Wegberg-Rickelrath: Waldgeister ganz naturverbunden

Naturkindergarten in Wegberg-Rickelrath : Waldgeister ganz naturverbunden

20 Kindergartenkinder lernen in Rickelrath von und in der Natur. Ihre Fantasie wird durch Naturspielzeug, Werken und Freispiel angeregt. Im November ist es 20 Jahre her, dass sich die Elterninitiative „Waldgeister“ gegründet hat.

Um sich frei in der natürlichen Umgebung im Rickelrather Wald an der Alten Schule entfalten zu können, bilden Regeln und Rituale für die Zwei- bis Sechsjährigen die solide Basis. So beginnen sie mit der Vogelfängermelodie. Kindergarten-Leiterin Doris Rosner stimmt sie auf ihrer Blockflöte an, und die Kleinen kommen mit den Betreuern vom Freispiel zum bunt bemalten Bauwagen. Im November ist es 20 Jahre her, dass sich die Elterninitiative „Waldgeister“ gegründet hat. Seinen runden Geburtstag wird der Wald- und Naturkindergarten im Jahr 2020 feiern. Eine Gruppe von 20 Kindern wächst hier im Wald ohne Türen und Wände auf.

„Man hört, was wir machen!“, ruft eins der Kinder auf Doris Rosners Frage hin, was es im „Waldgeisterlied“ zu erfahren gibt. Uns gibt es überall, singt die Kindergruppe mit den an diesem Morgen vier Betreuern, wir klettern auf jeden Baum, bauen Räuberhöhlen, spielen Fußball und tanzen wie Schmetterlinge. Dazu unterstreichen sie mit Bewegungen Gesungenes und schlagen etwa mit den Armen wie mit Schmetterlingsflügeln. Zu meiden seien Wildschweine und der Mückenschwarm. „Wir sind Freunde bei Tag und Nacht und halten zusammen, bis die Schwarte kracht“, betonen sie, sich im Kreis an den Händen haltend. Ebenso singen alle fröhlich das „Gutenmorgenlied“ und tippen zum englischsprachigen Stück „Head and sholders“ die jeweiligen Stellen an. Der Wald- und Naturkindergarten ist eine ganz normale pädagogische Betreuungseinrichtung nach KiBiz-Standard. Er verzichtet weitgehend auf vorgefertigtes Spielzeug, so dass Fantasie und Kreativität der Kleinen in besonderer Weise angeregt werden. Natürliche Förderung der Motorik, Lernen mit allen Sinnen, Englisch für alle Altersstufen sowie Ausflüge zu Bibliothek, Theater oder Bäckerei sowie spezielle naturpädagogische Förderung gehören zu den regelmäßigen Angeboten. Dabei wissen Kinder und Betreuer die Räumlichkeiten in der Alten Schule als zusätzliche Möglichkeit sehr zu schätzen, betont Doris Rosner. „Wir sind nach wie vor immer gerne draußen“, sagt sie, „aber Stürme kommen heutzutage häufiger vor.“ Gehen sie zu weiter entfernten Stellen wie zum Bach, sichern sie sich immer mit dem Blick auf die App des Wetterdienstes ab.

In einer Freiphase wird an diesem Morgen wieder eifrig gewerkelt. Im Werkbereich sägen Waldgeister an Baumstämmen oder schlagen Nägel ein. Auf einem Tisch liegt eine dicke Baumscheibe, die mit einem Beitel innen ausgehöhlt wird – daraus wird eine Trommel gebaut. Eine kleine Eisenbahn ist bereits fertig: Kleine gesägte Astscheiben bilden die Räder, die Lok und Anhänger sind zusammengeleimt und -geschraubt sowie farbig gestaltet. Wenig später laden die drei Vorschulkinder Sharlyn, Ben und Matilda (alle fünf Jahre alt) die anderen dazu ein, Zeuge ihres Experimentes zu werden. Immer mittwochs führen sie mit Erzieher Uwe Bowens eins durch und dokumentieren es später in ihrem Experimentierbuch. Ben gießt aus einer Wasserflasche Flüssigkeit auf einen „Vulkan“ aus Sand, aus dem eine Flaschenöffnung heraus schaut. Alle staunen, als Schaum aus dem Berg heraus sprudelt. In der Gruppe besprechen sie die Reaktion: Die Flüssigkeit aus Essig, roter Farbe und einem Tropfen Spülmittel ist im Kegel auf Backpulver getroffen, es hat sich Kohlendioxid gebildet und das Gas entwich. Begeistert erzählen die jungen Forscher von einem vorherigen Experiment, bei dem eine Kerze in einem mit Essig angefüllten Glas stand – nach Einstreuen von Backpulver auf die Flüssigkeit verdrängte das Kohlendioxid den Sauerstoff und die Kerze ging aus. Die Experimente sind Bestandteil der auf die Schule vorbereitenden Tätigkeiten der Vorschulkinder. An diesem Morgen standen zudem für alle noch Frühstücken und Freispiel an.

„Wir haben schon viel experimentiert, und es macht Spaß“, bekräftigen die drei Fünfjährigen, während sie ihre Eindrücke mit Buntstiften in ihrem Buch festhalten. Ansonsten spielen sie gerne „Einhörner fangen“ zwischen den Bäumen, hinter denen sie sich dann verstecken. Oder auch was Ruhiges: wie Schaukeln oder in der Hängematte liegen.

Mehr von RP ONLINE