Am häufigsten landen beim Wermelskirchener Fundbüro Handys, Brillen und Schlüssel.

Das Fundbüro im Bürgerbüro in Wermelsmkirchen : Fundbüro schickt Ring zurück in den Norden

Bei der Stadt ist das Fundbüro im Bürgerbüro angesiedelt. Häufigste Fundsachen sind Schlüssel, Handys und Brillen.

Ob es der Verlobungsring oder ein Familien-Erbstück ist, weiß Frank Hermes nicht genau. An die Geschichte des in Wermelskirchen gefundenen und bei der Stadt abgegebenen Schmuckstücks kann sich der Sachgebietsleiter des Standesamts und Bürgerbüros, an das das Fundbüro angesiedelt ist, jedoch gut erinnern. Denn die kurze Wermelskirchener Episode der Geschichte des Rings, ist ein Kapitel, dass beim Fundbüro selten vorkommt: „Der Eigentümer verlor den Ring in Wermelskirchen auf der Durchreise. Er stammte aus Schleswig-Holstein und war, als er sich bei uns meldete, längst wieder daheim.“

Via Telefon und E-Mail habe der Eigentümer glaubhaft versichern können, dass ihm der Ring tatsächlich gehört: „Extra nach Wermelskirchen fahren wollte der natürlich ungern.“ Häufiger sind im Fundbüro deutlich weniger erinnerungswürdige Fälle, wie Frank Hermes berichtet: Regelmäßig abgegebene Fundstücke seien Brillen, Schlüssel oder Handys – letztere meist im weniger guten Zustand.

„Die Geschichte des Rings endete unkompliziert. Nachdem klar war, dass der Schleswig-Holsteiner der tatsächliche Eigentümer ist und er zugesagt hatte, die Kosten für Schätzung und Versand zu tragen, haben wir ihm den Ring geschickt – per Einschreiben mit Rückschein“, erzählt Frank Hermes. Die Kosten für die Schätzung des Werts habe der Besitzer bereitwillig getragen: „Wir müssen rechtlich einen Wert ermitteln. Bei Schmuck können wir das nicht selber machen und gehen zu einem Juwelier. Im Fall des Rings war das obendrein wichtig, um den Versand entsprechend zu versichern.“

Die gängigsten Fundstücke, mit denen das Fundbüro zu tun hat, sind Brillen, Handys oder Schlüssel. „Die Handys lagen oft länger irgendwo herum, sind nass geworden oder heruntergefallen“, beschreibt Frank Hermes. Meldet sich jemand, glaubt sein Handy zu erkennen und will es wieder haben, greift das Fundbüro zur naheliegensten Variante, um die Eigentumsverhältnisse zu klären. Das Gerät wird an ein Ladekabel angeschlossen und der Abholer muss die Pin eingeben. „Und bei Autoschlüsseln prüfen wir, ob der Abholer sein Fahrzeug denn damit öffnen kann“, sagt der 58-Jährige.

Schlüssel hat das Fundbüro zur Zeit einige, alleine in einer der „Monats-Schubladen“ befinden sich sieben Schlüssel oder -bünde. Darunter auch ein Infrarot-Pkw-Schlüssel, dessen Neubeschaffung beim Fahrzeughersteller schnell mit mehreren Hundert Euro zu Buche schlägt. „Schlüssel, die nicht an den Eigentümer zurückgegeben werden können, lassen wir einschmelzen“, betont Frank Hermes.

Rechtlich ist die Stadtverwaltung Wermelskirchen verpflichtet, Fundstücke sechs Monate aufzubewahren. „Das ist selbst bei einem Rucksack mit verschwitzt müffelnden Sportklamotten so“, stellt Frank Hermes mit einem Lachen fest. Deshalb gibt es im Bürgerbüro von besagte „Monats-Schubladen“ auch sechs an der Zahl. Darin werden monatsweise die gefundenen Kleinteile eingelagert.

Alle Fundstücke erfassen die Bürgerbüro-Mitarbeiter in einer Datenbank. Fahrräder, zur Zeit sind es sechs, „parkt“ das Fundbüro im Keller des Rathauses. Die meisten Drahtesel, die im Fundbüro ankommen, seien nicht hochwertig, aber noch nutzbar. „Werden die nicht abgeholt, geben wir die nach Ablauf der Halb-Jahres-Frist an die Fahrradwerkstatt. Die Ehrenamtler bringen sie in Schuss und über die Tafel werden sie an Bedürftige weitergegeben“, erklärt Frank Hermes. Wertigere Fahrräder verkauft die Stadt im Internet. Kleine Fundstücke wie aktuell eine Herrenarmbanduhr oder eine Mädchen-Kinderkette liegen im Bürgerzentrum-Foyer in einer Vitrine zum Verkauf aus – für fünf bzw. drei Euro.

Tauchten Papiere wie Ausweise im Fundbüro auf, sei die Ermittlung der Inhaber wegen der Personalien in der Regel möglich. „Bei Bedarf mit Amtshilfe anderer Verwaltungen, wenn der Eigentümer nicht aus Wermelskirchen stammt“, sagt Hermes. Hat der Eigentümer zwischenzeitlich neue Papiere erhalten, werden die alten vernichtet.

„Hochkonjunktur“ habe das Fundbüro nach dem Rosenmontagszug in Dabringhausen und nach der anstehenden Herbstkirmes mit Krammarkt in der Innenstadt, bestätigt Frank Hermes eine naheliegende Vermutung: „Dann wird mehr gefunden und abgegeben als sonst.“  Nach der jüngsten „Putzmunter“-Müllsammel-Aktion seien sogar sechs modrige, an unterschiedlichen Stellen gefundene Ausweise aufgetaucht: „Die haben wir vernichtet, weil die nicht mehr nutzbar waren.“

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