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Bürger schimpfen über Baustellenpläne​

Sanierung der L 101 in Wermelskirchen : Bürger schimpfen über Baustellenpläne

Die Baustellenfahrzeuge sollen am 4. Juli an der L101 in Stumpf anrücken. Bei einer emotionalen Bürgerversammlung stellten sich Mitarbeiter von Straßen.NRW aufgebrachten Anwohnern. Überraschend deuten sich auch Lösungen an.

Es brodelte im großen Saal des Bürgerzentrums. Mit viel Wut im Bauch und Fragen im Gepäck hatten die Anwohner der Landstraße 101 zwischen Stumpf und Dreibäumen die Einladung der Stadt und des Landesbetriebs Straßen.NRW angenommen. „Es sind so viele Anfragen bei uns eingegangen, dass wir diesen Termin für notwendig hielten“, erklärte Bürgermeisterin Marion Lück. Vor allem aus Dhünn sei vehement ein Gesprächstermin gefordert worden.

Die Resonanz auf die Bürgerversammlung am Donnerstagnachmittag war dann auch groß – rund zwei Wochen, bevor zum ersten Bauabschnitt der Grundsanierung der Landstraße in Stumpf die Baufahrzeuge am 4. Juli anrollen. Dann wird die Durchfahrt voll gesperrt.

 Baustellenkoordinator Stefan Böhm von Straßen.NRW.
Baustellenkoordinator Stefan Böhm von Straßen.NRW. Foto: Jürgen Moll

Der Hauptvorwurf: „Wir werden viel zu spät informiert“, fasste Friedel Burghoff aus Dhünn zusammen. Dieser Termin hätte zwei Jahre früher stattfinden müssen, um noch gemeinsam wichtige Fragen zur Sperrung der Ortsdurchfahrt und der Umleitungen zu klären.

Mohammed Abodahab, Verantwortlicher der Abteilung Bau bei Straßen.NRW, betonte zwar mehrfach: „Wir verstehen Ihre Situation und wir verstehen, dass diese Baustelle für Sie alle auf verschiedene Weise große Einschränkungen mitbringt. Aber wir können nicht jede unserer unzähligen Baumaßnahmen im Vorhinein in diesem Rahmen besprechen.“

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Gesprächsbedarf hatte nun unter anderem Torsten Mühlinghaus, Landwirt aus Oberrautenbach, der während der Straßensperrung seine Ernte auf den Feldern entlang der Landstraße einbringen muss. Er habe gerechnet: 90 Umfahrten über die lange Umleitung würden für ihn 120 zusätzliche Stunden Arbeit bedeuten. „Diese Zeit haben wir während der Ernte nicht“, betonte er. Es müsse doch möglich sein, die Baustelle zumindest zeitweise mit landwirtschaftlichen Geräten befahren zu können. Einen Lösungsansatz hatte Andreas Wassong von der ausführenden Baufirma ins Spiel: Er setze sich gerne mit Mühlingshaus zusammen und berate über ganz konkrete Zeiten und Möglichkeiten, sagte er. Zufriedenes Nicken, endlich gehört worden zu sein, bei Torsten Mühlinghaus.

Frank Jäger aus Dhünn forderte unterdessen, den Verkehr einspurig an der Baustelle vorbeizuführen – zumindest streckenweise. Dafür solle die Straße dort, wo es möglich sei, verbreitert werden. Dafür bekam er eine klare Absage: Die Straße sei viel zu schmal für eine Teilsperrung. Sie messe kaum sechs, statt der rechtlich geforderten neun Meter. Die Versiegelung von Flächen neben der Straße sei nicht ohne Weiteres möglich, fordere Verträge mit den Flächenbesitzern, Ausgleichsflächen und vor allem Zeit. „Das würde das Projekt deutlich teurer machen und es würde auch deutlich länger dauern. Bis zu einem halben Jahr“, erklärte Baustellenkoordinator Stefan Böhm. Aufgebracht forderte auch Simone Pape eine Lösung: Viermal am Tag fahre sie von Dhünn aus zur Kindertagesstätte in Grunewald. „Wie soll das jetzt laufen? Ich muss mich unbezahlt beurlauben lassen, um meine Kinder zu betreuen. Wer bezahlt mir den Ausfall?“, fragte sie, den Tränen nahe, und forderte dringend eine Sondergenehmigung. „Ich verstehe ihre Situation“, wiederholte Abodahab, „aber wir können nicht für jeden eine Individuallösung finden.“ Ein Vorschlag zumindest kam aus der Besuchergruppe: Die Kinder könnten doch vielleicht während der Straßensperrung in der Kita Dhünn betreut werden. „Ein neuer Gedanke“, erklärte Harald Drescher, der als Vertreter der Verwaltung durch den zweiten Teil der Versammlung führte und dabei alle Mühe hatte, die Emotionen der Besucher in Schach zu halten. Er wollte die Idee in das zuständige Amt weitergeben, kündigte er an.

Auf der Suche nach einer Lösung war auch eine Dame aus Finkenholl zur Versammlung gekommen: Der Öffentliche Nahverkehr habe ganze Buslinien für die Zeit der Straßensperrung in Stumpf gestrichen, beklagte sie. Auch Finkenholl oder der Jägerhof würden nicht mehr angefahren. „Das darf eigentlich nicht sein“, befand Drescher – zumal der Kreisverkehr in Sonne offen bleibt. Man wolle dazu Gespräche mit dem Verkehrsbetrieb aufnehmen.

Kritik gab es auch, weil nicht gleichzeitig ein Radweg gebaut werde. „Dafür brauchen wir aber die politische Entscheidung der Regionale“, erinnerte Technischer Beigeordneter Thomas Marner. Fußgänger und Radfahrer sollen allerdings auch während der Straßensperrung eine Möglichkeit haben, die Baustelle zu passieren.