Wermelskirchen: Antidepressionsmusik mit Nasenflöte und Schokolade

Wermelskirchen: Antidepressionsmusik mit Nasenflöte und Schokolade

Humor tut Not. Diesem Motto haben sich Pasquale Aleardi und die Phonauten verschrieben. Sie machen nach eigenem Bekunden Antidepressionsmusik. Mehr noch. Sie veranstalteten in der Katt einen Antidepressions-Abend in Ton und Wort. Äußerst unterhaltsam, humorig bis witzig, verziert mit hintersinnigem Geblödel. Das Terzett - Pasquale "Paco" Aleardi (Gesang, Melodica, Nasenflöte), Jörg "Spike" Hamers (Gesang, Bass, Gitarre, Bassdrum) und Marc "Mary" Leymann (Gesang, Gitarre, Melodica, Querflöte) - hatte keine Scheu vor dem Publikum. Paco wagte sich ins Publikum und ließ auch bei einer Besucherin nicht locker, die mit einem drastischen "Nein" ihren Namen nicht verraten wollte. Die drei bezogen in ihren handgefertigten Liedern die Leute mit ein, reagierten auf Zurufe und verteilten Nasenflöten ("damit ist man schlagartig glücklich, wenn's klappt") und Schweizer Schokolade (Aleardi ist gebürtiger Schweizer mit italo-griechischen Wurzeln).

Ihre Themen: gut beobachtetes Zwischenmenschliches von satirisch bis nachdenklich. Ihre Musik: von fetzig-funky bis schnulzig-melodiös, abwechslungsreich kreativ und stets mit einem Lächeln im Gesicht ans Publikum gebracht. Sie nahmen sich selbst auf die Schippe und gaben sich gegenseitig Kontra: Spike frönt jeden Morgen seiner "Resthaar-Optimierung", Pacos Haupt erinnert Mary an einen Pferdekopf, genannt "Black Beauty", und Pasquale - ganz der Schauspieler - antwortete mitten aus dem Publikum mit einer Kinski-Schrei-Attacke.

Für Marc Leymann war es ein Heimspiel. Er ist gebürtiger Wermelskirchener und genoss sichtlich den Zuspruch seiner heimischen Fans. Er erzählte süffisant von seiner ersten großen, sommersprossigen Liebe als Dreizehnjähriger, sang danach das wunderschöne Liebeslied "Ich fand dich einfach toll" und schickte ein melodiöses Harmonica-Solo auf die Reise in den Saal. Aber das Trio konnte es auch krachen lassen.

"Why did you do it" ging als waschechter Funk den Leuten in die Beine. Spike hämmerte in Slaptechnik (mit dem Daumen) auf seinen Bass und Mary ließ messerscharfe Funk-Akkorde vom Stapel. Pacos Gesang übertraf sich nur noch bei der Hymne für den Soulsänger James Brown: "Nicht alles braun ist so geil wie James".

Das Publikum ging mit. Bemerkenswert, saßen Mary, Paco und Spike doch größtenteils auf ihren Barhockern. Eine spekulative Show war nicht nötig, sie waren stets präsent. Sie boten echte Unterhaltung: ausgelassen, erstklassig, fulminant. Für Depressionen blieb an diesem Abend kein Platz.

(RP)