Ausstellung zu Flucht im Bürgerzentrum

Das neue Projekt von Marie-Louise Lichtenberg : Ausstellung zu Flucht im Bürgerzentrum

Marie-Louise Lichtenberg hat in ihren beiden Büchern Fluchtgeschichten gesammelt. Diese spielen nach dem Zweiten Weltkrieg und heute.

Das Thema Flucht ist eines, das Marie-Louise Lichtenberg schon länger begleitet. Vor allem aber sind es die Geschichten hinter jeder einzelnen Flucht, die sie interessieren. 2010 hat sie dieses Interesse in ihr erstes Buch geformt, das den Titel „Zwischen Glück und Grauen. Begegnungen mit Überlebenden der nationalsozialistischen Diktatur“ trägt. Darin erzählt sie die Geschichten von Menschen nach, die als Folge des Zweiten Weltkriegs fliehen mussten. Neun Jahre und die Eindrücke der Flüchtlingswelle ab 2015 später, hat sie ihr zweites Buch, „Ein Gefühl von Zukunft“ betitelt, veröffentlicht. Darin beschreibt sie die Lebens- und Fluchtgeschichten von Menschen, die aus dem Iran, aus Afghanistan oder Syrien fliehen mussten und in Deutschland Zuflucht und bestenfalls eine neue Heimat finden wollten. Unter dem Titel „Flucht früher und heute“ hat die pensionierte Hauptschullehrerin nun eine Ausstellung konzipiert, die ab Anfang Oktober im Bürgerzentrum zu sehen sein wird.

Die Ausstellung will vor allem über das Bild einen Zugang zu den Betrachtern finden. „Ich habe aus beiden Buchprojekten 18 Fotoporträts ausgewählt. Diese sind großformatig zu sehen, dazu gibt es Kurzinformationen über die darauf abgebildeten Menschen“, sagt Marie-Louise Lichtenberg. Ziel ihrer Ausstellung, die auch auf Tour gehen soll, ist es, die Menschen dazu anzuregen, selbst aktiv zu werden und auf geflüchtete Mitmenschen zuzugehen. „Ich werbe für Mitmenschlichkeit, Empathie, Respekt und Achtung“, betont die Buchautorin.

Die Bilder zeigen Menschen, die entweder nach dem Ende des Nationalsozialismus als Geflüchtete aus dem Osten der Welt nach Deutschland kamen, oder die heute wegen Hunger, Gewalt und Krieg fliehen müssten. „Die Fluchtgeschichten sind immer ähnlich, ganz egal, wann sie stattfinden“, sagt Marie-Louise Lichtenberg. Man sei in aller Regel rechtlos, von Heimat und Familie abgeschnitten und würde auf der Flucht nur zu oft geliebte Menschen verlieren. „Und auch in der neuen Heimat sieht es ähnlich aus: Sowohl die Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg als auch jene von heute wurden und werden oft abgelehnt“, sagt Marie-Louise Lichtenberg.

Marie-Louise Lichtenberg in ihrem Atelier. Foto: moll (archiv)

Sie sei davon überzeugt, dass kaum ein Mensch seine Heimat und alles, was damit zusammenhängt, freiwillig verlasse. Daher sei es so wichtig, darauf hinzuweisen, dass trotz einer Flucht ein gelingendes und gutes Leben möglich sein könne. „Ich habe in Limburg an einem Berufskolleg aus meinem ersten Buch gelesen. Im Nachgang hat mich die Lehrerin, die mich eingeladen hatte, angerufen und mir erzählt, dass eine Gruppe Geflüchteter, die Schüler am Berufskolleg sind, zu ihr gekommen sind und ihr unter Tränen dafür gedankt haben, dass sie daran teilnehmen konnten.“ Die alten Geschichten hätten die jungen Menschen an ihre eigenen Geschichten erinnert. Und hätten ihnen Mut gemacht, dass eine Flucht eben nicht das Ende bedeute. Sie hoffe, sagt Marie-Louise Lichtenberg, dass sie so ein wenig das vom ehemaligen Wermelskirchener Bürgermeister Eric Weik geprägte „Gefühl von Zukunft“, das sie als Titel für das neue Buch gewählt hatte, vermitteln könne.

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