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Wermelskirchen: Betrug nicht erwiesen - Verfahren wird eingestellt

Wermelskirchen : Betrug nicht erwiesen - Verfahren wird eingestellt

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft vor dem Amtsgericht wog schwer: Der 29-jährige Angeklagte soll als Alleininhaber eines Transportunternehmens im Jahr 2014 gewerbsmäßig andere Fuhrunternehmer mit Frachtaufträgen in zehn Fällen beauftragt haben in der Gewissheit, überhaupt nicht zahlen zu können oder zu wollen. Der Gesamtschaden belief sich auf rund 10.000 Euro. Sein Verteidiger verlas als Einlassung seines Mandanten eine minutenlange Erklärung. Demnach hatte der Angeklagte zu diesem Zeitpunkt gar keine Aufträge erteilen können, weil er aufgrund einer Krankheit nicht in seinem Unternehmen tätig war. Das bestätigten ärztliche Atteste.

Die Aufträge erteilten seine Mitarbeiter im besten Wissen und Gewissen, dass noch Geld in der Firma vorhanden war. Was sie nicht wussten, war, dass die Stiefmutter des Angeklagten, die ebenfalls in der Firma tätig war und alleinigen Zugriff auf die Konten hatte, sich offensichtlich privat daraus bediente. Das sagte eine Mitarbeiterin als Zeugin aus, die mit der Buchung von Ein- und Ausgängen betraut war. Alle Ausgänge ohne entsprechende Quittung hatte sie als Privatentnahme der Stiefmutter verbucht.

Das Gericht hatte diese Verhandlung zum zweiten Mal festgesetzt, um im Gegensatz zur ersten Verhandlung auch alle wichtigen Zeugen vernehmen zu können. Doch die wichtigste Zeugin - die Stiefmutter - blieb dieser Verhandlung unentschuldigt fern. Der Richte brummte ihr deswegen ein Ordnungsgeld auf. Der Chef einer Firma, dem das Unternehmen des Angeklagten Geld schuldete, konnte sich nicht daran erinnern, mit dem Angeklagten im fraglichen Zeitraum telefoniert zu haben. Richter und Staatsanwältin kamen überein, dass das Verfahren sich unnötig in die Länge ziehen würde, müssten Verantwortliche aller Gläubigerfirmen als Zeugen befragt werden.

Das Gericht sah zwar die Unschuld des Angeklagten als wahrscheinlich an, konnte aber ohne die langwierigen Zeugenbefragungen und die Aussage der Stiefmutter keinen absoluten Freispruch verkünden. Um das anhängige Insolvenzverfahren des Unternehmens nicht weiter zu behindern, stellte es das Verfahren wegen einer geringen Schuld des Täters und fehlenden öffentlichen Interesses an seiner Verfolgung ein.

(bege)