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Ärger mit dem TÜV: Fahrschulen in Wermelskirchen warten auf Prüfungen

Ärger mit dem TÜV : Fahrschüler warten auf Prüfungen

Für die Fahrschulen hart das große Folgen, da Fahrstunden ausfallen oder aufgeschoben werden müssen. Die Lage ist heikel. Es geht um die Existenzen der Betriebe, sagt der Fahrlehrerverband Nordrhein.

Bei der Durchführung von Führerscheinprüfungen kommt es momentan zu erheblichen Engpässen. Das bestätigt der TÜV Rheinland. „Nach der wochenlangen Pause bei der Durchführung der Prüfungen in Folge der Corona-Pandemie wollen zahlreiche Fahrschülerinnen und Fahrschüler endlich ihre Prüfungen ablegen“, gibt der Prüfdienstleister an.

In der Fahrschule von Jörg Hinterholzer an der Oberen Remscheider Straße ist das deutlich zu spüren. Seine Prüflinge müssen für die praktische Prüfung sechs bis acht Wochen warten. „Das ist nicht gut, weil es in dieser Zeit wenig Sinn macht, Fahrstunden zu nehmen“, sagt der Fahrlehrer. Deshalb nähmen seine Prüflinge erst dann wieder Fahrstunden, wenn wenn ein Prüfungstermin feststehe. Auch die theoretischen Prüfungen laufen derzeit nicht regulär ab. Führerscheinanwärter müssen wegen der Pandemie vorab online einen Termin machen. Auf diesen warten sie laut Hinterholzer derzeit vier bis sechs Wochen.

Über die Gründe dafür kann Hinterholzer nur mutmaßen. An den Schutzmaßnahmen aufgrund des Coronavirus liege es aber nicht, sagt er. Schließlich sei man im Auto von der Abstandsregelung befreit. Stattdessen vermutet der Fahrlehrer, dass es beim TÜV Prüfer gebe, die zur Risikogruppe gehören und deshalb keine praktische Fahrprüfung abnehmen können – oder wollen.

Der Engpass an Terminen könnte aber auch daher rühren, dass viele Prüflinge in der Vergangenheit durchgefallen sind und deshalb eine Wiederholungsprüfung brauchen. „Dieses Problem hatten wir im letzten Jahr schon mal“, sagt Hinterholzer. Der Fahrlehrerverband Nordrhein geht indes davon aus, dass der TÜV zu wenig Personal für Prüfungen abstellt.

Bei der theoretischen Prüfung hingegen ist die Ursache klar. Weil die Prüfung an Computern in einem großen Raum absolviert wird und die Abstandsregeln aufgrund des Coronavirus eingehalten werden müssen, können momentan weniger Leute gleichzeitig eine Prüfung ablegen als zuvor. Das bestätigt auch der TÜV Rheinland: „Um beispielsweise die geforderten Distanzregelungen von mindestens 1,5 Metern einzuhalten, können auf absehbare Zeit nur etwa ein Drittel der früher möglichen Theorieprüfungen durchgeführt werden.“

Für den Betrieb von Hinterholzer ist die Situation schlecht. „Es war schlimm genug, dass wir wegen Corona acht Wochen Totalausfall hatten“, sagt er. Und nun folge die nächste schwierige Phase. „Wir können nicht absehen, wann sich die Lage ändert und wie schnell“, sagt der Fahrlehrer.

Der Fahrlehrerverband Nordrhein steht den Fahrschulen derweil zur Seite. Am Dienstag trifft sich der Verband mit dem TÜV Rheinland. In einem gemeinsamen Gespräch sollen Lösungen für die prekäre Lage der Fahrschulen präsentiert werden, berichtet Vorsitzender Kurt Bartels. Nach seiner Ansicht muss den Betrieben dringend geholfen werden. „Die Probleme sind massiv und der TÜV lässt uns hängen“, sagt Bartels und ergänzt: „Viele Fahrschulen sind in ihrer Existenz bedroht.“ Die Rechnung sei einfach: Keine Prüfungen bedeutet auch keine Fahrausbildung und somit keine Einnahmen. Bartels plädiert daher dafür, dass der TÜV nun mehr Prüfer einsetzt – durchaus auch aus anderen Abteilungen.