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Wermelskirchen: Bäckerei baut auf historischem Grund

Wermelskirchen : Bäckerei baut auf historischem Grund

Das 126 Jahre alte Haus Telegrafenstraße 38 soll einem Neubau weichen: Die Landbäckerei Bauer hat das Gebäude erworben und will dort ein großes Café mit Außengastronomie errichten. Der bergische Baustil soll bewahrt werden.

Die Innenstadt von Wermelskirchen verändert ihr Gesicht. Gewohnte bergische Häuser weichen zweckmäßig-modernen Neubauten. Derzeit entsteht gegenüber des neuen Wohnkomplexes, in dem auch die Diakoniestation untergebracht ist, ein neues Wohn- und Geschäftshaus. Der nächste Abriss wird nicht lange auf sich warten lassen: Die Landbäckerei Bauer, einst in Dhünn beheimatet, jetzt aber im Gewerbegebiet Winterhagen-Scheideweg in Hückeswagen angesiedelt, hat das Haus Telegrafenstraße 38 gekauft. Es soll einem Neubau weichen.

Das alte Gebäude (Mitte) wird abgerissen, der Neubau mit bergischer Fassade wird vier Geschosse hoch. Foto: Füllhase

Christian Bauer, der von seinem Vater die Geschäfte übernahm, hat das Gebäude erworben. Es wird Ende 2015 an die Landbäckerei übergeben. Wann Bagger dort anrollen sollen, ließ er im BM-Gespräch offen. Detailpläne gibt es noch nicht. "Ich habe jetzt das Architekturbüro Hilverkus beauftragt, das Objekt zu planen und zu bauen." Einen Bauantrag hat er jedenfalls noch nicht gestellt.

Seine Idee: Er möchte dort einen Neubau errichten mit einem großen Café mit 80 bis 100 Sitzplätzen im Erdgeschoss und vier Obergeschossen, die vermietet werden sollen. Das Konzept steht, die Eröffnung soll nicht vor 2017 erfolgen, verkündete er. Es werde ein Bedien-Café werden, wo es vom Frühstück bis zum Nachmittagskaffee alles geben werde - auch ein kleiner Mittagstisch werde angeboten. Auch eine Außengastronomie sei vorgesehen.

Das Gebäude, das Bauer abreißen will, hat historische Wurzeln: Es wurde 1889 von dem Schuhfabrikanten Adolf Flöring erbaut. Er hatte sich - 22-jährig - in einem kleinen Haus am Markt mit einer kleinen Lederpresserei selbstständig gemacht. Die Firma blühte damals schnell auf, bald stellte er auch, wie andere Wermelskirchener Firmen, Leder- und Lastingschäfte her. Die Räumlichkeiten am Markt wurden ihm schnell zu klein, so dass er 1888 die Parzelle an der Telegrafenstraße von Heinrich Knierim kaufte und dort sein erstes, selbst gebautes Anwesen errichtete, das heute als Telegrafenstraße 38 von Bauer erworben wurde. Aber schon 1897 reichten auch diese Räumlichkeiten nicht mehr aus - und so errichtete er im Ostviertel der Stadt eine neue Fabrik. Dort ist heute der Seniorenpark "Carpe Diem" ansässig.

Dass an der Telegrafenstraße einst als Produktionsstätte gebaut wurde, ist von der Straße eigentlich heute schwer einzusehen. Dabei ist das Grundstück tief - ein zweigeschossiger Gebäudeteil schließt sich Richtung Kölner Straße an.

Die Landbäckerei setzt auf Expansion - sie hat in Wermelskirchen drei Standbeine (Telegrafenpassage, Hauptstraße und Altenberger Straße). Filialen hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren in Hückeswagen, Kürten und Wipperfürth eröffnet. Dort erhalten die Kunden teilweise nicht nur Kaffee und Kuchen, sondern auch einen Mittagstisch. Seit 2006 wird in Hückeswagen produziert.

Mit der Eröffnung des neuen Bauer-Cafés - nicht vor 2017 - wird die Bäckereifiliale in der Telegrafenpassage geschlossen: "Wir verlagern nur unseren Standort", sagte Bauer. Noch in diesem Sommer wird der "Grill am Rathaus" aus dem Gebäudekomplex ausziehen - und auf der gegenüberliegenden Straßenseite nach BM-Informationen ein Restaurant eröffnen.

(RP)