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Wissenswertes über die Wegberger Goldmünze Tremissis

Vortrag beim Historischen Verein : Wichtiger Fund: Wegberger Goldmünze

In der Geschichtswerkstatt des Historischen Vereins Wegberg stand eine Goldmünze aus dem 7. Jahrhundert nach Christus im Mittelpunkt. Der so genannte Tremissis ist ein kostbares Relikt längst vergangener Zeiten.

Bei der Geschichtswerkstatt des Historischen Vereins in der Wegberger Mühle spielen Familiengeschichten und besondere Begebenheiten aus vergangenen Zeiten eine Rolle. Ob dokumentiert oder mündlich überliefert: Sie können im Kreis von Geschichtsinteressierten vorgetragen werden. Darüber hinaus werden Fotos und alte Postkarten mitgebracht und eingescannt.

Die Ortsgeschichte sollte beim vergangenen Treffen auch wieder eine Rolle spielen. Dabei stand ein Goldmünzen-Fund aus dem Jahr 2018 auf Wegberger Stadtgebiet im Mittelpunkt der Gespräche. Vorsitzender Hermann-Josef Heinen hatte dazu einen Vortrag vorbereitet. Mitglieder des Arbeitskreises Archäologie des Vereins waren kürzlich von der Fachtagung „Archäologie im Rheinland 2018“ im Landesmuseum Bonn zurückgekehrt, auf der in einer Sonderausstellung einige herausragende Neufunde des letzten Jahres präsentiert wurden und noch werden. Darunter eine Goldmünze aus dem 7. Jahrhundert nach Christus, die auf Wegberger Stadtgebiet, wahrscheinlich in einem Garten, gefunden worden ist. Etwas kleiner als ein 20-Cent-Stück, weist sie viele interessante Merkmale auf, die Hermann-Josef Jansen anhand von Abbildungen und Texten näher erläuterte.

Es war für die Besucher ein Sprung in eine weit zurückliegende Zeit, in der es üblich war, mit Goldmünzen zu bezahlen. Der so genannte Tremissis stellt auf der Vorderseite den stilisierten Kopf eines Herrschers nach spätantikem Vorbild dar, war zu erfahren. Geprägt wurde sie in Dorestad, wie ein Schriftzug verrät. Diese wichtige Handelsstadt lag in den heutigen Niederlanden, südlich von Utrecht.

Zudem ist auf der Rückseite ein Kreuzsymbol für das Christentum sowie die Umschrift Madelinus zu erkennen. „Der Tremissis war eine spätantike Goldmünze des Römischen Reiches“, führte Heinen aus, eine Drittelmünze der römischen Standardgoldmünze Solidus. Sie bestand aus 1,51 Gramm reinem Gold.“ Der Solidus war erstmals im Jahr 309 in Trier geprägt worden, der erste Tremissis wurde in der Zeit von 364 bis 375 eingeführt. „Ab Beginn des 5. Jahrhunderts wurde der Tremissis durch die kaiserlichen Münzstätten in großer Menge ausgegeben und etablierte sich als gängigste Münze.“

Die Goldmünzen wurden dann nach der Römerzeit durch die Könige in ihren Reichen übernommen. Eine Besonderheit dabei war, dass die Merowinger den Tremissis durch Münzmeister produzieren und als von diesen gekennzeichnet in Umlauf bringen ließen. Entsprechend zeigte beim Wegberger Fund der Name Madelinus den Merowingerzeitlichen Münzmeister an. Die Drittelmünze wurde schließlich ab 660 durch eine Silberwährung ersetzt.

Zum möglichen Wert, nach dem ein Besucher fragte, konnte der Referent keine genaue Angabe machen. Preise von 100 oder 150 Euro bis zu 5000 Euro seien in diesem Bereich anzusetzen. Beim Wegberger Fund handelt es sich voraussichtlich um einen Wert von 100 bis 500 Euro, wobei eher die höhere Zahl zutreffen sollte.

Grundsätzlich gehören alle Funde dem Land, erklärte Klaus Bürger vom Arbeitskreis Archäologie, sie sollten diesem übergeben werden und es wird eine Fundmeldung gemacht. Danach erhält der Finder das Stück in den meisten Fällen zurück.

Im hiesigen Gebiet eine Goldmünze zu finden sei allerdings eine Rarität, war man sich beim Treffen einig. Und dieser Glücksfall rief Erinnerungen daran hervor, dass schon einmal, einige Jahre zuvor, ein Münzschatz in Wegberg gehoben worden war. Dieser ist im Begas Haus ausgestellt.