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Wie Reservisten aus Merbeck einen Dienst an der Allgemeinheit leisten​

Bundeswehr-Standort in Wegberg : Merbecker Reservisten wären im Ernstfall zur Stelle

Die Reservistenkameradschaft der Bundeswehr in Merbeck setzt sich für den Frieden in Europa ein. Aber auch im Verteidigungsfall sieht sich die Truppe zur Unterstützung verpflichtet.

„Einmal Soldat, immer Soldat“, sagt Stefan Grates und verzieht die Lippen zu einem leichten Lächeln. Aber er sagt das nicht im Scherz, er meint das durchaus ernst. Für den Reservisten der Bundeswehr im Rang eines Obergefreiten ist klar, dass er zur Stelle sein wird, wenn die Truppe ihn braucht – im Guten wie im Schlechten. „Alle Kameraden, die einen Eid geschworen und ein Gelöbnis abgelegt haben, fühlen sich auch daran gebunden“, sagt der Familienvater. Im Bündnisfall – wenn ein Nato-Staat angegriffen würde – wäre er bereit. „Da gibt es keine Diskussion für mich“. Und der russische Angriffskrieg auf die Ukraine lässt dieses Szenario längst nicht mehr wie eine bloße Schreckensvision erscheinen.

Stefan Grates, 43 Jahre alt, gehört der Reservistenkameradschaft (RK) Merbeck an und ist im zivilen Leben im Katastrophenschutz tätig. Kameradschaft – das klingt im ersten Moment nach Männerbund und altherrenhafter Kraftmeierei. Aber das sind Klischees, die Wahrheit sieht ein bisschen anders aus. „Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, um klarzumachen, dass wir nicht nur im Grünen robben“, sagt Günter Güttes (55). Wie sein Kamerad ist er Obergefreiter und Mitglied der RK Merbeck.

 An Karfreitag war die Reservistenkameradschaft Merbeck zu einem zwölf Kilometer langen Orientierungsmarsch aufgebrochen. Aktivitäten wie diese finden regelmäßig statt.
An Karfreitag war die Reservistenkameradschaft Merbeck zu einem zwölf Kilometer langen Orientierungsmarsch aufgebrochen. Aktivitäten wie diese finden regelmäßig statt. Foto: Stefan Grates
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Wehrübungen sind durchaus ein Bestandteil ihrer Aktivitäten. Neben der Einsatzausbildung und dem Katastrophenschutz-Training gibt es auch Kameradschaftsabende, das Reservisten-Biwak mit Live-Musik an Vatertag, Ausflüge zu wehrtechnischen Museen und sicherheitspolitische Seminare. Dabei legen die Reservisten viel Wert auf Geselligkeit und sehen sich in Merbeck als Teil der Dorfgemeinschaft. Am Volkstrauertag und an Allerheiligen sammeln sie mit den ortsansässigen Vereinen für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Hinzu kommt die Teilnahme am Internationalen Mönchengladbacher Militärwettkampf (IMM), dem größten und ältesten militärischen Vielseitigkeitswettkampf, der am 1. Oktober wieder mit mehr als 160 Wettkämpfern aus acht Nationen am Schloss Rheydt ausgetragen wird.

„Es gibt keine Altersgrenze bei uns“, sagt Günter Güttes. „Die Kameraden, die 65 und älter sind, nehmen allerdings nicht mehr am aktiven Dienst teil.“ In einem Lagerraum hat die Kameradschaft ihr Equipment verstaut: Mannschaftszelte zählen dazu, Stromerzeuger, Thermobehälter für Speisen und auch eine eigene Flagge mit Mast. Waffen gehören nicht zur Ausrüstung der Reservisten, bei Schießübungen etwa in Kasernen sei Sicherheit das oberste Gebot, betont Güttes. Seit 1975 gibt es die RK Merbeck, 2015 wurde das 40-jährige Bestehen groß gefeiert. Eine Dankesurkunde des Landeskommandos NRW, von Brigadegeneral Peter Gorgels unterschrieben, erinnert daran. Zwischen 1982 und 1994 haben die Merbecker Reservisten den Internationalen Militärwettkampf „Schwalmpatrouille“ in Arsbeck ausgerichtet – ein Highlight in der Geschichte der RK.

Der Reservistenverband der Bundeswehr versteht sich als „Bürgerinitiative für Landesverteidigung“ sowie als Bindeglied zwischen Bundeswehr und ziviler Gesellschaft. Nach Angaben der Bundeswehr zählt die Reserve in Deutschland etwa 949.000 dienstleistungspflichtige Angehörige, davon sind 31.500 beordert, nehmen also regelmäßig an Übungen teil. Reservisten würden vor allem im Heimatschutz bei Katastrophen und schweren Unglücken wie etwa dem Hochwasser an der Ahr 2021 einen Dienst an der Allgemeinheit leisten, so die Bundeswehr.