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Wegberger Theaterabo in der Krise

Debatte im Hauptausschuss : Wegberger Theaterabo in der Krise

Nachdem die Preise erhöht wurden, ist die Zahl der Theaterabonnenten in Wegberg drastisch gesunken. Im Wegberger Rathaus wurde über die Zukunft des Abos diskutiert. CDU, FDP, AfW und Freie Wähler müssen sich Kritik anhören.

Eine brisante Vorlage hatte die Stadtverwaltung für die Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses vorbereitet. Als eine von drei Optionen stand im Wegberger Rathaus die endgültige Aufgabe des Theaterabonnements zur Diskussion. Nach einer deutlichen Preiserhöhung ging die Zahl der Abonnenten zuletzt stark zurück. Doch als „Totengräber der Kultur in Wegberg“, wie sich SPD-Fraktionsvorsitzender Ralf Wolters ausdrückte, wollte sich an diesem Abend keine Fraktion betätigen, so dass diese Option schnell vom Tisch war.

Vier Vorstellungen pro Jahr bietet das städtische Theaterprogramm im Forum Wegberg. Doch das Kulturprogramm ist für die Stadt nicht zum Nulltarif zu haben. Deshalb hatte der Stadtrat im Frühjahr 2018 mit den Stimmen des Mühlenbündnisses (CDU, FDP, AfW) und der Freien Wähler entschieden, die Preise für das Theaterabonnement deutlich anzuheben. Hintergrund ist die angespannte Haushaltslage der Stadt: In Bezug auf die Leistungsstunden im Bauhof und in der Verwaltung sollte fortan kostendeckend gearbeitet werden. Der entsprechende Konsolidierungsbeitrag der Maßnahme im Haushaltssicherungskonzept wurde gegen den Rat der Stadtverwaltung auf einen Schlag um 5000 auf 13.000 Euro erhöht.

Mit der damit verbundenen satten Preiserhöhung sank die Zahl der Theaterabonnenten von 310 auf 241. Der Einzelkartenverkauf verringerte sich von 327 auf 115. Trotz Preiserhöhung nahm die Stadt weniger Geld ein als vorher. Die Einnahmen erreichten nicht mal mehr den ursprünglichen Konsolidierungsbeitrag in Höhe von 8000 Euro. Für den Haushaltsplanentwurf 2019 musste die Stadt die ursprünglich eingeplanten Einnahmen in Höhe von 40.000 Euro auf 26.000 Euro korrigieren. Zum Vergleich: Für die Spielsaison 2017/18, also vor der Preiserhöhung, waren noch 34.488 Euro an Einnahmen erzielt worden.

Die Stadtverwaltung steht damit vor einem Dilemma: Auf der einen Seite konnte für die Spielzeit 2018/19 weder das angestrebte Ziel der Kostendeckung noch der im Haushaltssicherungskonzept veranschlagte Konsolidierungsbeitrag (8000 Euro) erreicht werden; auf der anderen Seite müssen bis spätestens Ende April 2019 die Theaterstücke für die Spielzeit 2019/20 ausgesucht und gebucht werden. In der Beschlussvorlage der Verwaltung heißt es: „Es stellt sich daher die Frage, wie und ob das langjährige Theaterabonnement weiter fortgeführt werden soll.“

Für SPD, Linke und Grüne stehen die Schuldigen fest: Das Mühlenbündnis (CDU, FDP, AfW) habe mit Unterstützung der Freien Wähler das Theaterabonnement sehenden Auges an die Wand gefahren. „Diese Entwicklung haben wir damals schon vorausgesagt. Sie ist eine Boykotterklärung der Bürger für unser Handeln im Rat“, sagte Christiane Merz-Valsamidis (Grüne). „Wir haben bereits im Frühjahr 2018 darauf hingewiesen, dass wir in diesem Bereich nicht kostendeckend arbeiten können“, pflichtete ihr SPD-Fraktionsvorsitzender Ralf Wolters bei, „die Entscheidung des so genannten Mühlenbündnisses mit Unterstützung der Freien Wähler hat einen Schaden für die Stadt Wegberg verursacht.“ CDU-Fraktionsvorsitzende Petra Otten entgegnete, dass das Theaterabonnement Teil der freiwilligen Leistungen der Stadt sei und deshalb, wie es der Stadtrat auch einstimmig beschlossen habe, als solches auf den Prüfstand gehöre. Die Union sprach sich dafür aus, sich intensiv um Sponsoren zu bemühen und mögliche Kooperationen mit den Nachbarstädten zu prüfen mit dem Ziel, Kosten zu sparen. Heinz Nießen (FDP) kritisierte, dass die Stadt zu wenig Werbung für das Theaterabo mache – ein Vorwurf, den die Mitarbeiter der Verwaltung entschieden zurückwiesen. „Das Problem des Theaterabonnements ist einzig und allein die eklatante Preissteigerung“, sagte Erste Beigeordnete Christine Karneth.

Der Vorschlag, wieder zu den alten Preisen der Spielzeit 2017/18 zurückzukehren, um den Konsolidierungsbeitrag von rund 8000 Euro wieder anzustreben, lehnten CDU, FDP und AfW mit einer Mehrheit von 13 Stimmen gegen SPD, Linke und Grüne (insgesamt 9 Stimmen) ab. Stattdessen sprach sich der Ausschuss mit der Stimmenmehrheit des Mühlenbündnisses dafür aus, das Theaterabonnement mit der aktuellen Preisgestaltung fortzusetzen und die Verwaltung zu beauftragen, mögliche Kooperationen zu prüfen und nach Sponsoren zu suchen. Eine Antwort auf die Frage, wie das Defizit im Haushaltssicherungskonzept ausgeglichen werden soll, gab es nicht.