Wermelskirchen/Rhein-Berg: Bewerber im Kreis haben gute Chancen

Wermelskirchen/Rhein-Berg: Bewerber im Kreis haben gute Chancen

Die Unternehmen im Bergischen Land suchen Auszubildende. Auf dem Ausbildungsmarkt können die Schulabgänger derzeit noch aus vielen freien offenen Stellen auswählen. Allerdings bleiben auch einige Bewerber zurzeit unversorgt.

In einem sind sich die Vertreter der Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach, der IHK Köln und der Kreishandwerkerschaft Bergisches Land einig: Für angehende Schulabgänger im Rheinisch-Bergischen Kreis stehen die Chancen sehr gut, einen passenden Ausbildungsplatz zu bekommen. Bei der Vorstellung des Halbjahresberichts zum Ausbildungsmarkt gestern waren die Zahlen indes noch nicht abschließend zu bewerten. "Denn der frühe Termin der Osterferien in diesem Jahr hat den Stichtag etwas verwässert", sagte Christopher Meier, Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung der IHK Köln. Marcus Otto, Kreisgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bergisches Land, wollte gar ganz auf Zahlen verzichten. "Sie springen gerade rauf und runter, so dass verlässliche Angaben nicht gemacht werden können." Die Hoch-Zeit für Gewerke, die vor allem draußen arbeiten, beginne erst jetzt langsam, zudem bremse kaltes und schlechtes Wetter die Situation auf dem Lehrstellenmarkt.

Nicole Jordy, Geschäftsführerin Operativ der Agentur für Arbeit, freute sich darüber, dass sowohl Arbeitgeber als auch Bewerber die Dienstleistungen der Agentur für Arbeit vermehrt in Anspruch nähmen. "Das bietet uns ein großes Potenzial. Unser Ziel ist es, möglichst allen ein gutes und zur Person sowie zum Betrieb passendes Angebot zu machen."

Im Rheinisch-Bergischen Kreis gebe es zum jetzigen Zeitpunkt 875 offene Ausbildungsstellen. "Das sind 31 Stellen oder 3,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Unbesetzt sind derzeit noch 556 Stellen", sagte Jordy. Auch die Zahl der Bewerber sei gestiegen. "Wir haben derzeit 1328 Ausbildungssuchende gemeldet. Allerdings gibt es dabei auch 791 unversorgte Ausbildungssuchende, knapp 30 Prozent mehr als im Vorjahr." Gründe hierfür seien, dass die Anforderungen teilweise nicht übereinander passen würden, die Entfernungen zwischen Ausbildungs- und Wohnort zu groß oder auch die Vorstellungen der Bewerber zum jeweiligen Beruf in sich nicht stimmig seien.

Meier betonte, dass die Situation für Bewerber im IHK-relevanten Ausbildungsbereich derzeit blendend sei. "Im Bereich der IHK Köln gibt es derzeit bei 19.000 Unternehmen etwa 4000 freie Ausbildungsplätze." Zwar werde sich im zweiten Halbjahr noch der größte Teil des Geschäfts bewegen, allerdings sei man grundsätzlich zufrieden. "Es ist aber schon so, dass wir den Schulabgängern immer wieder auf den Weg mitgeben, dass nicht nur ein Studium die ideale Lösung ist", sagte Meier. Der Weg in den Beruf über die Ausbildung sei ein goldener. "Es gibt viele freie Stellen, viele Karrierechancen und daher auch viele Möglichkeiten für eine gute berufliche Karriere", sagte er.

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Meier erwähnte auch das Azubi-Speed-Dating am 11. Juni im RheinEnergie-Stadion in Köln. "Viele Unternehmen legen keinen Wert mehr auf die Zeugnisnoten, sie wollen die jungen Menschen persönlich kennenlernen - und dafür ist die Veranstaltung ideal", sagte Meier.

Auch Otto setzte auf die Notwendigkeit der Selbstvermarktung des Handwerks. "Wir müssen den Jugendlichen vermitteln, dass ein guter Meisterabschluss mit einem akademischen Abschluss zu vergleichen ist. Es wird auf die duale Ausbildung oft noch eine Minderwertigkeit projiziert - was schade und falsch ist", sagte Otto.

Als Marketingmethode habe man zum einen die erste WhatsApp-Sprechstunde ins Leben gerufen: "Am 11., 18. und 25. April stehen die Ausbildungsexperten bei der Kreishandwerkerschaft den Jugendlichen per WhatsApp bereit, um Fragen rund um das Thema Ausbildung im Handwerk zu beantworten", sagte Otto. Der Kreisgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft betonte zudem: "Wir brauchen mehr Absolventen der dualen Ausbildung - und nicht noch mehr Akademiker." Das sei auch die Aussage der Unternehmen in den regelmäßig erhobenen Konjunkturumfragen, wie Meier ergänzte. "Für 56 Prozent ist das Geschäftsrisiko Nummer eins der Fachkräftemangel - und nicht der Brexit oder irgendwelche Handelszölle."

(RP)