Bluesrock im Haus Eifgen in Wermelskirchen

Bluesrock im Haus Eifgen in Wermelskirchen : So laut und so gut

„Michael Dühnfort and The Noise Boys“ gastierten im Haus Eifgen mit Bluesrock.

(resa/tei.-) Bevor es losgeht, scherzt Michael Dierks noch mit dem Publikum. Er dreht die Musik etwas lauter. „Ich will euch schon mal daran gewöhnen“, sagt der Vorsitzende der Kulturinitiative schmunzelnd. Auf dem Programm steht Bluesrock. Und wer nicht genau hinsieht, der liest vielleicht mehr Blues als Rock, weil im Haus Eifgen betörende Gitarrenklänge und Bluesrhythmen häufiger Zuhause sind. Und wer dann auch noch den Fehler macht, den Bandnamen „Michael Dühnfort and The Noise Boys“ nicht ernst zu nehmen, für den wird der Abend hinter bergischem Schiefer zur Überraschung. Allerdings dürfte es den wenigsten Besuchern so gegangen sein, denn die drei Musiker werden nicht nur mit vielen freundlichen Vorschusslorbeeren empfangen, sondern hier und da liegen die Ohrstöpsel zum Abdämpfen auch schon bereit. Das Publikum scheint zu wissen, was es erwartet.

Dann stehen Steffen Schmidt, Michael Dühnfort und Michael Löscher also auf der Bühne – sehen mit ihren schwarzen Lederjacken, langen Bärten, noch längeren Haaren etwas mehr nach Rock als nach Blues aus, witzeln kurz mit dem Publikum („Als ersten Song spielen wir den ersten Song“) und dann beginnt das Spektakel. Die erste Gitarrensaite: Und der Funke springt über. Laut, kräftig und so gut. Jeden Ton, jeden Schlag spüren die Zuschauer bis in die Zehen und Hände. Das ist Musik, die gehört, gefühlt und getanzt wird. Und schnell wird klar: „The Noise Boys“ und ihr Leadsänger können deutlich mehr als „Lärm“. Sie zaubern. Manchmal füllt die selbstgemachte Musik so sehr den Raum und die Luft, dass die Zuschauer die Finger ausstrecken und die Augen schließen, dann beginnt der Kopf zu wippen, der Raum zu schrumpfen. Es scheint, als würden die Musiker die Nebenhöhlen frei pusten, Durchatmen fällt plötzlich viel leichter.

Und gleich im ersten Song zeigt Michael Dühnfort nicht nur seine Qualitäten als Komponist, sondern auch als Gitarrist. Die Stahlsaiten der Gitarre bearbeitet er mit Slide-Werkzeugen. Das macht Spaß, lässt ein unglaubliches Spektrum an Klängen entstehen und begründet den großen Jubel, der jetzt bereits im Publikum aufbrandet. „Don`t talk too much“ nennt der Musiker sein Stück und erzählt vom Frühstück mit seiner Frau. Oder: „1. Mai 2002“ – weil so eben der Dateiname gelautet habe. Dühnfort zitiert Hüsch und verfällt ein paar Sekunden später in ein ausgedehntes Gitarrensolo, bei dem den Zuhörern die Münder offen stehen bleiben. Er trinkt Mineralwasser und rockt, als wisse er nichts vom Älterwerden. Schweiß, Handtücher, Geplänkel mit dem begeisterten Publikum.

Irgendwann verkündet die Band, jetzt käme mal ein ruhigeres Stück und tatsächlich klingt ein bisschen mehr Blues, ein bisschen weniger Rock mit. Laut wird es trotzdem. Und immer noch gut.

Das Publikum saugt die Musik auf, und auch Michael Dühnfort ist begeistert – vom Abend, von der Atmosphäre im Haus Eifgen, von der „irren Gastfreundschaft“. „Wir kommen 2020 wieder. Das ist schon so mit Michael Dierks abgemacht“, sagt er im Gespräch.

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