Weihnachtsgeschichten von den SiebenSchreibern Wegberg: Süßer die Glocken nie klingen

Weihnachtsgeschichten von den SiebenSchreibern Wegberg : Süßer die Glocken nie klingen

Weihnachtsgeschichten Die Wegberger Autorengruppe SiebenSchreiber schenkt unseren Lesern sieben Geschichten, so wie diese von Anneliese Baatz.

„Alle Jahre wieder- hm hm hm“ – singend und summend geht Gerda gemütlich vom Friedhof in Richtung Park. Die Dämmerung hat eingesetzt. Im Park angekommen, ist es ihr ein wenig unheimlich. Treibt sich dort hinter den Büschen irgendjemand herum? Sie wird schneller. „Jetzt noch die Weihnachtsbestellung in der Buchhandlung abholen und nichts wie nach Hause.“

Plötzlich gehen alle Lichter aus. Ringsum Dunkelheit. „Oh, da hat man der Stadt den Strom abgesperrt“, schmunzelt Gerda, bevor sie von einer unsagbaren Kraft magisch in die Tiefen des Stadtweihers gezogen wird. Nach einer Weile findet sie sich in einem kargen kalten Raum wieder. Rechts und links von ihr Soldaten in einer Ritterrüstung. Gerda möchte schreien, sprechen. Kein Laut dringt aus ihrer Kehle. Da ertönt eine tiefe Stimme: „Hab keine Angst Menschenkind, heute feiern wir Weihnachten in dieser schönen alten Burg. Komm mit, vertrau mir.“

Gerda rafft sich auf und folgt zögernd der Stimme. Wieder öffnet sich eine Tür. Sie ist geblendet von den vielen Lichtern eines riesengroßen Tannenbaumes. „O Tannenbaum, o Tannenbaum“, hört sie leise im Hintergrund. An einer weihnachtlich geschmückten festlichen Tafel sitzt der Bürgermeister mit dem Stadtrat, und alle singen einstimmig mit den Kirchenchören „Stille Nacht, Heilige Nacht“.

Gerda wagt kaum zu atmen; schaut sich sprachlos und staunend um. An einer weiteren Tafel unterhalten sich St. Martin und der Heilige Nikolaus. Lucia mit dem Lichterkranz begrüßt den Pastor der Pfarrei. Weiter hinten an einer Bücherwand entdeckt Gerda sieben Geschöpfe, die ihre rauchenden Köpfe zusammenstecken. „Kling Glöckchen, klingelingeling“, tönt es nun vom Liedersternchenchor. Zwischen all dem wuseln Weihnachtswichtel und verteilen bunte Pakete.

Gerda schaut entrückt dem bunten Treiben zu. Angenehmer Plätzchenduft dringt in ihre Nase. Sie wird unruhig. „Süßer die Glocken ..„Hallo Gerda, wach auf“ - nie klingen – „Gerda“? – als zu der Weihnachtszeit. Glocken – „Gerdaaa“? Mit einem Ruck springt Gerda von der Couch: „Oh je, meine Plätzchen!“

„Die hab ich schon aus dem Ofen geholt“, beruhigt sie ihr Mann und stellt die CD ab. „Aber du wolltest noch zum Friedhof und zur Buchhandlung.“