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Wegberg-Schwaam: Dorfbewohner bauen Storchennest

Von den Dorfbewohnern gebaut : Storchennest für Schwaam

In dem idyllischen Wegberger Dorf waren in den vergangenen Jahren immer wieder Störche zu Gast – allerdings nur für eine Stippvisite. Nun haben die Einwohner Schwaams den großen Vögeln eine Bleibe gebaut und hoffen, dass sie genutzt wird.

Jedes Mal um die Frühlingszeit herum schauen die Einwohner Schwaams sehnsüchtig in den Himmel. Schließlich bekommt das idyllische 150-Seelen-Dörfchen in Wegberg seit einigen Jahren regelmäßig Besuch von ganz besonderen Gästen: Seit 2013 zum ersten Mal Störche im Ort gesichtet worden sind, ist in der Dorfgemeinschaft ein regelrechter Hype um die großen, weißen Vögel ausgebrochen. Nun haben die Schwaamer ihrem Storch ein Nest gebaut.

Per Teleskoplader richtet Toren Quast das fertige Storchennest auf. Foto: Kathrin Reiners

Schon von weitem sichtbar, in exakt 8,30 Metern Höhe, sollen die Tiere künftig über dem Dorf thronen, wenn es nach den Einwohnern geht. „Wir haben uns gedacht, dass es doch ganz nett wäre, wenn der Storch hier nicht nur zu Besuch wäre, sondern bei uns auch ein Nest hätte“, sagt Kathrin Reiners, die maßgeblich an der Entstehung des großen Mastes beteiligt war. Schließlich war Schwaam auf der Route der Tiere bislang immer nur eine kurze Zwischenstation: „Seit 2013, als wir zwei Störche gesehen haben, kommen eigentlich jedes Jahr welche vorbei. Die sind allerdings immer nur über das Dorf geflogen oder für ein, zwei Tage geblieben.“ Das änderte sich im vergangenen Jahr, als ein Storch den ganzen Sommer über immer wieder seine Runden über dem Dorf drehte.

In diesem Frühjahr hat die Gemeinschaft dann „kurzfristig angeleiert“, ein Storchennest zu errichten. „Die Anleitung dazu hatten wir aus dem Internet, Google sei Dank“, sagt Reiners. So bauten die Schwaamer zwischen März und April – immer unter Einhaltung aller nötigen Corona-Vorschriften – in kleinen Gruppen an dem Horst, bis er schließlich stand. Zimmermann Peter Heldens aus Klinkum baute die achteckige Plattform, der Rand wurde aus Quitten- und Haselnusszweigen geflochten. Die Jägerschaft Schwaam spendierte den Mast, der Gasthof Timmermanns stellte seine Wiese als Standort zur Verfügung. Dort richteten die Schwaamer den fertigen Mast schließlich per Teleskoplader auf.

Erfolg hatten die Schwaamer bislang allerdings noch nicht, wie Reiners sagt: „Der erste Besucher war zwar schon hier, ist morgens über den Ort geflogen. Aber dafür, dass sich hier ein Storch niederlässt, waren wir in diesem Jahr leider zu spät.“ Schließlich beginnt die Brutzeit der Tiere schon im März.

Das fertige Storchennest misst eine Höhe von 8,30 Metern. Foto: Kathrin Reiners

Dass sich die Dorfgemeinschaft so intensiv um die Vögel kümmert, liege am besonderen Charakter Schwaams: „Wir wohnen direkt am Waldrand und haben uns immer schon um Landschafts- und Naturschutz gekümmert. Das ist hier einfach so. Wir sagen immer, dass in Schwaam sowieso mehr Tiere als Menschen leben. Also kümmern wir uns auch um diese Tiere.“

Störche in dem Ort, der mit seinen Wiesen und vielen reetgedeckten Dächern ohnehin an den Norden erinnert? „Das würde schon passen“, sagt Reiners, die stolz auch von anderen fliegenden Gästen erzählt: „2017 hatten wir einen Rotmilan zu Gast, die sind ja auch ganz selten geworden. Und ein Nilgans-Paar macht bei uns manchmal seine Mittagspause.“

Nun hoffen die Schwaamer, dass zumindest im kommenden Jahr ein paar neue Einwohner hinzukommen. „Wer weiß, vielleicht entdeckt der Storch mit seiner Partnerin ja noch mal unser Nest. Irgendwo muss der Nachwuchs ja dann auch bleiben“, sagt Reiners.