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40-jähriger aus Wermelskirchen kann Rückzahlung nicht leisten

Amtsgericht in Wermelskirchen : 40-Jähriger kann Rückzahlung nicht leisten

Konkret ging es um einen Fall von Internetbetrug, bei dem der 40-Jährige im Dezember 2017 einen sogenannten Antminer, eine Hardware, mit der man selbst die Kryptowährung Bitcoin erwirtschaften kann, kaufte.

Corona sorgt bisweilen dafür, dass bereits verurteilte und zumindest nach eigener Aussage auch willige Verurteilte, mit ihren vom Gericht auferlegten Verpflichtungen nicht hinterherkommen. Wie jetzt im Fall eines 40-jährigen Mannes aus Wermelskirchen, der bereits wegen Internetbetrug vor Gericht gestanden hatte, und dessen Verfahren gegen die Auflage der Rückzahlung des unrechtmäßig erhaltenden Betrags über 1750 Euro eingestellt worden war. Ein zweites Mal hatte der Mann sich bereits wieder vor Gericht wiedergefunden, weil es offensichtlich ein Missverständnis mit der Bankverbindung gegeben hatte. Nun jedoch hatte er die vereinbarten Ratenzahlungen nicht mehr leisten können – aus eigenen Angaben aus wirtschaftlichen Gründen. Er arbeite in der Gastronomie – und dort könne er wegen der Corona-Pandemie schon seit fast einem halben Jahr nicht mehr arbeiten. „Mir bleibt nicht mehr wirklich genug zum Leben, da ich nur Kurzarbeitergeld bekomme – und auch noch unterhaltspflichtig für vier Kinder bin“, sagte der Angeklagte.

Konkret ging es um einen Fall von Internetbetrug, bei dem der 40-Jährige im Dezember 2017 einen sogenannten Antminer, eine Hardware, mit der man selbst die Kryptowährung Bitcoin erwirtschaften könne, kaufte. „Es gab vor ein paar Jahren einen großen Hype um diese Geräte, ich habe im Rahmen einer Verlosung die Kaufoption für ein solches Gerät gewonnen und es bestellt“, sagte der Angeklagte. Weiterverkauft habe er das Gerät für 1750 Euro über Ebay – ohne dass es sich bereits in seinem Besitz befunden habe. Der Käufer sei in Vorleistung getreten und habe ihm den Betrag in zwei Chargen überwiesen. Als der Antminer schließlich beim Angeklagten angekommen sei, habe er indes feststellen müssen, dass das Gerät defekt sei. „Das Geld des Käufers hatte ich bereits wieder in Bitcoins investiert – und verloren. Ich hatte also kein Geld mehr, um dem Käufer sein Geld zurückzuzahlen“, sagte der 40-Jährige. Er habe diesen allerdings darüber auch im Unklaren gelassen – weil er sich geschämt habe. Auch habe er versucht, das defekte Gerät umzutauschen, allerdings ohne Erfolg. „Ich habe dem Käufer schließlich auch gesagt, dass ich ihm das Geld zurücküberweisen würde, ohne dass ich es hatte. Ich habe aus der Not heraus gelogen“, sagte der Angeklagte zerknirscht.

Nach der zweiten Verhandlung, als es um die korrekte Bankverbindung gegangen sei, habe er drei Raten an den Käufer zurückgezahlt, insgesamt 750 Euro. Dann sei Corona gekommen – und somit sein Einkommen weggefallen. Das traf auf Verständnis bei Staatsanwalt und Richterin. Beide zeigten sich bereit, das Verfahren gegen Sozialstunden noch ein drittes Mal vorläufig einzustellen. „Aber betrachten Sie es als ihre allerletzte Chance. Suchen Sie sich möglichst schnell eine Stelle, an der sie die 100 Sozialstunden ableisten können – ich empfehle Ihnen etwa den Bereich Umweltschutz oder eine Friedhofsgärtnerei“, sagte die Richterin.

Sobald die wirtschaftliche Situation besser sei, solle er sich zudem um die Fortsetzung der Rückzahlung der restlichen 1000 Euro kümmern.