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Wermelskirchen: Besuch in einer anderen Welt

Wermelskirchen : Besuch in einer anderen Welt

Der Kirchenkreis Lennep plant eine Partnerschaft über drei Kontinente.

Pfarrerin Almuth Conrad erzählte interessierten Gemeindemitgliedern von einer Reise ins afrikanische Ruanda im Mai dieses Jahres. Der Kirchenkreis Lennep plant eine Partnerschaft über drei Kontinente hinweg: zwischen Indonesien, Ruanda und Wermelskirchen. Zur Evangelischen Kirche in Nordmitteljava besteht seit Ende der 60er Jahre ein intensiver Kontakt, die Partnerschaft nach Ruanda steht noch am Anfang.

Superintendent Hartmut Demski, Pfarrerin Conrad, Schulreferentin Dagmar Cronjäger, Martin Nikolaus aus Radevormwald und zwei Vertreter aus Indonesien besuchten die Ligeme-Diözese der Anglikanischen Kirche von Ruanda. Das Land hat etwa die Größe von Rheinland-Pfalz und ist mit mehr als zwölf Millionen Einwohnern das am dichtesten besiedelte Land in Afrika. Das "Land der 1000 Hügel" leidet immer noch an dem Genozid von 1994. Beim Völkermord zwischen den Volksgruppen der Hutu und Tutsi starben nach Schätzungen bis zu eine Millionen Menschen. Die großen Massengräber wurden zu Gedenkstätten umgewandelt. "Der Riss geht bis heute durch das Volk", sagt Conrad. "Diese Katastrophe aufzuarbeiten, ist eine bleibende Aufgabe."

Opfer- und Täterfamilien werden nebeneinander angesiedelt. Sie lernen, miteinander zu leben. "Wir haben eine ganz andere Welt erlebt", sagt Conrad. "In Kigeme gibt es keinen Strom und kein Trinkwasser. Die Menschen leben in Hütten oder Häusern unter einfachsten Bedingungen." Erstaunlich ist das, was in einem Lager mit 18 000 Flüchtlingen aus dem Kongo geleistet wird. "Die Menschen werden versorgt, die Kinder erhalten Schulunterricht und werden auf eine Rückkehr vorbereitet. Daran könnten wir uns ein Beispiel nehmen", sagt Conrad. Es gibt ein Krankenhaus und Schulen, Kirchen- und Gemeindehäuser, alles in einfachster Ausführung.

"Geld spielt dort keine Rolle - es ist einfach nicht vorhanden", sagt Conrad. Auch die Position des Pfarrers ist eine andere: Jedem Pfarrer steht eine Kuh zu, die Hälfte der Arbeit besteht in landwirtschaftlichen Tätigkeiten. Es gilt, das Überleben zu sichern. Eine Kuh hat einen hohen Stellenwert. Man sagt: "Du hast schöne Augen - wie eine Kuh."

Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt in Ruanda bei 58 Jahren. "Wir haben gemerkt, dass unsere Art zu leben nicht das Maß der Dinge ist. Und wir sollten unser Leben besser wertschätzen", sagt Pfarrerin Conrad. Im nächsten Jahr erwartet der Kirchenkreis Lennep Gäste aus Ruanda und Indonesien.

(wsb)