Wermelskirchen: Auslese im Gastronachwuchs

Wermelskirchen: Auslese im Gastronachwuchs

"Zu dumm, zu jung" oder "hochqualifiziert und fleißig": Für Hotelier und Gastronomieprüfer Klaus Willumat scheidet sich der Nachwuchs mehr denn je in zwei konträre Lager. Jessica Püttgens gehört ins Vorzeigelager.

Es war schon immer etwas schwerer, qualifizierten und motivierten Nachwuchs in der Gastronomie zu finden, weiß der Wermelskirchener Hotelier, Gesellen- und Meisterprüfer Klaus Willumat. Doch inzwischen verschärfe sich die Situation noch mehr als zuvor: "Es gibt auf der einen Seite Bewerber und Auszubildende, die sind einfach zu dumm und zu jung.

Auf der anderen Seite haben wir aber auch hochqualifizierten und fleißigen Nachwuchs", beschreibt Willumat die beiden weit auseinanderklaffenden Lager.

Preis für Wermelskirchenerin

"Zu dumm" für Küche und Service seien nicht wenige Bewerber, weil sie die notwendige Schulbildung für das Duale System einfach nicht mitbrächten, beobachtet Willumat, der übrigens jetzt als Fachreferent sogar eine Einladung nach Rumänien über dieses Thema erhalten hat. Deshalb stelle er auch möglichst nur noch Auszubildende mit dem Realschulabschluss und auch erst ab dem 18. Lebensjahr ein.

Denn er habe die Erfahrung gemacht: "Die Jüngeren sind noch Kinder, die sind einfach noch nicht ausbildungsreif." Andererseits habe er selbst zur Zeit zwei sehr gute und hochmotivierte Auszubildende und stelle fest: "International sind die Führungskräfte in der Gastronomie inzwischen fast überall Deutsche", weiß Willumat, der jetzt die Jugendmeisterschaften des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Nordrhein-Westfalen in Köln mitorganisierte. Dort gehörte auch die 23-jährige Wermelskirchenerin Jessica Püttgens zu den Preisträgern: "Sie hat ihre Sache ausgezeichnet gemacht. Solchen Nachwuchs brauchen wir", lobt Willumat die angehende Restaurantfachfrau, die in der Gaststätte "Centrale" ausgebildet wird.

Jessica Püttgens hat im Wettbewerb einen dritten Preis geholt und darf nun zur Belohnung eine Mehrtages-Fahrt zu zweit nach Berlin unternehmen. Vor kritischer Jury des Dehoga musste sie einen Tisch für zehn Personen eindecken, Cocktails auf Bestellung mixen und servieren, sogar vor gestrengen Prüferblicken fachgerecht und elegant eine Poularde tranchieren und Crepes flambieren: "Das sind Aufgaben, die kommen normalerweise im Alltagsgeschäft nicht vor. Aber es hat alles gut geklappt", freut sich die junge Frau, die im Mai ihre schriftliche Abschlussprüfung vor sich und bereits eine Übernahmeerklärung ihrer Ausbilder Dirk und Mona Götz für die "Centrale" in petto hat.

Den Traumberuf gefunden

"Was ich da mache, das ist mein Traumberuf", sagt Jessica Püttgens. Sie sei ein Mensch, der action und Stress brauche: "Ich könnte nicht den ganzen Tag im Büro sitzen", weiß sie. Außerdem brauche sie den Umgang mit Menschen: "Davon hab' ich in meinem Beruf jeden Tag genug, und es macht mir richtig Spaß", freut sie sich, auch wenn sie zugibt: "Einfach ist's nicht in der Gastronomie, mein Freundeskreis ist wegen der Arbeitszeiten kleiner geworden." Aber beruflich sei sie voll durchgestartet und freue sich, auf ihrer guten Ausbildung nun aufbauen zu können.

(RP)