65 Jahre glücklich in Radevormwald - Ruth und Gerhard Mikoteit feiern Eiserne Hochzeit

Seltener Hochzeitstag in Radevormwald : Seit 65 Jahren verliebt in die Nachbarstochter

Ruth und Gerhard Mikoteit aus Radevormwald feiern an diesem Wochenende ihre Eiserne Hochzeit, vor 65 Jahren haben sie geheiratet. Der Krieg hat sie zueinander geführt.

Bis zur Eisernen Hochzeit schaffen es nicht viele Ehepaare, aber Ruth und Gerhard Mikoteit können in dieser Woche ihren 65. Hochzeitstag feiern. Gestern empfingen die beiden Radevormwalder bereits viele Freunde und Gemeindeglieder aus der freien evangelischen Gemeinde am Grafweg, am Samstag steht eine weitere Feier mit der Familie an. Bis sie vor 65 Jahren in Wellringrade in Radevormwald heiraten konnten, musste besonders Gerhard Mikoteit einige Schwierigkeiten über sich ergehen lassen.

„Wie wir uns kennengelernt haben, ist eine komische und sehr lange Geschichte“, sagt der 89-Jährige, der ursprünglich aus Ostpreußen kommt. Dort hat er mit seiner Familie in einem kleinen Dorf gewohnt, das sie im Oktober 1944 verlassen mussten. „Wir mussten unser Elternhaus verlassen, weil das Dorf von Russen besetzt wurde. Wir sind mit unserem ganzen Haushalt und allen Familienmitgliedern, auch mit meiner Oma, geflüchtet.“

Die Erinnerung an die Kriegsjahre hat Gerhard Mikoteit noch klar vor Augen. Die Erlebnisse seiner Kindheit und Jugend haben ihn geprägt. Seine Großmutter, so sagt er, war der Schutzengel der Familie. „Wir haben sie auf einem Handwagen mitgenommen. Immer wenn wir in eine brenzlige Situation gekommen sind, hat man uns weiterziehen lassen. Alte Frauen, wie meine Oma, wurden geschützt“, sagt er. Nach einiger Zeit konnten er und seine Familie wieder zurück nach Ostpreußen, nach vier Jahren wurden sie ausgewiesen und flüchteten nach Berlin.

„Unser Nachbar in Berlin war Soldat und kannte Radevormwald. Er hat uns die Adresse gegeben und wir sind nach Wellringrade geflüchtet.“ In Radevormwald angekommen, war seine neue Nachbarin seine heutige Frau Ruth, die zwei Jahre jünger ist. „Wir haben uns schnell kennengelernt. Wir waren jung und verliebt“, sagt Ruth Mikoteit, die damals 17 Jahre alt war. In Wellringrade wurde die Familie von Gerhard Mikoteit mit offenen Armen empfangen. Die Liebe zwischen der jungen Frau und dem jungen Mann wurde schnell ernst. „Wir haben in Wellringrade geheiratet und mein Kinderzimmer wurde zum Eheschlafzimmer“, erzählt Ruth Mikoteit.

Von diesem Zeitpunkt an stellte sich das Ehepaar allen Herausforderungen gemeinsam. Obwohl Gerhard Mikoteit in Ostpreußen keinen Schulabschluss mehr machen konnte, fand er in Radevormwald eine Ausbildungsstelle als Werkzeugmacher. „Die Firma Wagner hat mir einen Ausbildungsplatz angeboten und mir sogar einen guten Lohn bezahlt, weil ich meine Familie ernähren musste.“ Mit der Flucht nach Radevormwald drehte sich das Leben von Gerhard Mikoteit zum Guten.

Nach beschaulichen Jahren in Wellringrade baute das Ehepaar 1956 in der Ortschaft Neuenhof ihr neues Zuhause. Dort leben sie immer noch. Mit vier Kindern, acht Enkeln und drei Urenkeln haben Ruth und Gerhard Mikoteit eine große Familie, auf die sie sehr stolz sind. „Wir haben keinen Streit in der Familie, sondern verstehen uns alle gut. Das ist nicht selbstverständlich. Wir hatten eine gute Zeit“, sagt Ruth Mikoteit. Halt hat dem Ehepaar immer ihr Glaube gegeben. „Unsere Gemeinde ist unsere Heimat.“

Gerhard Mikoteit denkt täglich an den Trauspruch zurück, für den er und seine Frau sich vor 65 Jahren entschieden haben. „Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet. Der hat uns durch alle Jahre begleitet.“ Nach 65 Jahren sind Ruth und Gerhard Mikoteit immer noch verliebt und stolz darauf, ihre Leben zu teilen.