Interview mit Tanzcorps Rut-Wiess Dabringhausen: "Als Funkenmariechen kann man die Liebe zum Karneval ausleben"

Interview mit Tanzcorps Rut-Wiess Dabringhausen: "Als Funkenmariechen kann man die Liebe zum Karneval ausleben"

Die Session ist auf ihrem Höhepunkt angekommen: Heute ist Rosenmontag. Drei junge Frauen des Tanzcorps Rut-Wiess Dabringhausen sprechen im Interview mit ihrer Trainerin Katharina Klaar über ihr Hobby, das Training und warum es nur wenige Männer im Team gibt.

Was ist das Besondere daran, ein Funkenmariechen zu sein?

Verena Wagner Das Besondere daran ist für mich, dass man in der Tanzgruppe gemeinsamen feiert, egal ob mit Jung oder Alt. Als Funkenmariechen kann man die Liebe zum Karneval ausleben. Und wir können in den Augen der Zuschauer ein Funkeln entstehen lassen. Und das steckt gegenseitig an.

Lynn Klaar Die Gemeinschaft, die über Jahre hält. Ich tanze ja schon seit 2001, also seit ich drei Jahre alt bin. Es ist auch toll, dass man über ein ganzes Jahr an dem Tanz arbeitet, den man dann in der Session präsentieren kann. Es ist anstrengend, aber es macht viel Spaß.

Isabel Hemme Ich finde auch die Gemeinschaft so wichtig. Und es ist schon etwas Anderes, wenn man aktiv am Karneval mitgestaltet, als nur am Zug zu stehen und Kamelle zu rufen. Das hat mich früher tatsächlich am Karneval ein wenig gestört. Der Zusammenhalt in der Gruppe ist auch ganz wichtig und schön - wie übrigens im ganzen Dorf, was man auch bei der großen Veranstaltung "Wir unter uns" in der Mehrzweckhalle am Karnevalssamstag merkt. Da helfen alle mit.

Katharina Klaar Ohne die Vereine würde diese Veranstaltung tatsächlich nicht funktionieren. Das Motto stimmt zu hundert Prozent: "Wir unter uns" - das ganze mehrstündige Programm wird von Leuten aus dem Dorf gestemmt.

Frau Wagner, wie kam es dazu, mit 28 Jahren Funkenmariechen zu werden?

Wagner Isabel hat mich animiert. Wir sind schon länger befreundet und sie meinte, ich würde gut dazu passen. Am letzten Rosenmontag habe ich dann Katharina kennengelernt, was mich zusätzlich überzeugt hat. Und außerdem liegt mir Bewegung zur Musik einfach, so dass ich zum Probetraining von Rut-Wiess gegangen bin.

Wie oft müsst ihr trainieren?

Hemme Kurz vor der Session trainieren wir zweimal pro Woche, manchmal auch noch ein drittes Mal. Ansonsten treffen wir uns jede Woche dienstags zum Training.

Katharina Klaar Ich bin dafür, nach der Session drei oder vier Wochen Pause einzulegen, davon wollen die Mädels aber nichts wissen: "Wir wollen wieder trainieren", heißt es dann bald.

Ist das Training eigentlich anstrengend?

Wagner Je näher die Session rückt, desto anstrengender wird es tatsächlich. Und wenn wir uns nach Karneval nach einigen Wochen wieder treffen, geht es erst langsam wieder los. Da werden dann die alten Tänze noch einmal durchgetanzt, bis es an die neuen Tänze geht. Je weiter das Jahr dann voranschreitet, umso mehr Arbeit ist es. Die Choreographie muss auf die Lieder abgestimmt werden. Und nicht zuletzt packt einen dann der Ehrgeiz, es richtig gut werden zu lassen.

Gibt es etwas beim Gardetanz, das besonders schwer ist?

Lynn Klaar Die Hebefiguren. Wir haben vier Männer, die als Hebemariechen mit uns Mädels diese Hebefiguren machen. Gerade kürzlich ist ein neues Hebemariechen dazugekommen, das mussten wir natürlich einlernen. Zusätzlich zum Tanztraining gibt es auch Hebetraining. Wir haben ja auch keinen professionellen Trainer, meine Mutter macht das ehrenamtlich.

Katharina Klaar Wir haben uns schon mal einen Profiheber aus Köln kommen lassen, der uns das Heben richtig gezeigt hat. Vor ein paar Jahren hat der Trainer der Grunewalder Tanzgarde uns angeboten, uns das Heben zu zeigen, nachdem er gesehen hat, dass wir damals eben noch ein paar Fehler machten. Das war schön, dass die Kollegen uns da geholfen haben.

Ist es eigentlich schwer, in der Uniform zu tanzen?

Wagner Es ist irgendwie sogar noch motivierender, wenn man das ganze Kostüm trägt. Denn dann ist man das komplette Funkenmariechen.

Lynn Klaar Der größte Unterschied zum Training sind eigentlich die Stiefel mit den hohen Absätzen. Das ist mit den Stiefeln schon schwieriger als in Turnschuhen. Wir trainieren in der Regel ohne Stiefel, manchmal vor der Session auch mit Stiefeln.

Warum gibt es vergleichsweise selten Tanzoffiziere?

Wagner Ich glaube, weil Tanz kein üblicher Männersport ist. Dabei denkt man doch eher ans Fitness-Studio, Basketball oder Fußball. Im Tanz gibt es grundsätzlich wenige Männer. Wobei es ja schon ein enormer Kraftaufwand ist, den die Jungs da leisten müssen: Mal eben eine junge Frau von 50 oder 60 Kilo Gewicht von unten nach oben zu stemmen und zu halten - das ist nicht ohne!

Hemme Die meisten Jungs kommen auch über persönliche Kontakte, werden von Funkenmariechen angesprochen. Von außen kommen eigentlich nie Jungs zu uns. Am besten sollten Interessierte einfach vorbeikommen und sich unser Training ansehen.

Lynn Klaar Vielleicht schreckt eine so große Mädelstruppe die Jungs aber auch einfach ab...

Worauf freut Ihr Euch im Karneval am meisten?

Wagner Rosenmontag natürlich, aber auch die Veranstaltung "Wir unter uns". Das sind unsere zwei Highlights in der Session.

Wie oft und wo tretet Ihr in einer typischen Session auf?

Katharina Klaar Das kommt drauf an, ob wir oft mit dem Dreigestirn unterwegs sind. Im vergangenen Jahr haben wir etwa den Lützenkirchener Prinz begleitet, da waren es schon rund 20 Auftritte. Wir treten auch beim Behindertenkarneval auf, was immer eine sehr rührende Veranstaltung ist. Ansonsten sind wir hier in der Umgebung präsent, manchmal ergeben sich eben mehr Auftritte - durch Kontakt mit anderen Vereinen. In dieser Session sind wir in der Polizeischule und beim Landtag gewesen, weil das Dreigestirn uns gerne dabei haben möchte.

Bleibt dann eigentlich noch Zeit für andere Hobbys?

Wagner Man muss sich gut organisieren. Gerade wenn man wie ich mitten im Arbeitsleben steckt und eine 40-Stunden-Woche hat. Aber die Gruppe trägt einen da durch, und wenn man dann auf dem Weg zum Auftritt ist, dann hat man den Tagesstress schnell vergessen.

Lynn Klaar Ich freue mich bei der Arbeit immer aufs Training und die Auftritte. Denn da kann ich gut Dampf ablassen, und es macht einfach Spaß.

Schaut Ihr Euch die Kolleginnen in Köln und Düsseldorf am Fernsehen an?

Wagner Ja, sehr gerne. Man kann da ja nur profitieren, wenn man sich von den Profis etwas abguckt. Wir sind da sehr offen und eignen uns gerne Tipps, Tricks oder Schritte an.

Lynn Klaar Wir kennen auch einen Tänzer aus Leverkusen, der früher hier im Dorf wohnte und uns wertvolle Tipps gegeben hat.

WOLFGANG WEITZDÖRFER FÜHRTE DAS INTERVIEW

(wow)