Wermelskirchen: Bildungspaket hilft bereits 190 Familien

Wermelskirchen : Bildungspaket hilft bereits 190 Familien

64 Prozent der berechtigten Familien im Kreis haben 2012 die Hilfe aus dem Bildungspaket der Bundesregierung in Anspruch genommen. In Wermelskirchen ist der Bedarf groß, vielen Eltern ist die Unterstützung aber unangenehm.

Ein warmes Mittagessen, die Mitgliedschaft im Sportverein, Nachhilfe, Musikunterricht — all das soll möglich sein mit dem Bildungspaket — auch für Kinder aus Familien, die sich diese Dinge normalerweise nicht leisten können.

Unter dem etwas sperrigeren Arbeitstitel "Bildungs- und Teilhabepaket" war das Programm vor gut zwei Jahren auf den Weg gebracht worden. Allerdings litt das Bildungspaket unter Startschwierigkeiten. Zwei Jahre später wird das millionenschwere Paket in Wermelskirchen gut angenommen, berichtet Simona Sieglar, die seit März vergangenen Jahres als Sozialarbeiterin für Bildung und Teilhabe (BuT) in Wermelskirchen unterwegs ist. Sie ist eine von insgesamt elf Sozialarbeitern im Kreis.

Rund 190 Familien mit geringem Einkommen berät Sieglar bereits. "Der Bedarf in Wermelskirchen ist groß", berichtet die 47-Jährige, die feste Sprechstunden in den Schulen, Kindergärten, im Jugendbüro an der Eich und im Pfarrzentrum St. Michael anbietet. "Ich berate Familien und helfe ihnen dabei, die Förderanträge zu stellen", erzählt Sieglar, die immer wieder feststellt, "dass es vielen Eltern unangenehm ist, die Hilfe in Anspruch zu nehmen". Außerdem stellt Sieglar den Kontakt zu Sportvereinen und zur Musikschule her. Auch der Rheinisch-Bergische Kreis zieht eine positive Bilanz: 64 Prozent der berechtigten Familien haben 2012 insgesamt 8617 Leistungen beantragt, um Kindern und Jugendlichen beispielsweise die Mitgliedschaft im Sportverein oder die Teilnahme an einem Musikkurs zu ermöglichen. 94 Prozent der Anträge wurden bewilligt. Insgesamt umfasste die Unterstützung rund 1,25 Millionen Euro aus Mitteln des Bundes.

36,8 Prozent der Gelder wurden für die Mittagsverpflegung verwendet. Für die Ausstattung mit persönlichem Schulbedarf waren es 28,5 Prozent, für Schulausflüge/Klassenfahrten 18,1 Prozent, Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben 8,4 Prozent. Für Lernförderung wurden 7,8 Prozent, für Schulförderung 0,4 Prozent der Gelder aufgewendet. "Die Zahlen sind positiv zu bewerten. Aber natürlich werden wir auch in Zukunft gemeinsam mit vielen anderen Akteuren daran arbeiten, weitere Verbesserungen bei der Umsetzung und dem Zugang zum Bildungs- und Teilhabepaket zu erreichen", sagte Dezernent Markus Fischer im Ausschuss für Arbeit und Soziale Sicherung des Rheinisch-Bergischen Kreises.

Anne Ueberholz, Geschäftsführerin des Wermelskirchener Turnvereins, sagte auf Anfrage: "Die Bildungsgutscheine werden genutzt, es könnten aber mehr sein." Derzeit nähmen 24 von rund 1300 Mitgliedern Leistungen aus dem Bildungspaket in Anspruch, damit Kinder kostenfrei an Sportkursen teilnehmen könnten. Im vergangenen Jahr waren es 35. Es seien eher die neuen Mitglieder, die die Unterstützung beantragten. Langjährige Mitglieder würden von den Bildungsgutscheinen meist keinen Gebrauch machen. In Vorleistung müssen die Mitglieder nicht treten. "Wir rechnen direkt mit dem Jobcenter ab", berichtet Ueberholz.

An der Musikschule nutzen derzeit 16 der 700 Schüler die Bildungsgutscheine. Tendenz steigend. "Der verwaltungstechnische Aufwand ist sehr hoch", berichtet Verwaltungsleiterin Cordula Allendorf.

(RP)
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