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Björn Köhnlein erforscht Wermelskirchener Dialekt

Professor von US-Universität zu Gast : Björn Köhnlein erforscht Wermelskirchener Dialekt

In Darmstadt geboren, nun Professor und Sprachforscher in den USA: Björn Köhnlein legt für seine Arbeit ein besonderes Augenmerk auf die Mundartsprecher dies- und jenseits der Benrather Linie, die durch das Wermelskirchener Stadtgebiet verläuft.

Die Entwicklung des Wärmelskirker Plat, wie Horst Joest die speziellen Eigenheiten der Bergischen Mundart in Wermelskirchen im Jahr 2003 mit seinem Wörterbuch-ähnlichen Werk nannte, kann für den Associate Professor Björn Köhnlein von der Ohio State University im US-amerikanischen Columbus mehr als nur ein Fingerzeig sein. Der Sprachwissenschaftler, der 1977 in Darmstadt zur Welt kam, ist in Wermelskirchen zu Gast und stattete dabei auch dem Archiv der Wermelskirchener Abteilung des Bergischen Geschichtsvereins (BGV) einen Besuch ab. Dort nahm er unter anderem das 1943 handgeschriebene Buch (dieses gibt es nur ein Mal, lässt sich für Forschungsarbeiten jedoch digitalisieren) von Adolf Lenz in Augenschein – auch Lenz listete damals lautmalerisch die Begriffe des Wermelskirchener Dialekts auf. Köhnleins wichtigstes Vorhaben: Mit Mundartsprechern reden, deren Aussagen aufzeichnen und diese untersuchen.

„Mittels Messungen am PC lassen sich diese Aufnahme analysieren. Beispielsweise wie lang Vokale gesprochen werden oder ob ein E weiter vorne oder weiter hinten auf der Zunge ausgesprochen wird“, erläutert Björn Köhnlein. Er ist überzeugt: „Die Wermelskirchener Mundart könnte ein Beleg für eine Veränderung der Sprache vor 1500 Jahren sein.“ Das Wort „Übergangsdialekte“ gefalle ihm zwar weniger, aber diese wären diejenigen, die am meisten über die Entwicklung der Sprache erzählen.

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Der Hintergrund: Durch das Wermelskirchener Stadtgebiet verläuft die sogenannte Benrather Linie, die die Sprachgrenze zwischen mitteldeutschen und niederdeutschen Mundarten darstellt. Köhnlein setzt sich mit Mundartkennern auf beiden dieser Linie auseinander. Wie Köhnlein musterhaft berichtet, entwickelte sich in der mitteldeutschen und südlicheren Aussprache um das Jahr 500 das T zum S: beißen, bijten (Holländisch), bite (englisch). „Diese Entwicklung vollzog sich im süddeutschen Dialekt komplett, im norddeutschen blieb es wie in England oder Holland beim T“, skizziert Köhnlein: „Im Wermelskirchener Dialekt in nach einem lang gesprochenen Vokal das T geblieben, nach einem kurz gesprochenen wurde es ein S.“ Und der Forscher betont: „Das gibt es nirgendwo anders.“ Veränderungen von Sprachen seien nicht beliebig, die Gründe für Entwicklungen unter Umständen übertrag und deshalb für die weltweite Sprachforschung interessant.

Für seine Vorgehensweise sei die Sprachqualität sehr wichtig, Nebengeräusche dürften auf den Aufnahmen nicht zu hören sein, beschreibt der Forscher: „Auch wegen der Eindrücke ist ein persönliches Gespräch mit den Mundartsprechern wichtig.“ Björn Köhnlein wird sich für fünf Wochen in Deutschland aufhalten und dabei auch seine Angehörigen in Hessen besuchen. Im laufenden Semester habe er unterrichtsfrei, was ihm die Reise ermögliche. Einen weiterer Besuch in Wermelskirchen hält er für möglich. Das Ergebnis seiner Forschungen will er in Aufsätzen zusammenfassen, in denen der Wermelskirchener Dialekt eine Rolle spielt: „Vielleicht schreibe ich dazu   mal ein Buch.“