Wermelskirchen Anlieger wollen Entscheidung

Wermelskirchen · Der Beschluss des Abwasserbetriebes für den Kanalausbau in der Berufsschulstraße wurde bis 7. November "eingefroren". Anwohner sind verärgert über das Hinhalten zum Straßenausbau der "Umgehungsstraße".

 Die Berufsschulstraße zur Mittagszeit: Schüler und Lehrer des Berufskollegs und des Gymnasiums parken auf dem Gehweg. Und trotz der Enge ist die Straße längst zur Haupterschließungsstraße geworden.

Die Berufsschulstraße zur Mittagszeit: Schüler und Lehrer des Berufskollegs und des Gymnasiums parken auf dem Gehweg. Und trotz der Enge ist die Straße längst zur Haupterschließungsstraße geworden.

Foto: Hans Dörner

An der Berufsschulstraße ist die Stimmung schlecht. Seit über einem Jahr wird den Anliegern mitgeteilt, dass in diesem Sommer eigentlich Kanal und Straße ausgebaut werden sollten. Inzwischen gibt es weder einen Termin noch eine Entscheidung, was passiert. "Wir werden als Anlieger einfach hingehalten. Auskünfte über Kosten erhalten wir sowieso nicht. Wir werden vertröstet", sagt enttäuscht Anliegerin Martina Ries.

Der Komplettausbau-Beginn war für Sommer 2011 vorgesehen. Doch mit dem Gewerbesteuer-Einbruch von neun Millionen Euro für 2011 stellte die Stadt den Straßenausbau zurück, um insgesamt 580 000 Euro als Anlieger zu sparen. Die Beschlussvorlage wurde nun in einer Sondersitzung zurückgezogen — weil es neue Ideen gibt, aber auch, weil's nach Darstellung der Stadt nicht eilt..

Davon unberührt bleibt der Beschluss des Städtischen Abwasserbetriebs zum Kanalbau: Der hat weiterhin Bestand. Die Ausschreibung wurde aber gestoppt, bis ein "sinnvoller gemeinsamer Weg gefunden wird", der auch Sinn mache, so gestern der Technische Beigeordnete Dr. André Prusa. Anlass war der Vorschlag des Bürgerforums, nur eine Fahrbahndecke aufzuziehen — ohne abgegrenzte Bereiche wie Gehweg oder Parkflächen.

Dr. Prusa geht davon aus, dass der Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr am 7. November in öffentlicher Sitzung über die Straßenausbau-Varianten — Komplettausbau, Verschiebung des Straßenausbaus, Überzug mit Fahrbahndecke — entscheiden werde. Danach habe man Gewissheit und werde mit der Ausschreibung beginnen. Kanal-Baubeginn wird frühestens 2012 sein.

Verärgert sind viele Anlieger des nördlichen Teilstücks zwischen Kattwinkel- und Stockhauser Straße nicht nur über den Umgang, sondern vor allem über die Tatsache, dass die Stadt dieses sanierungsbedürftige Straßenstück nur als Anliegerstraße sieht — und damit als Öffentliche Hand weniger zahlen müsste. "Das ist doch längst eine Umgehungsstraße", sagt Ries.

Schwerlastverkehr rollt

Nachbarin Heike Laser beobachtet sogar Schwerlastverkehr, der den Kaufpark beliefert. Und Schulbusse sowieso. "Das Verkehrsaufkommen ist nicht mehr tragbar", beschwert sie sich. Zudem würde zu schnell gefahren. Lasers wollen eigentlich verkaufen, Interessenten sind aber inzwischen abgesprungen nach dem öffentlichen Hickhack. "Wir müssen wissen, was finanziell auf uns zukommt. Das kann man doch verlangen."

Auch Elisabeth Hulverscheidt schimpft: "Die Stadt hat ein ganzes Jahr Zeit gehabt. Wir haben schon auf unseren Sommerurlaub verzichtet, weil sonst niemand zu Hause gewesen wäre." Sie selbst hätten schon Parkplätze auf eigenem Grundstück angelegt, weil für Besucher kein Platz vorhanden sei. "Die Straße muss dringend gemacht werden. Aber Parkbuchten müssen nicht sein. Wir wollen auch nicht in zehn Jahren wieder eine Baustelle vor der Tür haben und dann wieder zur Kasse gebeten werden."

Zweimal eine Baustelle?

Es sei Schwachsinn, zweimal die Straße aufzureißen, meint Monika Klophaus, und Ehemann Kersten ergänzt: Die Fahrbahn müsse dringend erneuert werden. "Die Berufsschulstraße ist längst eine Hauptdurchgangsstraße. Auch wenn es die Stadt nicht wahrhaben will."

Natürlich sehe man als Anlieger auf die Kosten und favorisiere eine preiswerte Lösung, sagt Klophaus. "Die Stadt darf aber nicht in zehn Jahren wieder ankommen, wenn die Büfo-Lösung eine Mehrheit findet, und Geld von uns verlangen."

Frage des Tages

Bisherige Berichterstattung unter www.rp-online.de/wermelskirchen

(RP)
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