontakte zu Agenten („Bookern“) oder anderen Musikern reichen über Europa hinaus bis nach Japan oder Amerika.

Es wäre wie die Bestätigung des „Ritterschlags“ von vor zwei Jahren gewesen: Eigentlich sollte das Trio „Skin of tears“ in diesem August zum zweiten Mal bei einem der renommiertesten Festivals der Szene, „Punk-Rock-Holiday“ in Slowenien, auftreten – aufgrund von Covid-19 ist es aber abgesagt. „Wie diverse andere Auftritte auch. Punk-Rock-Holiday ist natürlich schon etwas ganz besonderes“, bedauert Toto Löhnert, aber er freut sich auf 2021: „Alle geplanten Bands des Festivals sollen dann auftreten – das wird Eins zu Eins nachgeholt.“

Gleiches gelte für das Bahndamm-Festival zum 30-jährigen Bestehen des „heißesten Clubs“ in Wermelskirchen, das ebenfalls im August geplant war, und bei dem Löhnert als Booker mit geplant hat: „Das wird dann als 31. AJZ-Geburtstag im kommenden Jahr gefeiert.“ Eine Beobachtung macht der Musiker in Zeiten der Pandemie: „Das betrifft alle weltweit – alle stehen vor dem Nichts, vor einem leeren Terminkalender. Es war überhaupt kein Problem, die für 2020 gebuchten Bands auf den Nachhol-Termin in 2021 zu buchen – das funktioniert sogar bei großen Namen, die eigentlich ein Jahr im Voraus ausgebucht sind.“

Während der Bahndamm als ehrenamtlich betriebenes Kultur- und Begegnungszentrum durch Corona keine „Schieflage“ fürchtet, macht sich Toto Löhnert sehr wohl Sorgen um Clubs, an denen Existenzen hingen: Überlebten diese die Corona-Phase nicht, würden Musikern wie ihm Auftrittsmöglichkeiten und Ansprechpartner verloren gehen. „Die Betroffenen kämpfen gerade“, weiß Löhnert und berichtet von einem ihm seit Jahren bekannten Agenten, der als Tour-Booker vor Corona drei Beschäftigte hatte: „Der sitzt jetzt wieder wie in der Anfangszeit seiner Agentur alleine am Schreibtisch, hat seine Leute entlassen müssen.“ In der Kultur- und Musiker-Szene würden viele von der Hand – oder genauer – von der „Bühne in den Mund“ leben: „Da wird normalerweise innerhalb der Woche auch Taxi gefahren, um die Kasse aufzubessern.“

Bestimmt sei in Deutschland stellenweise „mit Kanonen auf Spatzen geschossen“ worden, um Corona zu bekämpfen: „Das war richtig so.“ Wenn keine zweite Welle komme, sei Corona nach Ende August erledigt, ist Torsten Löhnert, der mit seiner Lebensgefährtin einen dreijährigen Sohn hat, zuversichtlich. Dennoch bleibe er vorsichtig: „Als Veranstalter übernimmt man ja Verantwortung und ich möchte ungern Konzerte absagen müssen.“ Denkbar sind für ihn Konzerte im Bahndamm eventuell erst ab Oktober oder im Sommer als Open-Air-Variante im kleinen Rahmen. „Ich bin guter Dinge, dass wir unser jährliches Heimspiel-Konzert mit ‚Skin of tears‘ im Dezember im Bahndamm machen können“, sagt Löhnert.

Bei Fans und Musikern wachse der „Hunger“ nach echten Live-Konzerten, das Interesse an Internet-Streams nehme ab, beobachtet Löhnert: „Es sei denn, sie sind wirklich professionell gemacht.“ Und weiter: „Wenn die Clubs wieder öffnen können, werden alle losrennen. Aber genauso wie es begrenzte Tage gibt, gibt es eine begrenzte Anzahl an möglichen Konzerten.“