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Wegberg: Zuhören, abwägen und schlichten

Wegberg : Zuhören, abwägen und schlichten

Kurt Spitler ist Schiedsmann. Bei Konflikten können sich Bürger der Stadt Wegberg bei ihm melden. Manchmal reicht schon ein Ratschlag.

Wenn Kurt Spitler zu Hause das Telefon abnimmt, muss er gut zuhören. Manchmal beginnt für den 68-Jährigen dann sein Ehrenamt als Schiedsmann der Stadt Wegberg. Bei verschiedenen Konflikten können sich die Stadtbewohner bei ihm melden, um bei ihm ein Schiedsverfahren zu bekommen. Vielleicht reicht schon ein Ratschlag am Telefon aus, um den Konflikt zu beenden. Ist das nicht der Fall, lässt Kurt Spitler einen Antrag auf ein Schiedsverfahren ausfüllen. Dann ist es seine Aufgabe, zwischen den Konfliktparteien zu schlichten. Damit er eine Lösung finden kann, muss er vor allem gut zuhören.

189 Jahre alt ist die Idee, Streitigkeiten durch Schlichtung statt durch ein Gerichtsverfahren beizulegen. Als Instanz vor dem Gericht ist der Schiedsmann ein Ansprechpartner, um Konflikte zu lösen. Vermögensrechtliche Streitigkeiten, Körperverletzungen, Beleidigungen, Hausfriedensbruch, Bedrohungen und Sachbeschädigungen können von Schiedsmännern geschlichtet werden.

Seit 15 Jahren übt Kurt Spitler das Ehrenamt als Schiedsmann aus. Der studierte Jurist hat als Banksyndikus jahrelang Banken in juristischen Fragen beraten. "Dann habe ich mir überlegt, meine Fähigkeiten der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen", sagt er. Seine Frau erfuhr, dass die Stadt Wegberg einen neuen Schiedsmann suchte. Spitler bewarb sich. Kurze Zeit später wählte der Stadtrat ihn in das Amt.

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"Die Wegberger sind friedliche Menschen", bilanziert Spitler. Wenn denn ein Schiedsverfahren ansteht, sei es "meist der böse Nachbar". Oft gehe es um Überwuchs an der Grundstückgrenze oder installierte Videokameras. Zu Beginn eines Verfahrens sei es "wichtig, dass die Personen ihr Herz ausschütten können". Der Schiedsmann hört ganz genau zu. "Nur durch das Zuhören merke ich, wo bei den Konfliktparteien der Schuh drückt." Bei Nachbarschaftsstreitigkeiten stellt er meist fest, dass das Anliegen nur die Spitze des Eisbergs ist. Nachdem er durch das Zuhören einen Einblick bekommen hat, überlegt Spitler, "was man vernünftigerweise tun kann". Den Nachbarn versuche er als Schiedsmann dann zu erklären, wie wichtig eine gute Nachbarschaft doch sei.

An einem Streit um eine Orange erklärt Spitler, wie eine Konfliktlösung aussehen könnte. Im einfachsten Fall könne ein Schiedsverfahren herausfinden, dass beide etwas Unterschiedliches wollen. Der eine die Schale, der andere den Saft. "So einfach ist es aber oft nicht." Wenn nämlich beide den Saft wollen, muss er weiter überlegen: Könnte man ihn vielleicht teilen? Wer benötigt den Saft vielleicht dringender? In anderen Fällen orientiert sich Spitler an der Rechtsprechung. Bei Körperverletzung kann er beispielsweise Schmerzensgeld aushandeln. "Wichtig ist, dass Genugtuung eintritt", erklärt Spitler.

"Wenn man es dann geschafft hat, eine Einigung zu erzielen", freue er sich natürlich. Dann ist sein Dienst an der Allgemeinheit erledigt. Wenn nicht, können die Konfliktparteien vor Gericht ziehen und einen Richter entscheiden lassen.

(anek)