Wermelskirchen Behinderte mitten im Leben

Wermelskirchen · Mehr als 3000 Zuschauer aus der Region besuchten gestern in Wermelskirchen im Eifgen-Stadion das Spiel um Platz neun zwischen Polen und Portugal (4:0) bei der Fußball-Weltmeisterschaft der Menschen mit Behinderung.

Mit 4:0 Toren verwiesen die polnischen Fußballspieler gestern im Eifgen-Stadion das Team aus Portugal auf Platz zehn der Rangliste bei der Fußballweltmeisterschaft der Menschen mit Behinderung. Während nach dem Abpfiff jede Menge Kinder zu den Siegern liefen um sich Autogramme geben zu lassen, saßen die dermaßen deutlich Geschlagenen geknickt auf dem grünen Rasen. Und besonders einsam war der Spieler mit der Nummer 11 auf dem Trikot. Doch wer genau hinschaute, konnte eine wahrlich rührende Szene beobachten: Zwei kleine Mädchen liefen mutig mit kleinen Zettelchen in den Händen zu ihm hin und baten auch ihn um Autogramme – und genau das richtete die Nummer 11 wieder auf . . .

„Welcome to Wermelskirchen“ rief Bürgermeister Eric Weik den rund 3000 Zuschauern und Ehrengästen kurz vor dem Anpfiff zu. Und die Mannschaften aus Polen und Portugal begrüßte er sogar in deren jeweiliger Heimatsprache. Diese Kicker waren schon bei ihrem Eintreffen im Stadion kurz nach 13 Uhr mit viel Applaus begrüßt worden. Derweil lief auf der Bühne, die die Bergische Morgenpost zur Verfügung gestellt hatte, ein fast zweistündiges Vorprogramm ab: Die Musikband „Simple Gain“ trat auf, die Tanzgruppe „Flick-Flack“, der Chor der Werkstatt Lebenshilfe. Die Fußballgruppe der Werkstatt Lebenshilfe machte eine Trainingsvorführung. Dazu kam der Chor der Musikschule Wermelskirchen ebenso, wie die Schloss-Spatzen aus Hückeswagen. Mit Applaus bedacht wurde am anderen Spielfeldende auch die Akrobatikvorführung zum Thema Fußball durch die Behinderten der Schule Kuhle. Klar, dass auch der Song der Fußball-WM über die Lautsprecher ging.

Lachen, scherzen, reden

Die Stimmung im Stadion konnte einfach nicht besser sein. Strahlend blauer Himmel, hervorragend gut gelaunte Menschen, die sich allesamt bestens zu verstehen schienen. Überall kleine oder auch größere Gruppen, in denen lebhaft geplaudert, gescherzt, gelacht wurde. Bürgermeister Weik brachte es in seiner Begrüßungsrede auf den Punkt – und erhielt dafür Applaus: „Menschen mit Behinderung gehören einfach mitten in unser Leben.“

Mitten unter den Stadionbesuchern zahlreiche Zuschauer auch aus Hückeswagen und Radevormwald, aus Bergisch Gladbach und Leichlingen die Bürgermeister. Auch der Landrat des Rheinisch-Bergischen Kreises, Rolf Menzel, war gekommen und zeigte sich im BM-Gespräch „tief beeindruckt von der großartigen positiven Stimmung, die sicher viele Berührungsängste auf beiden Seiten abbauen hilft“. Ähnlich äußerten sich auch die stellvertretende Landrätin Ursula Mahler aus dem Oberbergischen Kreis und der rheinisch-bergische Landtagsabgeordnete Rainer Deppe. Mit 360 Kindern, Lehrern und Eltern samt Schulleiter Friedhelm Julius Beucher war die Montanus-Schule Burscheid vertreten, dazu das Gymnasium Wermelskirchen (100) und natürlich die Lebenshilfe Bergisch Land (250). Die Fahnenträger stellte der RSV 09 Hückeswagen, Spieler-Eskorte und Balljungen kamen vom integrativen Kindergarten Wellerbusch, der Schule Kuhle, der katholischen Grundschule St. Michael und der Werkstatt Lebenshilfe.

Applaus für alle

Wie rücksichtsvoll und umsichtig alle miteinander umgingen spiegelte letztlich auch die Verkehrssituation rund ums Eifgen-Stadion wider: „Wir hatten keinerlei Probleme“ sagte Polizei-Einsatzleiter Theo Althoff und meinte: Dass alle – die Sportler, die Menschen mit und ohne Behinderung, die Organisatoren, die Zuschauer, die Verkehrsteilnehmer – für ihr Verhalten einen großen Applaus v erdient hätten . . .

(RP)