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Bodybuilderin aus Wermelskirchen erfolgreich bei Titelkämpfen

Wermelskirchenerin bei Landesmeisterschaften : Eiserne Disziplin fürs Bodybuilding

Alessia Barata sicherte sich bei den Landesmeisterschaften Platz fünf. Die Newcomerin war die Kleinste und die Jüngste.

Mehr als einen Achtungserfolg erreichte Alessia Barata aus Wermelskirchen bei den Bodybuilding-Landesmeisterschaften mit dem fünften Platz unter 15 Teilnehmerinnen. Für die 21-jährige Erzieherin war ihre Teilnahme mehr als die Frage nach der Platzierung in einer Konkurrenz, die sie selbst als „Mixtur aus Schönheits- und Sportwettbewerb“ bezeichnet.

„Als ich von der Bühne ging, war das Gefühl unbeschreiblich – ich habe mich für einen Moment unsterblich gefühlt.“ Sich ein Ziel zu setzen und dieses auch zu erreichen, sei eine unheimliche Bestätigung. Nach Wochen disziplinierten Trainings und „die Lebensqualität einschränkende Diät“ vor dem Wettbewerb leitet Alessia Barata daraus einen beinahe schon lebensphilosophischen Appell ab: „Jeder sollte sich etwas trauen, einfach konsequent machen, worauf man Lust hat.“ Dem Schmuddel-Image aus den 1980er Jahren ist Bodybuilding längst entwachsen. Der Trend zu Individualsport und Gesundheitsbewusstsein hat die Grenzen zwischen Fitness und dem Muskelaufbau-Sport fließend werden lassen. Alessia Barata tritt in der sogenannten Bikini-Klasse an – dort behalten die Teilnehmerinnen am ehesten ihre weiblichen Formen. In den anderen Klassen sind die Teilnehmerinnen „trockener“, wie es im Fachjargon heißt – die Muskulatur ausgeprägter.

◀ Inzwischen bringt die mit 1,49 Metern vergleichsweise klein gewachsene Bodybuilderin aus Wermelskirchen wieder 50 Kilogramm auf die Waage, beim Wettkampf waren es 41. Unter den 15 Teilnehmerinnen war Alessia Barata die jüngste und kleinste Starterin. ▶ Alessia Barata nahm an den Landesmeisterschaften im Bodybuilding in der Bikini-Klasse teil. Kritikern hält sie entgegen: „Ich leben in meinem Körper und ich muss mir gefallen.“ Mit bewusster Ernährung sorgt sie dafür, dass die Muskeln am Wettkampf möglichst gut zur Geltung kommen. Foto: Stephan Singer/Singer, Stephan (sng)

„Eigentlich war es Quatsch und relativ mutig, als Anfängerin gleich bei den Landesmeisterschaften anzutreten“, erzählt Alessia Barata, die erst vor etwas mehr als einem Jahr den Entschluss zur Teilnahme fasste: „Ich war 2017 als Zuschauerin dabei und wollte das plötzlich auch. Wenn ich mir ein Ziel setze, dann mache ich das.“

Einschränkungen in ihrer Freizeit musste Alessia Barata, die einen portugiesischen Vater und eine italienische Mutter hat und in Wermelskirchen aufwuchs, während der Vorbereitung hinnehmen. Bereits um 3.30 Uhr morgens ging es zum Training, abends wiederholte sich das Prozedere. Aktuell trainiert die Erzieherin, die in einem Kindergarten arbeitet, ein Mal am Tag. „In den 16 Wochen der direkten Vorbereitung war nichts anderes möglich – für mehr als Training und Beruf blieb keine Kraft mehr“, erinnert sich die Bodybuilderin, die von sich selbst sagt, dass sie „schon immer körperbewusst und sportlich“ war.

Mit bewusster Ernährung sorgen die Sportler dafür, dass die Muskeln am Wettkampf möglichst gut zur Geltung kommen. Auf Kohlenhydraten, Fette und Eiweiß (sogenannte Makroverteilung) wird geachtet. „Ich habe Reis, Hähnchen und Gemüse sowie Spargel und Fisch gegessen – keinen Zucker, kein Obst, keine Milchprodukte“, erläutert Alessia Barata, die ansonsten gerne ein gutes Essen („besonders von Oma“) genießt. Sie lacht: „Nach dem Wettkampf habe ich mir erst einmal amerikanische Süßigkeiten besorgt, die ich so gerne mag.“ Inzwischen bringt die mit 1,49 Metern vergleichsweise klein gewachsene Bodybuilderin wieder 50 Kilogramm auf die Waage, beim Wettkampf waren es 41. Unter den 15 Teilnehmerinnen war Alessia Barata die jüngste und kleinste Starterin.

Beim Heben von Gewichten (Bankdrücken) streckt Alessia Barata 40 Kilogramm in die Höhe, was „nicht so viel“ sei. 75 Kilogramm stemmt sie mit Kniebeugen. Die speziellen Regeln, nach der eine Jury die Bodybuilder bewertet, müsse jeder Sportler im Training für sich umsetzen, meint die Wermelskirchenerin: „Ich brauche viele Übungen für den Rücken, weil ich dort tendenziell zu wenig Muskulatur habe. In den Beinen habe ich für meine Klasse beinahe schon zu viel.“ Bei einem Wettbewerb müsse das Gesamtpaket stimmen, Ausstrahlung und die Art der Präsentation seien das „A und O“.

Als Ziel nennt Alessia Barata die erneute Teilnahme bei den Landesmeisterschaften im kommenden Jahr: „Ich habe jetzt Blut geleckt“, sagt sie. Wenn es dabei für eine Platzierung unter den ersten Dreien reiche, was die Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften bedeutet, würde sie da auch noch mitmachen: „Danach ist Schluss. Ich habe schon ein wenig Angst vor Verbissenheit auf Dauer.“ Und weiter: „In der Zeit der Wettkampfvorbereitung habe ich besonders intensiv Tagebuch geführt, um die Anstrengungen zu verarbeiten.“ Aber das Training mache sich auch im Alltag bezahlt: „Ich bin fit und konditionell gut drauf.“