Wermelskirchen: Betrunken am Steuer - Gericht stellt Verfahren ein

Wermelskirchen : Betrunken am Steuer - Gericht stellt Verfahren ein

Ein 54-Jähriger musste sich vor dem Amtsgericht wegen des Vorwurfs der Trunkenheit am Steuer mit 2,19 Promille Blutalkohol erwehren.

Der Mann war sich keiner Schuld bewusst: Er sei gar nicht gefahren, sagte er und erzählte seine Geschichte: Am Tattag vor rund neun Monaten sei er nach getaner Arbeit - er ist Handwerker - gegen 18 Uhr in der Gaststätte Wißkirchen in Odenthal-Altenberg eingekehrt und habe dort mit ihm nicht bekannten Personen getrunken. Gegen ein Uhr habe er einen Anruf eines Unbekannten mit unterdrückter Rufnummer bekommen, der ihm mitteilte, sein Auto stände "beim Börner". Damit war offensichtlich Gut Luchtenberg gemeint. Der Angeklagte war überrascht.

Mit diesem Auto - ein Handwerker-Kleintransporter - hatte er die Gaststätte besucht. Aber das Auto war tatsächlich verschwunden. Zu Fuß habe er sich danach querfeldein zum rund vier Kilometer entfernten Gut aufgemacht. Dort habe ihn bereits die Polizei empfangen, ihn der Unfallflucht unter Alkohol beschuldigt und "gewaltsam ins Krankenhaus zur Blutprobe" gefahren.

Der Richter entlockte ihm weitere Einzelheiten: Der Angeklagte hatte ungefähr 15 Glas Bier und mindestens zwei Schnäpse getrunken. Das Auto war nicht verschlossen, weil der Zündschlüssel im Zündschloss abgebrochen war und man es nur mit dem Rest des Zündschlüssels zusammen fahren konnte. Dieser Rest lag stets auf dem Beifahrersitz.

  • Radevormwald : Betrunken am Steuer unterwegs - und dann den Freund beschuldigt
  • Remscheid : Angeklagte nimmt Berufung zurück
  • Duisburg : 53-jähriger Familienvater wie ein Rambo am Steuer

Die Polizeibeamten glaubte dem Angeklagten nicht. Es hatte in der Nacht mehrfach geregnet, doch der Angeklagte war ihnen sichtlich angetrunken mit trockener Kleidung aus der Richtung der Stallungen entgegengekommen. Vermutlich hatte der Angeklagte betrunken einen Unfall verursacht und dabei die Leitplanke beschädigt. Das Auto hatte er dann auf Gut Luchtenberg abgestellt und sich dort verborgen, lautete ihre Version. Außerdem habe er die Aussage verweigert und "leichtes aggressives Verhalten" gezeigt.

Ein Zeuge des Angeklagten - ein 52-jähriger Metallbaumeister - wollte den Angeklagten in der Gaststätte den Abend hindurch gesehen und das plötzliche Verschwinden des Autos bemerkt haben. Erst später habe er aufgrund einer Zeitungsnachricht "53-Jähriger randaliert bei Blutentnahme" einen Zusammenhang zum Verschwinden des Autos erkennen können.

Das Gericht hatte an der Aussage des Angeklagten erhebliche Zweifel. Der Staatsanwalt kündigte an, bei einem Freispruch in die Berufung zu gehen. Ebenso der Verteidiger bei einer Verurteilung. Man entschloss sich zu einem Kompromiss: Das Verfahren wurde eingestellt gegen eine Geldauflage von 1900 Euro. Das entsprach einem Netto-Monatsgehalt des Angeklagten. Er hatte nur zögerlich zugestimmt.

(bege)