Wermelskirchen: AfD-Ergebnis entsetzt Lokalpolitik

Wermelskirchen : AfD-Ergebnis entsetzt Lokalpolitik

Als "absolut richtig" bezeichnete gestern Abend der Fraktionsvorsitzende der SPD im Stadtrat, Jochen Bilstein, die Entscheidung seiner Partei, im künftigen Bundestag in die Opposition zu gehen und sich nicht an einer möglichen Fortsetzung der Großen Koalition zu beteiligen. "Wir sind jetzt stärkste Oppositionsfraktion im Bundestag. Das brauchen wir, um uns zu erneuern und klare Kante gegen die AfD zu zeigen, die eine rechtsradikale und nationalistische Partei ist", betonte Bilstein.

Von Erneuerung sprach auch der CDU-Stadtverbands- und Fraktionsvorsitzende Christian Klicki: "Die CDU muss sich auf Bundesebene erneuern. Ich persönlich denke, dass nun die letzte Amtszeit von Bundeskanzlerin Merkel beginnt." Aus kommunaler Sicht müssten alle Christdemokraten genau hingucken und sicherstellen, dass die Basis in diesen Prozess auf bundespolitischer Parteiebene mit einbezogen würde. Klicki: "Wir haben unser Ziel erreicht, die künftige Regierung anzuführen. Wir müssen jedoch aufpassen, dass diese Entwicklung nicht weiter nach unten führt." Das Ergebnis der AfD sei erschreckend. Für Christian Klicki steht fest, dass nun eine "Jamaika"-Koalition die Regierung stellen müsse - dazu müssten sich FDP und Grüne einen "Ruck geben".

Für Letztgenannte zeigte sich Stefan Janosi, Sprecher der Stadtratsfraktion der Grünen, "sehr positiv überrascht" über das Abschneiden seiner Partei, die wider aller Vorhersagen ihr Ergebnis von vor vier Jahren nicht verschlechterte: "Damit habe ich nicht gerechnet." Ihm tue für die SPD deren Ergebnis leid. "Es entsetzt mich, dass Rechtsradikale in den Bundestag einziehen", kommentierte Janosi, der kein Freund einer Jamaika-Regierung ist, aber eine Zwangsläufigkeit sieht, um "Anderes zu verhindern". Er sehe ein Problem nicht bei der FDP generell, sondern in der Person ihres Spitzenmanns: "Christian Lindner benutzt Liberalität als Feigenblatt für Marktradikalität." Für die Liberalen in Wermelskirchen sprach der FDP-Ortsverbandsvorsitzende Patrick Engels von einer "zweischneidigen" Sicht auf den neuen Bundestag: "Wir liegen bei gut über zehn Prozent und sind eingezogen." Die Enttäuschung über die vielen Stimmen für die AfD wiege jedoch schwer: "Eine Jamaika-Koalition macht jetzt Sinn, um die AfD mit Argumenten aus den Angeln zu heben." Dabei werde die FDP bestimmt nicht ihre Inhalte verraten, um in eine Koalition einzutreten.

"Das Ergebnis ist gut so, wir wurden bestätigt", wertete Karl Springer (AfD) den Wahlausgang. Klar sei jetzt, dass die etablierten Parteien nicht weitermachen könnten wie sie es bisher gemacht hätten.

(sng)
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