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120 Bürger gegen die „Spaziergänge“

Kundgebung fürs Impfen in Wermelskirchen : 120 Bürger gegen die „Spaziergänge“

Eine Bürgerinitiative hatte kurzfristig zu einer Kundgebung aufgerufen. „Impfen statt Schimpfen“ oder „Nachdenken statt Querdenken“ hieß es auf ihren Spruchtafeln.

Deutlich über 100 Teilnehmer, überschlagen mindestens 120, versammelten sich am Montagabend zu einer Kundgebung auf dem Rathausvorplatz. Ihr Ansinnen machten Spruchtafeln deutlich: „Impfen statt Schimpfen“ oder „Nachdenken statt Querdenken“ war darauf zu lesen. Kurzfristig hatte eine Bürgerinitiative zu der Kundgebung aufgerufen, an der sich auch Bürgermeisterin Marion Lück und ihr Amtsvorgänger Rainer Bleek als Redner beteiligten. Die „Spaziergänger“ waren zuvor losgezogen.

Marion Lück berichtete davon, dass sie just am Tag der Kundgebung erneut anonyme Drohpost erhalten habe und forderte zum Impfen gegen Corona auf: „Unser Zusammentreffen heute ist ein deutliches Zeichen für Demokratie und gegen das Verweben von Themen.“ Rainer Bleek betonte, dass Verschwörungstheorien und Wissenschaftsleugnung nicht zu akzeptieren seien: „Ein Angriff auf die Grundlagen unseres demokratischen Zusammenlebens geht nicht.“

Moderator Armin Himmelrath appellierte für die Initiatoren der angemeldeten Kundgebung: „Lasst uns alle das tun, was nötig, um die Impfquote nach oben zu treiben, damit das Elend ein Ende hat.“ Und weiter: „Wir sind die große Mehrheit. Wir verstecken uns nicht feige hinter Spaziergängen.“

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Pfarrer Manfred Jetter ging in seinem Redebeitrag nicht auf die Spaziergänge ein, sondern äußerte vielmehr Verständnis dafür, dass überall in der Gesellschaft nach zwei Jahren Corona-Pandemie die Nerven blank lägen. Er wehrte sich unter anderem gegen Einschüchterungsversuche aller Art und beschrieb die schwere Aufgabe für Politikerinnen und Politiker, einen gesellschaftsfähigen Konsens zu finden hinsichtlich der zu ergreifenden angemessenen Maßnahmen gegen die Pandemie. „Das heißt für mich - bis ich es besser weiß - selbstverständlich auch mich impfen zu lassen, wenn nicht gravierende medizinische Gründe dagegen stehen. Impfen aus Einsicht, auch aus Solidarität mit der Gesundheit und der Freiheit der anderen." Er rief alle Bürgerinnen und Bürger zur Besonnenheit auf und zum hörenden Dialog miteinander.

Zum Schluss zeigt er Beitragsmöglichkeiten von Kirche in dieser schwierigen Situation auf: Solidarität mit Bedrohten, eine Plattform bieten für einen ehrlichen Dialog und Seelsorge für Menschen in Krisensituationen.

An die 42 Wermelskirchener, die bislang an oder mit Corona verstorben sind, gedachte die Versammlung mit einer Schweigeminute und stellte 42 Grablichter auf. Trompeter Matthias Pahl schloss die 45-minütige Kundgebung mit „Freude schöner Götterfunken“ unter Applaus ab.

Dem in einer vorherigen Version formulierten Satz „Die sogenannten Spaziergänge bezeichnete Pfarrer Manfred Jetter als „unsäglich“ und forderte Impfen ,aus Einsicht und Solidarität‘widerspricht Jetter entschieden.