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Wermelskirchen: Christen gründen Flüchtlings-Initiative

Wermelskirchen : Christen gründen Flüchtlings-Initiative

Etwa 100 Menschen wollen mit einer Initiative Asylsuchenden helfen. Erste Erfolge gibt es schon: Elf Flüchtlingskinder werden, obwohl aus Platzgründen nicht eingeschult, jetzt von drei Deutschlehrern ehrenamtlich unterrichtet.

Um Flüchtlingen und Asylsuchenden Hilfestellung zu leisten und sie, durch tatkräftige Unterstützung, willkommen zu heißen, ist eine Hundertschaft von Menschen aus unterschiedlichen Kirchengemeinden nun aktiv geworden: "Willkommen in Wermelskirchen - Initiative von Christen für Asylsuchende" ist ihr vorläufiger Name und hat, nach einem ersten Treffen vor vier Wochen, bereits erste Erfolge vorzuweisen.

Für elf Flüchtlingskinder, die bislang aus Platzgründen nicht beschult werden konnten, fing gestern die Schule an. Durch das Engagement des noch zu gründenden Initiativ-Vereins hatten sich drei Deutschlehrer ehrenamtlich bereiterklärt, die betroffenen Kinder zwei Stunden pro Tag zu unterrichten. Solange, bis diese Jugendlichen, die mehrheitlich aus Serbien stammen, am Regelunterricht, beispielsweise in einer Integrationsklasse, teilnehmen können. "Das ist hoffentlich ab Januar soweit", sagte Pfarrerin und Initiatorin Cornelia Seng am Montagabend beim zweiten Treffen der Initiative.

Rund 100 Wermelskirchener hatten sich im Gemeindehaus an der Stadtkirche eingefunden, um gemeinsam zu überlegen, Ideen zu sammeln und schließlich auch mitzuhelfen. Sie möchten ein Zeichen setzen und zeigen, dass Flüchtlinge und Asylsuchende bei ihnen, in ihrer Stadt, willkommen sind. Fremde aufzunehmen, sei schließlich auch ein zentrales Thema der Bibel.

Aktuell leben 125 Asylsuchende in den örtlichen Übergangswohnheimen, berichtete Tanja Dehnen vom Amt für Jugend, Bildung und Soziales. Sie ist eine von insgesamt drei Mitarbeitern, die sich um den Bereich Asyl in der Stadt kümmern. "Hinzukommen die Asylsuchenden, die in Privathaushalte untergekommen sind und die dadurch bei uns in der Statistik nicht aufgelistet werden." Wie viele Flüchtlinge noch zu erwarten seien, wollte einer der Anwesenden wissen. Die Frage konnte Dehnen nicht beantworten.

Ein konkretes Beispiel über die Odyssee eines Flüchtlings lieferte Brhane Abraham (32). Er stammt aus Eritrea und befindet sich seit 2009 auf der Flucht, kam vor sechs Monaten von Italien nach Wermelskirchen. Über die Wüste Sudans sei er nach Libyen gekommen, verbrachte dort ein Jahr im Gefängnis, ehe er mit einem kleinen Boot nach Italien weiterreiste. Dort versuchte er, vier Jahre lang zu überleben. "Das war sehr schwer. Es gab kein Bett, nichts zu essen." Entweder schlief er in einem Park oder, wenn es zu kalt wurde, an einem Bahnhof. "Das Leben dort war sehr schwer." Um es den Flüchtlingen, die oftmals aus Krieg- und krisengebeutelten Ländern stammen, in Deutschland nicht so schwerzumachen, will sich die Initiative mit der Stadt und Organisationen wie der Caritas vernetzen und mitarbeiten.

Arbeitsgruppen, die Sprachkurse anbieten, ein Café International, Mentoren, ein virtuelles Möbellager, Informationen in Sachen Asylrecht oder simple Aufbau- und Umzugshilfe leisten, sind bereits in der Initiative entstanden. Auch ein gemeinsames Weihnachtsfest mit und für Flüchtlinge soll voraussichtlich am Sonntag, 28. Dezember, gefeiert werden.

(RP)