Wermelskirchen: Alte Mühle mit junger Chefin

Wermelskirchen : Alte Mühle mit junger Chefin

Die erst 21-jährige Wiebke Büngen wird Pächterin des Restaurants Neuemühle. Sie hat Köchin gelernt und ihr Fachabitur an der Höheren Handelsschule gemacht. Schon als Kind wollte sie die Mühle ihres Vaters übernehmen.

Wiebke Büngen ist zwar erst 21 Jahre jung, aber sie weiß schon lange, was sie will. Mit zehn Jahren hat die Tochter des Besitzers der Neuemühle angefangen, leidenschaftlich gerne zu backen und zu kochen. Mit 14 Jahren wusste sie als Realschülerin schon, dass sie die Mühle, das Restaurant, später einmal übernehmen will.

Und zielgerichtet ging sie zur Höheren Handelsschule, lernte Buchführung und alles, was man für einen wirtschaftlich geführten Gastronomiebetrieb so braucht. Das Sahnehäubchen nach dem Fachabitur war dann noch ihre Koch- und Serviceausbildung in Maria in der Aue.

Immer wieder neue Pächter

Und nun ist es soweit: Wiebke übernimmt die Neuemühle ab 1. Oktober. Ihren ersten Pachtvertrag mit Vater Stephan Büngen unterzeichnet die junge, zielbewusste Frau gleich für zehn Jahre: "Ich habe darauf hingearbeitet, die Mühle ist mein Leben", sagt Wiebke. Vater Stephan ist stolz und froh, dass seine Tochter mit 21 Jahren schon so viel Courage hat: "Sie hat alles alleine gemacht, das Konzept entwickelt, den Liquiditätsplan für die Bank erstellt, eben alles, was man als Existenzgründer so tun muss", lobt Stephan Büngen seine Tochter.

Doch es bleibt nicht bei dem Lob alleine: Die gesamte Familie packt auch fleißig mit an. Mutter Barbara und die 14-jährige Schwester Maike helfen ebenso wie der Vater jetzt beim unverhofft frühen Betriebsstart. Denn trotz aller Vorplanung kam der unerwartet frühe Übernahmetermin jetzt doch für alle überraschend. Eigentlich habe der Vorpächter noch einen Vertrag bis Ende 2012 gehabt. Aber er sei wohl nicht so zurechtgekommen, meint Büngen, der in den 18 Jahren, die er mit seiner Familie in der Neuemühle lebt, schon vier Pächterwechsel verkraften musste. "Doch jetzt zieht Kontinuität ein!", vertraut er seiner Tochter.

Wiebke wird es sich in der ehemaligen Pächterwohnung über dem Lokal gemütlich machen. Doch viel Freizeit wird ihr nicht bleiben. Zwei erfahrene Küchenfrauen werden ihr zur Seite stehen, dazu wird sie nach Bedarf Honorarkräfte beschäftigen. Sie wird zunächst im Service präsent sein, aber auch in der Küche einspringen. "Wir bieten ländliche Gerichte zu familienfreundlichen Preisen", kündigt sie an. Kartoffelspezialitäten, Fleischgerichte, einmal im Monat selbst geräucherte Forellen werden u.a. auf der Speisekarte stehen.

"Und wir wollen den alten Ofen restaurieren, denn in der Mühle gab es auch mal eine Bäckerei. Dann backen wir jeden Sonntag für die Ausflügler echtes Mühlenbrot", verspricht Stephan Büngen. Das historische Ambiente der 1826 erbauten Mühle will Wiebke erhalten und endlich auch wieder den Mühlenkeller für den Restaurantbetrieb öffnen. 80 bis 90 Plätze gibt es im Inneren des Restaurants, dazu noch mal 64 Stühle auf der Terrasse.

Ein Koch wäre willkommen

Angst vor Stress und wenig Freizeit hat die 21-Jährige nicht: "Ich arbeite gerne unter Stress, ich mag den Nervenkitzel. Und Freizeit? Das ist doch hier mein Zuhause", strahlt sie. Einen Freund, der sie von ihrer Existenzgründung ablenken könnte, gebe es übrigens nicht. "Und wenn, dann hätte ich gerne einen Koch", verrät Wiebke und errötet dabei ein wenig.

(RP/rl)
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