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Aggressive Rockröhre mit roter Blume im Haar

Jaana Redflower mit Band im Haus Eifgen : Aggressive Rockröhre mit roter Blume im Haar

Nicht nur der Name war ungewöhnlich. Auch Bandsound und Outfit des Wittener Trios „Jaana Redflower“, das am Mittwochabend die erste Blues-Session des neuen Jahres im Haus Eifgen eröffnete, hatte es definitiv in sich.

Jennifer Klawitter, die als namensgebenden Jaana Redflower mit roter Blume im blonden Haar und der Gitarre in der Hand die Bühne betrat, und ihre beiden Jungs, Adrian Klawitter am Schlagzeug und Bernd Juchems am Bass, waren in ihren Steam-Punk-Klamotten nebst Schweißerbrille und Zylinderhut auf jeden Fall echte Hingucker. Und auch musikalisch war das Spektakel auf der Bühne kein gewöhnlicher Bluesrock, ganz im Gegenteil. Es schrammelte und knarzte ganz außerordentlich und bisweilen leicht dissonant, wenn Jennifer Klawitter etwa in „Vines Of Soldiers“ ein sattes Doomriff anspielte, das Bands wie „Alice In Chains“ zu allen Ehren gereicht hätte. Dazu röhrte die ansonsten zuckersüß lächelnde Blondine wie ein brünftiger Hirsch ins Mikrophon, was einen durchaus interessanten Kontrast zu sonstigen Session-Openern darstellte. Den rund 30 Besuchern gefiel es indes sehr gut, wenn zum Rockröhrengesang von Songs wie „All Hell Breaks Loose“ Juchems den Bass so wuchtig ans Dröhnen brachte, dass es einem den Magen ordentlich durcheinanderwirbelte, und Adrian Klawitter mit enormer Energie auf sein kleines Schlagzeug eindrosch, dass man sich direkt Sorgen um seine Drumsticks machte. Die Vorbilder von „Jaana Redflower“ waren definitiv eher die düsteren und härteren Rock-Bands wie „Blue Cheer“, „The Devil‘s Blood“ oder auch orgellose „Atomic Rooster“. Auch thematisch ging es nicht um Bienchen, Blümchen oder Sonnenschein, wie etwa beim so simplen wie hervorragenden Groove-Monster „The Evil One“ deutlich wurde. Der Song hätte sich auch hervorragend auf einem Konzert der genannten Bands gemacht. Vor allem das kurze, aber sehr effektive Gitarrensolo wusste zu begeistern, während man immer mehr Bewunderung für den aggressiven Gesangsstil der Sängerin entwickelte, der doch gar nicht so recht zu den geradezu niedlichen Ansagen der jungen Frau passen wollte. Nachdem man sich von der ersten Überraschung dieses doch ungewöhnlich ausgewählten, weil musikalisch anderen und vergleichsweise harten Openers erholt hatte, machten Songs, wie das eingängige „Black Shadows“, der nagelneue Song „Blink And Die“ oder der schwerfällige Groover „Shoot Me Down Again“ richtig viel Spaß. Nicht zuletzt auch deswegen, weil das Trio bisweilen charmant unperfekt agierte. Etwa mit leichten Timingschwankungen oder auch einer hartnäckigen Brummschleife aufgrund eines defekten Gitarrenkabels, was kurzerhand launig als „Spülmaschine“ bezeichnet wurde. Dafür entschädigte das Trio mit klasse und engagiert dargebotenen Songs wie „Out Of Control“. Schön, dass als Session-Opener auch einmal etwas abseitiger musizierende Acts eingeladen wurden. Das musste wohl dieser berühmte Blick über den Tellerrand sein.