Brustkrebs: Krankenhaus in Wermelskirchen bietet genetische Beratung

Wermelskirchen: Wenn der Krebs in den Genen liegt

Das Wermelskirchener Krankenhaus bietet eine humangenetische Beratung an. Frauen, in deren Familien Brust- oder Eierstockkrebs vorkommen, können sich auf genetische Ursachen untersuchen lassen.

Mit Angelina Jolie erreichte das Thema 2014 die breite Öffentlichkeit: Die Schauspielerin entschied sich aus Angst vor Krebs zur Entfernung ihrer Brüste und Eierstöcke. Angelina Jolie ist Trägerin eines veränderten BRCA-Gens. Rund fünf bis zehn Prozent aller Krebserkrankungen gehen auf diese genetische Fehlbildung zurück. Wer es in sich trägt, lebt mit einer deutlich größeren Wahrscheinlichkeit, Brustkrebs- und Eierstockkrebs zu bekommen.

Wer sich bisher Klarheit verschaffen wollte über seine eigenen Erbanlagen und eine humangenetische Beratung in Anspruch nehmen wollte, der musste in die großen Kliniken der Metropolen fahren. Mit Dr. Khalid El Khalfaoui, Chefarzt der Gynäkologie am Krankenhaus, gibt es diese Möglichkeit nun auch in Wermelskirchen. In der gynäkologischen Abteilung wurde eine humangenetische Beratung für Frauen eingerichtet.

"Bis Anfang der 1990er-Jahre wussten wir gar nicht, dass Brust- und Eierstockkrebs vererbbar sind", sagt Dr. Khalid El Khalfaoui. Die Entdeckung hat vieles verändert. Denn seitdem können sich Frauen auf den Gendefekt testen lassen. Mit dem Wissen allerdings seien viele Konsequenzen und Fragen verbunden. "Und deswegen ist die Beratung so wichtig", sagt der Chefarzt. Frauen, die in ihrer Familie eine Häufung von Brust- und Eierstockkrebs erleben, kommen zu dieser Beratung. "Am Anfang steht ein ausführlicher Fragebogen", erklärt Dr. Khalid El Khalfaoui. Dazu gehört auch ein Stammbaum, der bis zu drei Generationen zurückreicht.

Nachdem Patient und Arzt gemeinsam die Risikofaktoren in den Blick genommen haben, sprechen sie über die Möglichkeit des Tests, der in Deutschland ab 18 Jahren erlaubt ist. "Jungen Frauen, die noch vor der Realisierung der Familienplanung stehen, rate ich nicht in jedem Fall zu dem Test", sagt der Arzt und wünscht sich eine entsprechende Zurückhaltung auch von Kollegen.

Die Wahrscheinlichkeit der Krebserkrankung steige mit dem Alter, junge Frauen mit Genveränderung seien also deutlich weniger gefährdet, zu erkranken. "Wenn sie aber um das Ergebnis wissen, wird es sie nicht mehr loslassen", sagt der Arzt. 80 Prozent der Frauen mit der Anlage erkranken an Brustkrebs, 67 Prozent an Eierstockkrebs.

Die medizinischen Möglichkeiten, auf die Genveränderung zu reagieren, sind mit massiven Eingriffen verbunden: "Nur eine Entfernung der Brüste und der Eierstöcke schließt jedes Risiko aus", sagt der Arzt. Das sei für Frauen, die sich Kinder wünschen und die Familienpläne noch nicht realisiert haben, aber nur selten eine Option. Bleibt eine engmaschige Kontrolle. "Prävention ist eine der größten Errungenschaften der Medizin", sagt der Arzt.

Alle drei Monate wird für Trägerinnen des Gens ein Ultraschall der Brust empfohlen, einmal im Jahr eine Computertomographie. Wenn der Krebs früh erkannt wird, kann er gut behandelt werden. "Weil das veränderte BRCA-Gen dafür verantwortlich ist, dass die DNA nicht mehr repariert werden kann, gibt es für Trägerinnen auch Möglichkeiten, Risiken durch die Berufswahl zu verringern", sagt der Arzt. Frauen sollten dann Strahlung vermeiden, also nicht als Flugbegleiterin oder in der Nähe von Maschinen arbeiten, die mit Strahlung zu tun haben und der DNA zu schaffen machen.

Für Dr. Khalid El Khalfaoui steht fest: "Wir können Patienten nicht einfach das Ergebnis in die Hand drücken und sie damit alleine lassen." Und deswegen sei es wichtig, die humangenetische Beratung ernst zu nehmen und Zeit dafür einzuräumen.

Inzwischen sensibilisieren die Experten am Wermelskirchener Krankenhaus auch heimische Allgemeinmediziner und Fachärzte für das Thema - wie in einem Seminar, das kürzlich angeboten wurde. Sie sollen Patienten, die betroffen sein könnten, auf die Möglichkeit der Beratung aufmerksam machen.

Der Weg zu einer Untersuchung

  • Der Hausarzt schreibt Überweisung Beratung Patientinnen, die eine Häufung von Brust- oder Eierstockkrebs in ihrer Familie beobachten, sollten ihren Hausarzt darauf ansprechen, sagt Dr. Khalid El Khalfaoui. Der kann dann eine Überweisung zur humangenetischen Beratung ins Krankenhaus schreiben
  • Die Kosten bezahlt die Krankenkasse, wenn der Bluttest zur Feststellung des BRCA-Defekts nötig ist. Für die Beratung kommen die Kassen in den meisten Fällen nicht auf, das Krankenhaus bietet das Gespräch kostenlos an.
(RP)