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Bayerischer Bluesrock im Eifgen-Biergarten​ in Wermelskirchen

Konzert in Wermelskirchen : Bayerischer Bluesrock im Eifgen-Biergarten

Das Trio „Muddy What?“ aus Nürnberg und München spielte den perfekten Sommer-Soundtrack im Haus Eifgen. Sie sind die Gewinner der German Blues Challenge 2021.

Für viele Menschen gehören zu einem gelungenen Abschluss der Arbeitswoche drei Dinge: gute Atmosphäre, gutes Wetter und gute Musik. Diese drei Faktoren waren am Freitagabend erfüllt. Dass der Biergarten im Haus Eifgen zu den schönsten Örtlichkeiten in Wermelskirchen gehört, steht außer Frage. Auch das Wetter war nach dem Kälte- und Regeneinbruch vom Donnerstag wieder sommerlich-schön und warm - und für die Musik sorgte das Blues-Trio „Muddy What?“ aus Bayern.

Fabian und Ina Spang, beide an der Gitarre, und der Schlagzeuger Michi Lang stiegen in ihren Set mit  Delta-Blues-Klängen ein. Man fühlte sich problemlos in die irgendwie verwunschenen und geheimnisvollen Sümpfe im Mississippi-Delta versetzt, wenn Michi Lang sein minimalistisches Schlagzeug mit Paukenschlegeln bearbeitete, während Ina Spang ihrer Stratocaster-Gitarre kreischende  Wah-Wah-Soli entlockte und Fabian Spang inbrünstig jammernd „Lord Have Mercy On My Soul“ in die Tonabnehmer seiner Steel-Gitarre statt ins Mikro sang. Das Ganze war hypnotisch, mitreißend und absolut perfekt dargeboten.

  • Mit Pianist David Helbock, Trompeter Sebastian
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  • Führen die Genossenschaft: (v.l. vorne) Michael
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Aber das Trio konnte auch „ganz normal“ rocken. Da war der 12-Bar-Blues, der dem klassischen Schema folgte, und von jeder Menge Wucht lebte, die Michi Lang, jetzt mit normalem Schlagzeugstöcken, in sein Spiel legte. Aber genauso von jener Art von Soli, die vom großen und ganz individuellen Leiden Zeugnis ablegten. Jeder Ton, der aus den Gitarrensaiten gekitzelt, gelockt wurde, war ein einziges tongewordenes Sinnbild irgendeines Unbills. Und Ina Spang musste davon ganz offensichtlich schon jede Menge erlebt haben, so wie sie ihre Strat zum Wah-Wah-getränkten Weinen brachte. Der warme Klang ihres Instruments erinnerte dabei oft an einen dreckigen Eric Clapton. Wunderbar, was diese zierliche Frau mit der Löwenmähne aus der Gitarre holte, die in ihren Händen geradezu riesig wirkte. 

Zu hören gab es nicht nur Eigenkompositionen, wie “Spider Legs“ mit seiner düsteren Spinnenphobie-Stimmung und dem wundervollen Solo, sondern auch den einen oder anderen Klassiker aus dem unerschöpflichen Fundus des Blues. Die waren aber absolut eigenständig und bisweilen nur am Text zu erkennen. Wie etwa der eher unbekannte Bob-Dylan-Song „New Pony“ oder der Jimi-Hendrix-Hit „Fire“, den Michi Lang zu einem mehrminütigen Exkurs in Sachen möglichst kreativer und solistischer Schlagzeugbearbeitung machte.

Wer glaubte, ein derart ausgedehntes Schlagzeugsolo sei nur Zeitverschwendung und egoistische Selbstbeweihräucherung des Musikers, wurde von Michi Lang in mehreren Minuten eines Besseren belehrt. Deep Purples Ian Paice, selbst überaus kreativer Trommelsolist, wäre stolz gewesen. Entsprechend laut und begeistert war der Applaus der rund 80 Zuhörer im Konzertgarten.